Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Wo die Roland-Betsch-Straße ihren Namen her hat

Hinterm „Rheinberger“ biegt die Roland-Betsch-Straße links von der Schachenstraße ab.
Hinterm »Rheinberger« biegt die Roland-Betsch-Straße links von der Schachenstraße ab.

Straßengeschichte(n): Die kleine Straße, die von der Schachenstraße abzweigt, ist nach einem gebürtigen Pirmasenser benannt: Roland Betsch war Autor und hatte führende Aufgaben bei den Nazis. Als der Zweite Weltkrieg endete, nahm er sich das Leben.

Als am 3. November 1888 Roland Betsch um halb vier morgens in der Blümelstalstraße 3 das Licht der Welt erblickte, konnte niemand ahnen, dass der Sohn eines Bahnbeamten einmal der Namensgeber einer Straße in seinem Geburtsort sein würde.

Betsch besuchte nach der Volksschule das Progymnasium in Pirmasens, erlebt hier eine schöne und unbeschwerte Kindheit. 1904 wird der Vater von Betsch nach Münchweiler versetzt, wo er als Stationsverwalter eine Dienstwohnung bezieht. Betsch selbst studiert nach seinem Abitur an der Technischen Hochschule in München Maschinenbau.

1912 schließt er das Studium als Diplom-Ingenieur ab und wechselt im Jahr darauf als Assistent am Lehrstuhl für Maschinenbau an die Hochschule nach Breslau. Dort lernt Roland Betsch den Schriftsteller Paul Keller und den Verleger Wilhelm Gottlieb Korn kennen. Es sind seine ersten Kontakte mit der Literatur.

Im Ersten Weltkrieg dient Betsch als bevollmächtigter Ingenieur der Luftstreitkräfte bei den Fokkerwerken in Schwerin. 1916 schreibt er seinen ersten Roman: „Benedikt Patzenberger“. In Versform erzählt der gebürtige Pirmasenser in seinem zweiten Werk in einer Fliegergeschichte die heiteren Erlebnisse seiner zwei Titelhelden: „Flinz und Flügge“.

Nach Ende des Krieges ist Betsch als freischaffender Künstler tätig. Seine Werke erscheinen in hohen Auflagen im Ullstein-Verlag. 1919 kehrt Betsch zu seiner Familie zurück, die nun in Kirchheim bei Grünstadt wohnt. Und Betsch ist ein ebenso fleißiger wie erfolgreicher Autor. 35 Werke fließen aus seiner Hand, zu vier Filmen lieferte er die literarische Vorlagen, schrieb teilweise auch die Drehbücher. Am erfolgreichsten war der Film „Narren im Schnee“, der mit Paul Klinger, Paul Richter, Karl Stepanek , Gisela Schlüter und Anny Ondra verfilmt wurde, die Boxweltmeister Max Schmeling heiratete. Der kommerziell sehr erfolgreiche Film kostete 2,15 Millionen Reichsmark und hatte nach acht Monaten 5,8 Millionen Reichsmark eingespielt.

Sogar eine von Wilhelm Busch illustrierte Ausgabe des Sommerromans von Betsch, „Die Verzauberten“, erscheint. Betschs Komödie „Salvermosers seltsame Seelenwanderung“ (1929) wird bei dessen Theater-Debüt ein ungeheurer Erfolg. Die Premiere in Breslau sei ein rauschendes Fest gewesen. Sein Stück ging in insgesamt 52 Städten über die Bretter – auch in Österreich, Italien, Skandinavien und Holland.

1937 erhält Roland Betsch den Preis der Westmark für Literatur, den Kurt-Faber-Preis. In der Begründung zur Preisverleihung wird indes ausgesprochen, was die Nationalsozialistische Literaturbürokratie von Betsch erwartet: Betsch möge „in Bälde einmal die abschließende Formung dieser entscheidenden geschichtlichen Epoche unseres Gaues“ schreiben. 1939 kam Betsch mit seinem Roman „Ballade am Strom“ diesen Erwartungen nach. Es ist wohl das bekannteste Buch von Betsch.

Der gebürtige Pirmasenser war Leiter des Verbandes Westmark der NSDAP-nahen Organisation Kampfbund für Deutsche Kultur. Der zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 51-jährige Autor musste nicht an die Front. Er war vom Propagandaministerium freigestellt. Phasenweise litt Betsch an Depressionen die ihn menschenscheu machten und während derer er von Zukunftsängsten gepeinigt war.

Während einer solchen Phase beging er zu Kriegsende in Ettlingen, wo er zuletzt wohnte, am 8. April 1945 gemeinsam mit seiner Ehefrau Suizid. Auch in Ettlingen ist eine Straße und ein Platz nach Betsch benannt.

x