Pirmasens RHEINPFALZ Plus Artikel Bei Realschulsanierug gerät der Zeitplan aus den Fugen

Zuletzt bereitete die Natursteinfassade der Landgraf-Ludwig-Realschule Probleme.
Zuletzt bereitete die Natursteinfassade der Landgraf-Ludwig-Realschule Probleme.

Im Frühjahr wollte Schulleiterin Liane Fremgen mit ihrer Landgraf-Ludwig-Realschule die frisch sanierten Räume in der Alleestraße beziehen. Daraus wird nichts. „Zum heutigen Zeitpunkt ist die bezugsreife Fertigstellung für das neue Schuljahr 2023 anvisiert“, heißt es aus dem Rathaus und Fremgen hegt Zweifel, dass der Termin zu halten ist. „Es sieht nicht gut aus“, meinte sie nach einer Baustellenbesichtigung.

Die Generalsanierung der Landgraf-Ludwig-Realschule war 2018 gestartet und sollte ursprünglich mal 13 Millionen Euro kosten. Der Altbau hatte jedoch einige Überraschungen für die Bauleitung zu bieten. Die Lieferengpässe beim Baumaterial sowie fehlende Handwerker sorgten für weitere Probleme. „Wir wären lieber schon drin“, klagt Schulleiterin Liane Fremgen, deren 505 Schüler derzeit auf drei Standorte verteilt sind und teilweise seit Jahren schon in Containern unterrichtet werden. Die fünften bis siebten Klassen sind auf der Husterhöhe. Die achten bis zehnten Klassen haben bei der Horebschule Obdach gefunden, die elfte und zwölfte Klasse konnte in der früheren Landeszentralbank in der Alleestraße bleiben. „Das ist organisatorisch nicht einfach“, meint Fremgen, die im Sommer bei einem Rundgang mit der Stadtspitze in der Baustelle noch darauf beharrte, jetzt im Frühjahr auf jeden Fall umzuziehen. Die Aufteilung auf drei Standorte sei absolut kein guter Zustand für Kollegium und Schüler, betont sie.

Im Dezember durfte sie jedoch noch mal in die alte Schule. Was sie dort zu sehen bekam, hat die Schulleiterin hörbar frustriert. Gegen Ostern könne vielleicht abgeschätzt werden, wann wirklich umgezogen werden kann, sagt sie jetzt. „Ich muss es nehmen, wie es kommt“, bemerkt sie. In der Leitung der Landgraf-Ludwig-Realschule macht sich Fatalismus breit. Im ganzen Gebäudekomplex sei praktisch nichts wirklich fertig. „Die Möblierung fehlt auch noch“, so Fremgen.

Probleme in vielen Bereichen

Im Rathaus verweist Talea Meenken von der Pressestelle auf den Fachkräftemangel, enorme Personalengpässe, gestörte Lieferketten und Verzögerungen bei Zulieferern als Ursache für den schleppenden Baufortschritt. Im Sommer hatte die Projektleiterin Tina Müller-Einfalt auf fehlendes Holz für die Turnhalle, rare Brandschutztüren und statische Probleme im historischen Treppenhaus verwiesen. Aktuell seien zu wenig Natursteinplatten geliefert worden, Türen benötigten längere Produktionszeiten wegen elektrischer Einbaukomponenten, nennt Meenken weitere Gründe.

Dazu kommt die Auslastung der Handwerksbetriebe. An Ausschreibungen beteiligten sich wenige oder gar keine Bieter, so Meenken. Der Unterboden für die Turnhalle habe mehrfach ausgeschrieben werden müssen, bis sich nach Monaten jetzt ein Betrieb gefunden habe, der die Arbeit machen wollte. Alle folgenden Gewerke wie beispielsweise die Prallwand mussten daraufhin ebenfalls zurückgestellt werden.

Fassade stark geschädigt

An unangenehmen Überraschungen nennt Rathaussprecherin Meenken die historische Sandsteinfassade als Beispiel. Die sei so stark geschädigt, dass viele Neuteile eingesetzt werden mussten. „Wegen der stark profilierten Fassade und der bis zu 200 Kilogramm schweren Neuteile wurden Umbauarbeiten am Fassadengerüst und die Errichtung eines Gerüstaufzuges erforderlich“, berichtet sie. Dazu kam die Verschiebung der Arbeiten in den Winter, was das Fortkommen weiter hindere. Für die Pausenhofüberdachung könne erst im März der Auftrag vergeben werden. Meenken hofft auf eine Ausführung im zweiten Quartal des kommenden Jahres.

Die noch ausstehende Auftragsvergabe der Rohbau- und Stahlbauarbeiten für die Pausenhofüberdachung ist im März zu erwarten. Der Bau der Pausenhofüberdachung und die Pausenhofgestaltung können dann voraussichtlich im zweiten Quartal in Angriff genommen werden.

Keine realistische Preisschätzung möglich

Bei den Baukosten will die Rathaussprecherin keine Prognose mehr abgeben. Im Sommer nannte Bürgermeister Michael Maas noch 15,6 Millionen Euro als aktuelle Summe. Wegen der enormen Material- und Energiepreissteigerungen gebe es viele Nachtragsforderungen von Unternehmen. Die Handwerker fordern einen Nachschlag. Eine realistische Preisschätzung für das Gesamtprojekt könne derzeit „seriös“ nicht gegeben werden.

Schulleiterin Liane Fremgen freut sich trotz allem auf die neue Schule am alten Standort. „Das gibt eine ganz besondere Schule. Keine andere hat so einen hohen technischen Standard in der schönen alten Bausubstanz.“

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