Speyer / Otterstadt
Angler fürchten um ihre Gewässer
Ralf Pfeiffer steht an einem verregneten Frühjahrsvormittag am Kiesgraben. Das Gewässer ist rund 20 Hektar groß und liegt zwischen Angelhofer Altrhein und Rhein, zwischen Speyer und Otterstadt. Der See entstand aus der Kiesausbeute. Früher hätten hier die Speyerer Ziegelwerke Ton und später Kies geschürft, so Pfeiffer. Später gab es um das Gewässer Plätze für rund 180 Camper, die Anfang der 2000er-Jahre aufgelöst wurden. Die Flächen wurden renaturiert, das Gelände gehört heute der Speyerer Flugplatzgesellschaft, berichtet Pfeiffer.
Er ist Vorsitzender des zirka 700 Mitglieder zählenden Angelsport- und Fischzuchtvereins (ASFV) Speyer, der den Kiesgraben – wie die Seen im Binsfeld – gepachtet hat. „Pachten heißt in diesem Fall, dass wir das Recht haben, Fische zu entnehmen und die Ufer zu begehen“, erklärt Pfeiffer. Er und seine Angelkollegen wurden zuletzt hellhörig, als die Ortsgemeinde Otterstadt beschlossen hat, dass die Stadtwerke Speyer (SWS) auf der Bannweide eine schwimmende Photovoltaikanlage errichten sollen.
Die Bannweide liegt in einem Natur- und Vogelschutzgebiet. Die Genehmigung für das Vorhaben steht noch aus. Das Verfahren hat erst begonnen. Laut Sprecherin Sonja Daum werden die SWS zunächst ein Büro beauftragen, das beurteilen soll, ob Photovoltaik (PV) auf dem Gewässer verträglich ist. Darüber hinaus gebe es noch keine Planungen.
Beteiligte miteinbezogen
In der Vergangenheit war die Rede von einer 5,8 Hektar großen Anlage mit 7,4 Megawatt Leistung. Als diese erste Idee bekannt wurde, meldete der Otterstadter Angelsportverein Bedenken an, woraufhin mehrere Gespräche zwischen der Ortsgemeinde, dem Angelsportverein, der Firma Rohr und den Stadtwerken folgten. Die Firma Rohr hat die Bannweide gepachtet – genau wie der Otterstadter Angelsportverein – und baut dort Kies ab.
Der von der Anlage produzierte Strom soll im dortigen Kieswerk verbraucht werden, und der Überschuss soll ins öffentliche Netz fließen. Ein Umspannwerk wird dort laut SWS nicht gebraucht. Um den Hochwasserschutz will sich der Energieversorger im Zuge der technischen Planung kümmern. Nach den Gesprächen zwischen den Beteiligten war die Rede davon, dass die Anlage kleiner als ursprünglich geplant würde. Bis es soweit ist, müssen aber noch mehrere Ämter – unter anderem die Obere Naturschutzbehörde – zustimmen.
Pfeiffer: Energiewende „kopflos“
Der Speyerer Angelsportvereinschef sieht die Idee, PV-Anlagen auf Gewässern zu installieren, grundsätzlich kritisch. Er ist der Meinung, dass die Politik bei der Energiewende kopflos vorgehe und nennt als Beispiel geplante Offshore-Windparks in der Nord- und Ostsee und die damit verbundenen Stromtrassen quer durch Deutschland, um den im Norden produzierten Strom nach Süden zu transportieren. Pfeiffer ist überzeugt davon, dass erneuerbare Energien dort produziert werden sollen, wo sie auch verbraucht werden. Er plädiert deswegen dafür, dass sich so viele Privatleute und Gewerbetreibende wie möglich eine PV-Anlage auf ihr Dach installieren lassen und zusätzlich Supermarktparkplätze mit PV-Anlagen überdacht werden. Im Gegensatz zu einem Gewässer werde auf einem Hausdach in kein Ökosystem eingegriffen, so der 51-Jährige.
Stadtwerke äußern sich
Wo er bei seinem Punkt ist: Gewässer wie die Bannweide, die Binsfeld-Seen und der Kiesgraben seien sensible Ökosysteme. Eine darauf schwimmende Anlage könne den Lichteinfall stark reduzieren und die durch den Wind angetriebene Frühjahrs- und Herbstumwälzung des Wassers beeinträchtigen, sagt Pfeiffer. Er selbst hat auf seinem Privatdach schon eine PV-Anlage. Für die „Anglerstubb“ des ASFV im Binsfeld sucht er einen Sponsor, weil vor dem Modulbau erst das Dach ertüchtigt werden müsse.
Die SWS äußern sich auf Anfrage zu den Bedenken. Ihnen sei bewusst, dass die Errichtung von Infrastruktur häufig Konflikte mit sich bringe. Daher sei dem Versorger der Austausch mit tangierten Interessensvertretern wichtig. Mit Blick auf PV-Anlagen auf Gewässern und angesichts eines sehr wahrscheinlich steigenden Strombedarfs in Zukunft sagt SWS-Sprecherin Sonja Daum: „Wir sind überzeugt, dass der regulatorische Rahmen ausreichend ist, um die Belange des Umweltschutzes zu adressieren. Die Photovoltaik ist neben der Windkraft eine bedeutende Säule der erneuerbaren Energieproduktion. Wenn Wasserflächen geeignet sind, sollten wir das Potenzial nutzen, genauso wie geeignete Dachflächen.“
Derzeit keine Pläne für Speyer
Sie teilt auf Nachfrage aber mit, dass die SWS aktuell keine weiteren PV-Anlagen auf Gewässern planen. Grundsätzlich schließt der Energieversorger jedoch keinen Standort für erneuerbare Energien aus. „Sicherlich gibt es Faktoren, die gewisse Standorte geeigneter machen als andere. Dazu zählen rechtliche Aspekte, aber auch die Nähe zu Netzinfrastruktur und Verbrauchern“, ergänzt Daum.
PV-Anlagen über Parkplätzen planen die SWS derzeit nicht. Bei diesen sei die Wirtschaftlichkeit eine große Herausforderung. Für professionelle Anlagen sei umfangreicher Tief- und Metallbau erforderlich. Die Sprecherin: „Die Vorteile der Parkplatzbeschattung haben, zumindest nach unserem bisherigen Verständnis, keinen bezifferbaren Wert für die Parkplatzbetreibenden in unserer Region.“