Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Geld anlegen: Was eine Expertin Frauen rät

An das komplizierte Thema Finanzen sollte man sich möglichst früh herantrauen, rät die Expertin.
An das komplizierte Thema Finanzen sollte man sich möglichst früh herantrauen, rät die Expertin.

Frauen investieren ihr Geld anders als Männer. Keineswegs schlechter, aber vorsichtiger, sagt die Pirmasenser Finanzexpertin Dagmar Stock. Zum Internationalen Frauentag erzählt sie von ihren Beobachtungen und gibt Tipps, wie sich Neueinsteigerinnen an das komplexe Thema Finanzen wagen können.

Keine Scheu – das ist der erste Ratschlag von Dagmar Stock, die sich seit 35 Jahren mit Aktienhandel beschäftigt, an der Börse, als Beraterin von vermögenden Kunden und als Trainerin für Bankmitarbeiter. Der Finanzdschungel ist ein komplexes Gebiet mit Hunderten von Fachbegriffen, hinter denen sich Tausende von Möglichkeiten verbergen – auch die Möglichkeit, Geld schnell in den Sand zu setzen.

Doch niemand müsse direkt komplizierte Transaktionen mit hohem Einsatz durchziehen. Man solle sich aber an das Thema herantrauen, denn letztlich geht es um finanzielle Vorsorge und Absicherung. Das rät Finanzexpertin Stock im Grunde jedem, besonders aber spricht sie Frauen an. Armut, gerade im Alter, betrifft Frauen immer noch in größerem Maß. Das hängt damit zusammen, dass Frauen öfter in Teilzeit arbeiten, sich eher – unentgeltlich – um Kinder und Alte in der Familie kümmern, Jobs haben, die schlechter bezahlt sind, und mehr Elternzeit nehmen als Väter, also eine Weile ganz aus dem Beruf raus sind. Umso mehr sollten sie sich Gedanken darüber machen, wie sie finanziell dastehen, sagt die 58-Jährige.

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Vorsorge für sich und Kinder

Die Gender Pay Gap, die Schere zwischen dem durchschnittlichen Verdienst von Männern und Frauen, gehe etwa ab dem Alter von 35 Jahren auseinander. Durch Elternzeit und Pausen für die Pflege von Angehörigen könnten Frauen Stock zufolge am Ende des Berufslebens auf 28 Jahre im Schnitt zurückblicken, während Männer auf 40 Jahre kommen. Wenn bei Partnern einer deutlich weniger verdient, weil er sich um die sogenannte Care-Arbeit kümmert, rät Stock, dass die Familie für ihn einen gesonderten Vorsorgeplan aufstellt. So könnte der Hauptverdiener monatlich in einen ETF-Sparplan einzahlen, der dem Geringverdiener später über eine niedrige Rente hinweghilft.

Die Expertin mahnt eindringlich: „Ein Mann ist keine Altersvorsorge.“ Vom eigenen Lohn sollten Frauen einen Teil anlegen. Stock will hier keine Zahlen nennen. Eine alleinstehende Frau könne einen deutlich höheren Teil ihres Einkommens zur Seite legen und investieren als eine Frau, die ihre Familie versorgt und vielleicht ein Haus abbezahlt. Stock will bei Frauen das Bewusstsein und Interesse für finanzielle Vorsorge stärken: „Ihr dürft euch kümmern. Es geht um euch – nicht gegen euren Partner.“ Auch Geld für die eigenen Kinder anzulegen, hält sie für sinnvoll. Je früher, desto besser.

Geld über Jahre auf einem Sparkonto zu bunkern, sei derzeit nicht hilfreich. „Die Inflation schlägt jedes Jahr zu“, erinnert Stock. Die aktuell niedrigen Zinsen könnten das nicht ausgleichen. Das gesparte Geld verliert also langfristig an Wert.

Lasst uns über Geld reden

Ihrer Erfahrung nach sind Frauen vorsichtiger, wenn sie Geld investieren. „Sie machen sich mehr mit einem Thema vertraut und informieren sich erst. Wenn sie aber dann eine Entscheidung getroffen haben, dann ziehen sie es durch und sind damit oft erfolgreich.“ Das bedeute nicht zwingend, dass Frauen, anders als Männer, bei einer Investition keine Risiken eingehen. „Aber sie gehen die Risiken bewusster ein“, hat Stock beobachtet. „Und sie müssen bei einem Geschäft nicht unbedingt das letzte Quäntchen rausholen.“

Wichtig sei es, keine Angst vor dem komplizierten Thema Finanzen zu haben. Frauen sollten sich Zeit nehmen, sich über Anlagemöglichkeiten informieren, Dinge ausprobieren und sich mit Familie und Freunden austauschen. Über Geld zu reden, werde oft negativ bewertet. Doch das sei falsch: „Geld ist nicht gut oder schlecht. Geld ist neutral – und wichtig.“

Selbstbewusst nachfragen

Die Pirmasenserin Dagmar Stock redet mit Leidenschaft übers Investieren. Sie war schon als junge Frau vom Aktienhandel fasziniert: Nach ihrer Lehre als Bankkauffrau bei der Sparkasse zog es sie nach Frankfurt, wo sie für eine kleine Privatbank arbeitete und eine von wenigen Frauen wurde, die an der Börse übers Parkett eilte, Orders übers Telefon entgegennahm und bei den Maklern platzierte. „Das war einfach mega“, sagt sie heute noch begeistert. Es gab wohl einige Frauen damals, die im Hintergrund in den Büros tätig waren, aber nach ihrer Erinnerung keine einzige Börsenmaklerin. Auch bei den Händlern dominierten die Männer deutlich. Stock hat das nicht abgeschreckt. Sie blieb in der Branche, arbeitete lange Jahre für Banken und machte sich 2022 als Beraterin selbstständig.

Die Pirmasenser rät zu einem Invest, „mit dem man sich gut fühlt“. An nachhaltigen Fonds etwa seien bei Frauen generell interessierter als Männer. Sie wollen „investieren mit gutem Gewissen“. Da ist aber Vorsicht geboten: Der große Trend Nachhaltigkeit habe dazu geführt, dass viele Produkte „grün angestrichen werden“, meint die Finanzexpertin, ohne wirklich nachhaltig zu sein.

Banken und selbstständige Berater bieten Anlegern ihre Dienste an. Laut Stock bietet die professionelle Hilfe Vorteile, wenn ein Vertrauensverhältnis zum Berater besteht. Sie rät zu Selbstbewusstsein: Stimmt die Chemie nicht, könne man ruhig nach einem anderen Ansprechpartner fragen – oder einer Beraterin, wenn man sich mit einer Frau wohler fühlt.

Die Pirmasenserin Dagmar Stock beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Aktienhandel.
Die Pirmasenserin Dagmar Stock beschäftigt sich seit 35 Jahren mit Aktienhandel.
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