Lambsheim RHEINPFALZ Plus Artikel Abfallsprechstunde: Bürger regen Verbesserungen an

Schwere Stufen: Ferdinand Wohninsland trägt seinen Grünschnitt zwar problemlos die schmale Treppe hoch, um ihn in den Container
Schwere Stufen: Ferdinand Wohninsland trägt seinen Grünschnitt zwar problemlos die schmale Treppe hoch, um ihn in den Container zu werfen. Für andere ist das gar nicht so einfach.

314 Tonnen Müll wurden 2020 illegal im Rhein-Pfalz-Kreis entsorgt. Dabei kann man so ziemlich alles auf den 16 Wertstoffhöfen im Kreis abgeben. Bei der Abfallsprechstunde am Samstag klärte Kreisbeigeordneter Volker Knörr (CDU) mit Bürgern Fragen und nahm deren Anregungen entgegen.

Auf dem Lambsheimer Wertstoffhof ist am Samstagvormittag einiges los. „Um halb 9 standen hier schon vier Autos vor dem Tor“, erzählt Bauhofleiter Marcel Schier. Das Gelände des Wertstoffhofs gehört der Ortsgemeinde, sie ist auch der Betreiber. Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft (Eba) des Rhein-Pfalz-Kreises bezahlt die Mitarbeiter und kümmert sich als Dienstleister für gewöhnlich um die Container, deren Abholung und die Logistik – aus praktischen Gründen regeln die Lambsheimer das laut Schier aber zumeist selbst. Das Personal besteht in Lambsheim aus zwei festangestellten Mitarbeitern, der Bauhof unterstützt mit vier Springern den Betrieb.

Der Wertstoffhof ist als Einbahnstraße aufgebaut. Schier und seine Männer haben ein Auge auf den Betrieb, während ein Auto nach dem anderen vorfährt. Nicht alle sind aus Lambsheim, denn die Bürger haben im Kreis freie Wahl in Sachen Wertstoffhöfe. Die Abgabe in haushaltsüblichen Mengen ist kostenlos. Schilder an den Containern informieren, was dort hineingehört und was nicht. In Lambsheim werden Bauschutt wie Beton, Ziegeln und Fliesen, Großgeräte und Metallschrott wie Wasch- und Spülmaschinen, Mikrowellen, Fahrräder und Töpfe, aber auch Kleingeräte mit und ohne Kabel wie elektrische Zahnbürsten Smartphones, Staubsauger oder Kaffeemaschinen sowie Bildschirmgeräte wie Flachbildschirme oder Notebooks angenommen. Zudem gibt es Sammelstellen für Neonröhren, Energiesparlampen, Getriebeöl sowie ölverschmutzte Lappen und CDs. Die meisten Menschen kommen am Samstag aber, um Grünschnitt loszuwerden.

Vor diesen Containern stehen der Lambsheimer Bürgermeister Herbert Knoll und Kreisbeigeordneter Volker Knörr (beide CDU). Bei der ersten Abfallsprechstunde des Kreises verteilen sie Infomaterial und stehen für Bürgerfragen und -anregungen bereit. Immer mal wieder bleibt jemand stehen, um mit den Herren ins Gespräch zu kommen. Topthema: Der Aufgang zum Grünschnitt-Container. Gerade für ältere oder zierliche Personen kann es schwierig werden, die Abfälle die Treppe hoch zu tragen und über die Containerkante zu werfen. Viele Bürger wünschen sich deshalb die Möglichkeit, Abfälle ebenerdig abzugeben. Knörr und Knoll diskutieren die Anschaffung eines Presscontainers, bei dem die Abfälle unten an der Vorderseite eingeworfen und danach elektronisch gepresst werden. In Waldsee und Maxdorf gibt es so etwas schon. Für solche Container wird allerdings ein Starkstromanschluss benötigt, der bisher in Lambsheim fehlt. Es soll nun geprüft werden, ob man nicht eine Leitung vom benachbarten Gewässerzweckverband Isenach-Eckbach auf das Gelände des Wertstoffhofs legen kann.

Beschwerden hatte es in der Vergangenheit auch wegen längerer Wartezeiten vor dem Hof gegeben. Bauhofleiter Schier rät, Stoßzeiten bei der Abgabe zu meiden. Diese seien zumeist gegen 9 und 11.15 Uhr. Dass der Hof in Lambsheim um 11.45 Uhr schließt, erklärt Schier so: „Sonst kommt der letzte um 12 Uhr, und wir kommen nie pünktlich raus.“ Eine Ausweitung der Öffnungszeiten in den Nachmittag, wie in der Sprechstunde angefragt, rechne sich bei der Größe des Hofs nicht. „Dann müssten wir die Gebühren anheben.“

Weitere Bürgeranfragen drehen sich um die Befestigung des Geländeuntergrunds, der bei Regen aufgeschwemmt wird, und die fehlende Abgabestelle für Hartplastik, das anders als Verpackungsmüll eigentlich nicht in die gelbe Tonne soll. Knörr will sich darum bemühen, weißt aber auch darauf hin, dass wenn Stoffe nicht in Lambsheim abgegeben werden können, sie oftmals auf anderen Höfen in der Nähe angenommen werden. Informationen dazu finden sich auf der Internetseite des EBA.

