Pirmasens
Als Mint-Erlebnisort Lust auf Naturwissenschaft und Technik wecken
300.000 Euro werden vom Bund fließen, damit Kinder und Jugendliche frühzeitig an ihre Talente und Neigungen herangeführt werden, verkündet Hans-Günther Clev, Geschäftsführer des Vereins Zukunftsregion Westpfalz (ZRW). Genauer gesagt sollen die Mint-Fächer in den Vordergrund rücken: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik. Dies seien die Fächer mit den größten Karrierechancen in Pirmasens, betont Oberbürgermeister Markus Zwick. Aber genau hier würden Fachkräfte fehlen – nicht nur in der Region.
Dies beweise eine Studie, die die Stadt hat anfertigen lassen, informiert Bürgermeister Michael Maas. Pirmasens verfüge über eine relativ hohe Anzahl von Arbeitsplätzen, habe aber eine geringe Steuerproduktivität, eine geringe Wertschöpfung und somit kaum Wirtschaftskraft. Als grundlegendes Problem wurde der Fachkräftemangel erkannt. In Pirmasens seien viele Ausbildungs- und Studienplätze vakant, weiß der Bürgermeister. Jetzt fängt die Suche bei den Jüngsten an. Es sollen Experimentierfelder angeboten werden, mit der die Umwelt erlebt und erfahren werden könne. Trotz natürlicher Neugier der Kinder würden sich Jugendliche meist gegen Technikberufe entscheiden. Besonders Mädchen würden nicht in dieses Berufsfeld streben, so der OB, der im Vorstand des ZRW-Vereins ist. Das soll sich demnächst ändern.
Langer Weg bis zur Förderung
Allerdings gründete Pirmasens erst mal ein internes Netzwerk aus Stadtmarketing, Pakt für Pirmasens, Wirtschaftsförderung und Stadtverwaltung, um sich auf Landesebene für entsprechende Fördergelder zu bewerben. Nach einigen Wochen kam zwar viel Lob aus Mainz, allerdings auch der Aufruf, sich mit der Zukunftsregion Westpfalz zusammenzutun. Das war vor eineinhalb Jahren. Inzwischen hat Pirmasens die Bewerbung für das Förderprojekt beim Bundesministerium für Bildung und Forschung abgegeben. „Die Idee aus Pirmasens wurde so auf eine höhere Ebene gehoben, die die komplette Westpfalz umfasst“, erklärt Maas. Unter 100 Bewerbern wurde der Antrag schließlich in das Auswahlverfahren aufgenommen und bewilligt.
300.000 Euro bekommt der Verein für drei Jahre, wobei die Projektzeit eventuell um zwei Jahre und weitere 150.000 Euro verlängert werden könne, fügt ZRW-Geschäftsführer Clev an. Danach sollen die Partner für die Anschlussfinanzierung sorgen.
Erlebnisraum im Dynamikum
Stadtmarketing-Chef Rolf Schlicher erhofft sich durch die Auszeichnung „Mint-Erlebnisort“ nicht nur, dass Kinder und Jugendliche eine Chance erhalten herauszufinden, was ihnen liegt, sondern dass es gelingt, die Besucherzahlen des Dynamikums zu steigern. Es sei einfacher, Menschen in der Region zu halten, als Menschen von außerhalb für die Westpfalz zu begeistern, so Schlicher. Im Dynamikum wird ein Erlebnisraum eingerichtet, in dem sich Kinder und Jugendliche ausprobieren können. Werkbänke, Sägen, Zangen und Schleifgeräte, eine Lötstation und sogar ein 3D-Drucker sollen in den Raum. Erste Ideen wurden bereits geschmiedet: Nistkästen für Fledermäuse bauen, um sie im Strecktalpark zu installieren, die Herstellung eines Schachbretts samt Figuren und Spielanleitung. Sogar Cyberkriminalität soll in den Mittelpunkt gerückt werden. „Um den jungen Leuten zu zeigen, wie das funktioniert, wie Fremde ins Intimleben anderer eingreifen und Daten vom Mobiltelefon abgreifen“, erklärt Schlicher. Die Mint-Aktivitäten sollen viele Bausteine umfassen, die ein regelrechtes Netzwerk bilden, um außerschulisches Lernen auf eine andere Qualitätsstufe zu heben, so Schlicher. Auch der Mädchentechnikkongress könne so fortgesetzt werden.
Kaiserslautern und Zweibrücken mit im Boot
Kaiserslautern, Zweibrücken und Pirmasens bilden die Modellregion, erklärt ZRW-Geschäftsführer Clev. Allerdings sei Pirmasens Vorreiter, nicht zuletzt durch die Präsenz des Dynamikum. In Zweibrücken und Kaiserslautern seien bisher nur die Orte festgelegt worden, in Zweibrücken zieht die Mint-Initiative ins ehemalige Outlet in der Stadt, in Kaiserslautern auf das Gelände der Landesgartenschau.
Ein Teil des Fördergeldes werde für eine Vollzeitstelle in Kaiserslautern verwendet, für jemanden, der das Projekt koordiniert. Die Hochschulen erhalten einen Etat für Mint-Angebote. 45.000 Euro gehen an das Science Center Dynamikum in Pirmasens, weitere 45.000 Euro an den Internationalen Bund (IB), der spezielle Mint-Materialkoffer erstellen wird und im Jugendhaus Initiativen starten will. Ziel sei es, die offene Kinder- und Jugendarbeit in das Projekt einzubinden, erklärt Christopher Reiser, Leiter des Bereichs Soziale Arbeit beim IB.
Als wichtige Kooperationspartner des Projektes fungieren der Internationale Bund (IB), der Pakt für Pirmasens, der Arbeitskreis Wirtschaft und Arbeit sowie lokale Wissenschaftseinrichtungen und Unternehmen wie zum Beispiel das IT-Unternehmen Nagarro, das im Rheinberger-Gebäude residiert.