Mutterstadt RHEINPFALZ Plus Artikel Alter Friedhof: Symbiose aus Kultur- und Ruhestätte

Ruhige Veranstaltungen, Lesungen oder Kunstausstellungen, das geht auf dem Alten Friedhof in Mutterstadt. Aber: „Eine Festival-W
Ruhige Veranstaltungen, Lesungen oder Kunstausstellungen, das geht auf dem Alten Friedhof in Mutterstadt. Aber: »Eine Festival-Wiese kann nicht möglich sein«, sagt der Beigeordnete.

Kultur auf einem Friedhof, funktioniert das? Diese Frage stellte sich in Mutterstadt. Dort soll der Alte Friedhof Schauplatz einer Lesung werden. Kurzum: Es ist möglich. Doch der Grat zwischen kulturellem Leben und der Wahrung der Totenruhe ist schmal.

„Eine Lesung dort kann ich mir sehr gut vorstellen“, findet Elias Weinacht (Grüne) – und mit ihm der im vergangenen Jahr gegründete Verein Hof.Kultur, dem er zusammen mit Melanie Wieser und Karin Dyk vorsteht. Anfang Januar wendet sich Weinacht an die Mutterstadter Verwaltung, um sich eine Autorenlesung auf dem Alten Friedhof in Mutterstadt genehmigen zu lassen. Das 1745 angelegte und 1968 aus Platzmangel geschlossene Areal wird noch immer als letzte Ruhestätte genutzt, laut dem Beigeordneten Hartmut Kegel (FWG) gibt es noch bis 2028 Belegungsverpflichtungen. Daher greift die Friedhofssatzung der Gemeinde vom 11. Dezember 1987, in der unter anderem geregelt ist, dass „Feiern und andere nicht mit einer Bestattung zusammenhängende Veranstaltungen der Zustimmung der Friedhofsverwaltung bedürfen und vier Tage vorher anzumelden sind“.

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Nun war die Anfrage für die Lesung Thema in einer Sitzung des Landwirtschafts- und Umweltausschusses gemeinsam mit dem Kulturausschuss. Es ging darum herauszufinden, ob Veranstaltungen auf dem Friedhof möglich sind, ob es einen Spagat zwischen kulturellem Leben und der Wahrung der Totenruhe gibt. Kegel zufolge wurde eine Stunde lang „querbeet“ kontrovers diskutiert, letztlich aber mit mehrheitlicher Zustimmung ein Beschlussvorschlag formuliert, der folgendermaßen lautet: „Auf dem Alten Friedhof können kulturelle Veranstaltungen von der Friedhofsverwaltung zugelassen werden, sofern sie den Ordnungsvorschriften der Friedhofssatzung nicht widersprechen. Das Programm ist so zu gestalten, dass die Würde des Friedhofs gewahrt bleibt. Die Veranstaltungen dürfen keinen kommerziellen Charakter haben und Bewirtungen sind nicht statthaft. Es dürfen nur von der Friedhofsverwaltung zugewiesene Flächen genutzt werden.“

Weinacht ist es wichtig zu betonen, dass die geplante Lesung eine Veranstaltung ist, die zu dem Umfeld als noch aktive Ruhestätte passe. Maß und Mittel müssten hier angemessen sein. Der Rahmen solle daher bewusst klein gehalten, keine Verstärkeranlage genutzt und Sitzgelegenheiten begrenzt werden. Ein Autor sei mit Stefan Hornbach bereits gefunden. In seinem Debütroman „Den Hund überleben“ gehe es um die bewegende Geschichte eines jungen Manns, der schon in jungen Jahren mit einer harten Diagnose konfrontiert werde.

Insgesamt seien bei einem kleinen Festival zwischen dem 26. und 28. Mai verschiedenste Veranstaltungen an drei Orten in Mutterstadt geplant. Neben dem Alten Friedhof seien dies noch zwei Höfe, in denen an diesen Tagen eine junge Liedermacherin aus Römerberg-Dudenhofen zu hören sei, eine Band Musik zum Besten gebe und auch noch zwei Filme sowie ein Programm für Kinder und Jugendliche auf dem Programm stünden. Da wegen Corona laut Weinacht ein anderer Bedarf an Kultur und Begegnung zu spüren ist, sei es Ziel des Vereins, Orte dafür zu schaffen.

Friedhof als Bürgerhof?

Befürwortet wurde die Anfrage des Vereins auch vom Historischen Verein, der „selbstverständlich“ alle Aktivitäten im Kulturbereich in Mutterstadt begrüßt und sich freut, dass eine neue Vereinigung von Kunstschaffenden und Kunstinteressierten aktiv werden wird. Die geplante Lesung ist für den Vorsitzenden der Ortsgruppe, Lutz Bauer, auch deswegen interessant, da der Autor Mutterstadt als Handlungsort in seinen Roman eingebaut hat und „wir deshalb sozusagen Lokalkolorit erleben würden“.

Ansprechpartner gegenüber der Gemeinde für das Projekt Alter Friedhof/Park der Geschichte sei Mitglied Volker Schläfer, der schon Führungen über den Park organisiert und auch schon vor Längerem Ideen vorgestellt habe, das Gelände bereits vor offizieller Schließung als Gemeindefriedhof und Umwidmung zum Park für Veranstaltungen im Bereich Musik, Chorgesang oder Kunstausstellungen zu öffnen. Auch Beigeordneter Hartmut Kegel sieht in der Zukunft einen generellen Bürgerhofcharakter des Alten Friedhofs, die Friedhofssatzung aber dennoch weiterhin als restriktiv. „Eine Festival-Wiese kann nicht möglich sein“, bestimmt er eine Grenze des Erlaubten.

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