Wöchentlich illegale Müllabladungen

So mancher will diese Angebote aber einfach nicht nutzen und schmeißt seinen Müll stattdessen irgendwo in die Natur. Gerade während der coronabedingten Schließung des Hofs im Frühjahr 2020 sei das besonders schlimm gewesen, erinnert sich Bürgermeister Knoll. Aber auch heute noch sammelt der Bauhof jede Woche einen Transporter voll wildem Müll ein. „Ich kann es mir nicht erklären“, sagt Knörr dazu.

Denn jeder Haushalt kann Sperrmüll telefonisch unter 0621 59095555 oder online anmelden. Das Jahreskontingent, das auf einmal oder in zwei Abholungen genutzt werden kann, beträgt sechs Kubikmeter pro Hauhalt und ist nicht ins nächste Jahr übertragbar. Wer größere Mengen abgeben will, zahlt derzeit eine Gebühr von 40,26 Euro pro angefangene drei Kubikmeter.

Dass Sperrmüll nicht öfter abgeholt wird, hängt mit der Organisation der Entsorgung zusammen, wie Knörr erklärt: „Wir müssen die Touren und Mengen planen.“ Viele Bürger warten laut dem Kreisbeigeordneten bis zum Jahresende mit der Anmeldung und ärgern sich dann, wenn alle Termine belegt sind. „Ich empfehle, den Sperrmüll rechtzeitig, das heißt bis spätestens Ende September, anzumelden“, sagt Knörr. Die Wartezeit auf einen Termin liege bei vier bis fünf Wochen.

Aber was passiert eigentlich mit dem Müll, der auf dem Wertstoffhof landet? Je nach Wertstoff gehen die Abfälle an verschiedene Verwerter, die sie dann genauer sortieren, weitergeben oder -verarbeiten, informiert Knörr. Für Elektroschrott und Papier bekommt der EBA ein Entgelt pro Tonne, das allerdings von der Lage auf dem Weltmarkt abhängt. „Papier zum Beispiel war eine Zeit lang sehr schwierig, jetzt bekommen wir wieder 200 Euro pro Tonne“, erklärt Knörr. Dafür müsse man jetzt bei Altholz draufzahlen.

Überschüsse und Verwertungserlöse werden laut Eba über die Gebühren an die Bürger zurückgegeben. Erstmals seit mehr als zehn Jahren mussten die Müllgebühren zum 1. Januar jedoch angehoben werden. „Im Vergleich zu anderen Kreisen sind die Gebühren immer noch gering, vor allem bei den vielen Leistungen“, findet Bürgermeister Knoll. Ein Singlehaushalt zahlt nun für Restmüll- und Biotonne 55,73 Euro, ein Vier-Personen-Haushalt 91,42 Euro. Wem die Abholintervalle über zwei Wochen nicht reichen, der kann eine Zusatzleerung gegen Entgelt anmelden, beim Restmüll sind es 2,51 Euro im Singlehaushalt (3,77 Euro bei vier Personen) beziehungsweise 1,49 Euro (2,23 Euro) für den Biomüll. „Das ist nicht die Welt“, sagt Knörr und hofft, dass die Bürger davon Gebrauch machen.

Der Kreisbeigeordnete zeigt sich zufrieden mit der Resonanz auf seine erste Abfallsprechstunde. Die Fortsetzung soll es im Mai in Waldsee geben. Nach und nach will Knörr so auf allen 16 Wertstoffhöfen im Kreis präsent sein.

Noch Fragen?

Wertstoffhof Lambsheim, Am Holzacker - Neuweide, aktuell geöffnet samstags, 9 bis 11.45 Uhr, mittwochs, 16 bis 17.45 Uhr. Weitere Informationen zur Müllentsorgung gibt es auf der Internetseite des EBA unter www.rhein-pfalz-kreis.de/verwaltung-region/eigenbetrieb-abfallwirtschaft

Wie sich die Pandemie auf die Abfallmengen im Rhein-Pfalz-Kreis ausgewirkt hat, erfahren Sie hier.

Mit Abfallfibel und Gummibärchen: Kreisbeigeordneter Volker Knörr (rechts) und Bürgermeister Herbert Knoll im Gespräch bei der A
Mit Abfallfibel und Gummibärchen: Kreisbeigeordneter Volker Knörr (rechts) und Bürgermeister Herbert Knoll im Gespräch bei der Abfallsprechstunde.
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