Neustadt
Wasserball: SC Neustadt über sein unerfahrenes Bundesliga-Team
Die Neustadter mussten bei der 7:11-Niederlage die letzte Minute mit nur vier Spielern überstehen. Sie hatten vier „Rollen“, eine Rote Karte für Trainer Peter Kuhn und zwei Beckenverweise nach je drei Zeitstrafen erhalten. Der SCN war nur mit zehn Spielern angereist und konnte nach den „Rollen“ niemanden ersetzen. „Rollen“ werden die Hinausstellungen für mindestens den Rest des Spiels genannt, weil die Schiedsrichter dies mit einer rollenden Bewegung beider Arme anzeigen.
Augenzeuge Ehrenklau
Augenzeuge der Partie und bis zuletzt im Wasser war Stefan Ehrenklau. Der Ex-Kapitän des Bundesligisten spielt seit über 30 Jahren Wasserball und hat das Team verstärkt, weil aktuell zu wenige Spieler einsatzfähig sind. Der 48-Jährige erzählt: „So was habe ich noch nie erlebt. Bei den Rollen war ich zu weit entfernt und weiß nicht, was unsere Spieler gemacht haben.“ Knackpunkt sei gewesen, dass Luis Ananias kurz hintereinander zwei Wasserverweise erhalten habe. In der ersten Hälfte habe er schon eine Zeitstrafe bekommen. Damit sei der SCN verunsichert worden. Dennoch hätte das Spiel von Seiten des SCN nicht so verlaufen müssen, betont Ehrenklau. Die jungen Spieler waren laut ihm überfordert: „Sie haben auf die Provokationen reagiert, sie haben den Faden verloren. Die Schiris haben mit ihren Pfiffen etwas nachgeholfen.“
Experiment geht weiter
SCN-Manager Michael Heinz, der nicht vor Ort war, sagt, dass die Schilderungen von Peter Kuhn einen „schon ein wenig stutzig“ machten. Heinz: „In solchen Spielen geht es emotional zu. Gerade in solchen Momenten merkt man, dass die Mannschaft noch jung und unerfahren ist. Gleichzeitig wurde sie von mir daran erinnert, dass man sich nicht provozieren lassen darf.“ Es dürfe nicht zu einem kollektiven Ausfall kommen. „Wir hätten das TB-Hamburg-Spiel bei mehr Abgeklärtheit nach Hause bringen müssen“, sagt Heinz. Er hat den Spielern geschrieben, künftig Gesten und verbale Kommentare gegen Offizielle unter Wasser auszuüben. Das helfe gegen den Frust, man mache sich aber nicht angreifbar.
Das Experiment, mit Eigengewächsen in der Bundesliga anzutreten, sieht er nicht als gescheitert. „Es ist nicht alles so gelaufen, wie wir uns das gewünscht haben, aber das ist nun einmal Teil des Lernprozesses“, sagt Heinz. „Wir werden diesen Weg weitergehen, was nicht heißt, dass wir das Team in Zukunft nicht um den einen oder anderen erfahrenen Spieler ergänzen werden.“