Waldsee
Campinggebiet: Stockender Rückbau wird zum Problem
Patrick Just und seine Mitstreiter tun ihr Möglichstes. Das beteuert der Vorsitzende des Vereins Camping-IG-in-den Rheinauen jedenfalls. Der rund 400 Mitglieder zählende Verein ist von der „Naherholung in den Rheinauen GmbH“, deren Gesellschafter der Rhein-Pfalz-Kreis (90 Prozent) und die Ortsgemeinde Waldsee (10 Prozent) sind, nicht nur mit der Platzverwaltung vor Ort betraut worden, sondern auch mit dem Rückbau der Flächen, die seit vergangenem Jahr nicht mehr zum Campinggebiet gehören. Der war nötig geworden, weil der Campingplatz deutlich verkleinert werden sollte und viele Grundstückseigentümer die neuen Pachtverträge mit deutlich schlechteren Konditionen nicht unterschrieben haben.
Eigentlich hätten diese Grundstücke schon Ende 2021 in ordnungsgemäßem Zustand wieder an die Eigentümer zurückgegeben werden sollen. Doch mehr als ein Jahr später sind, schätzt Just, immer noch rund ein Drittel der betreffenden Grundstücke nicht geräumt. Sprich: Dort stehen noch Zäune, liegen Bodenplatten und sonstiger Müll. Manche Camper haben gar ganze schrottreife Wohnwagen zurückgelassen.
Mehr Hilfe benötigt
Während der Rückbau auf dem Gelände neben dem Schulgutweiher, das die Ortsgemeinde Waldsee gekauft hat und eventuell für Ausgleichsmaßnahmen nutzen will, dank des Einsatzes einer Fachfirma mit schwerem Gerät gut vorangeht, sieht es in Justs Zuständigkeitsbereich noch anders aus. Dafür gibt es laut dem Vereinsvorsitzenden mehrere Gründe: Für den Rückbau hat der Camper-Verein zwei Arbeitskräfte eingestellt. Doch das Personal reiche für die Riesenaufgabe einfach nicht – selbst wenn der Vorsitzende selbst mit anpackt. Denn parallel müsse auch noch der laufende Betrieb im Campinggebiet organisiert werden. Hinzu komme, dass bei den Arbeiten Rücksicht auf Brut- und Setzzeiten genommen werden müsse. „Außerdem kommt immer wieder neue Vermüllung dazu“, berichtet Just. Sein Fazit: „Wir kommen nicht drumherum, uns weitere Hilfe zu holen.“ Die GmbH habe Hilfe bei der Abfuhr des Grünschnitts zugesagt. Der Vereinsvorsitzende hofft, dass der Rückbau bis Ende des Jahres abgeschlossen ist. Andere Projekte müssten dafür hintenan gestellt werden. „Wir müssen schauen, dass wir die Kuh vom Eis kriegen“, sagt er.
Dass viele Grundstücke auch mehr als ein Jahr nach Ende der Pachtverträge nicht geräumt sind, hat nach RHEINPFALZ-Informationen offenbar dazu geführt, dass Grundstückseigentümer mittlerweile juristisch gegen die GmbH „Naherholung in den Rheinauen“ vorgehen. Die Kreisverwaltung als Hauptgesellschafter der GmbH hüllt sich auf Anfrage dazu in Schweigen: Man schließe „die Beantwortung von Fragen, die auf eventuelle Klageverfahren gegen die GmbH zielen, grundsätzlich aus“. Ebenso wenig antwortet die Kreisverwaltung auf die Frage, wie sie mit der Verzögerung beim Rückbau umzugehen gedenke. Dieses Thema sei grundsätzlich Gegenstand der Beratungen des Aufsichtsrats der „Naherholung in den Rheinauen GmbH“. Was das Ergebnis dieser Beratungen war, gibt die Kreisverwaltung auf Anfrage nicht preis. „Sollten sich Annahmen des Masterplans als überholt herausstellen, wird eben dieser Aufsichtsrat über die Lösungskonzepte, die GmbH und Verein gemeinsam entwickeln, beschließen“, heißt es lediglich.
Das Verhältnis zwischen GmbH und Camper-Verein ist angespannt. Auch wenn die Kreisverwaltung die Frage nicht beantwortet, ob sie bei möglichen finanziellen Schäden, die durch die Verzögerung beim Rückbau entstehen, den Verein in die Pflicht nehmen will, befürchtet Patrick Just genau das. „Der Worst Case wäre, wenn sie uns in Regress nehmen“, sagt er. Denn der Verein hat sich vertraglich zur Umsetzung des Rückbaus verpflichtet. Ungemach droht auch, weil die Schranke an der Einfahrt zum Campinggebiet, die die Camper mit viel Eigenleistung vor zweieinhalb Jahren installiert haben, auf ein Privatgrundstück ragt. Nun soll sie laut Just versetzt werden.
Unzufriedene Partner
Der Camper-Verein seinerseits ist auch unzufrieden mit der GmbH. In einem Ende 2022 auf der Internetseite des Vereins veröffentlichten Jahresrückblick heißt es, die GmbH komme „definitiv mit den Arbeiten, Pflichten und Zusagen nicht nach“. Patrick Just sagt, damit seien die schon vor Jahren angekündigten Investitionen zum Beispiel in Sanitäranlagen und Ausbau der Wege gemeint. „Ich kann nachvollziehen, dass man nicht aus dem Vollen schöpfen kann“, äußert er auch Verständnis – zumal die Kreisverwaltung auch mit Fehlern, die in der Vergangenheit gemacht wurden, und mit den Folgen des Cyber-Angriffs zu tun habe. „Aber manchmal muss man auch investieren“, findet Just. Der Unmut der Camper über den maroden Zustand der Infrastruktur jedenfalls wachse.
Hauptproblem für die GmbH sind die hohen Verluste, die diese jährlich schreibt. Wie hoch diese aktuell sind, will die Kreisverwaltung auf Anfrage nicht mitteilen. Sie verweist lediglich auf den letzten öffentlich zugänglichen Jahresabschluss aus dem Jahr 2020: Damals hatte die „Naherholung in den Rheinauen GmbH“ einen Verlust von rund 475.000 Euro gemacht.
Der wieder steigenden Beliebtheit des Campinggebiets tun all die Probleme offenbar keinen Abbruch. Rund 1150 Parzellen auf dem verkleinerten Platz seien belegt. Rund 240 Interessenten habe er auf einer Warteliste, berichtet Just. Seine Hoffnung ist weiterhin, dass es mit dem Campinggebiet „Auf der Au“ wieder bergauf geht. Auch wenn sich beispielsweise das angekündigte Tagescamping-Angebot wohl mindestens auf 2024 verschiebt. Immerhin konnte im vergangenen Jahr ein Spielplatz eingeweiht werden.
