Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Haßlocher Oberliga-Frauen jubeln, ihr Sportlicher Leiter ist enttäuscht

Ein gutes Omen? Der Gegner HSG Wittlich verbeugte sich schon vor dem Spiel vor den Frauen der TSG Haßloch.
Ein gutes Omen? Der Gegner HSG Wittlich verbeugte sich schon vor dem Spiel vor den Frauen der TSG Haßloch.

Die Oberliga-Frauen der TSG Haßloch und ihr Trainer überraschen mehrmals im Spitzenspiel gegen den Tabellennachbarn HSG Wittlich. Mit Erfolg. Trotzdem ist ihr Sportlicher Leiter enttäuscht.

„Solch ein tolles Spiel und nur so wenige Zuschauer ...“ Peter Wingerter, Sportlicher Leiter der Haßlocher Oberliga-Handballerinnen, ist trotz des viel umjubelten 22:18 (12:11)-Erfolgs gegen die bis dahin punktgleiche HSG Wittlich enttäuscht. Nur 50 zahlende Zuschauer sehen eine schnelle, kampfbetonte und begeisternde Partie. Am Ende jubeln die Haßlocherinnen, als hätten sie sich gerade den Aufstieg gesichert.

Mit einer taktischen Finesse zwingen sie den als wurfgewaltig bekannten Gast aus der Eifel dazu, auf anderen Wegen als mit Würfen aus dem Rückraum zu Treffern zu kommen. Mit Erfolg. Die große TSG-Kreisläuferin Julia Spieß agiert vor der Haßlocher Abwehr und bremst die HSG-Rückraumschützinnen aus. „Das war vielleicht ein bisschen überraschend für den Gegner“, stellt TSG-Coach Marc-Robin Eisel nach dem Schlusspfiff schmunzelnd fest. „Die Idee kam irgendwann vom Trainer“, erzählt Julia Spieß. Mit ihrer Größe, mit ihren langen Armen habe sie im gegnerischen Angriff gestört. Und die neue Position in der Abwehr „macht mir richtig Spaß“, gesteht Spieß lachend.

Klasse Anspiele an den Kreis

Zehn Minuten lang verläuft das Spiel ausgeglichen: Die TSG geht in Führung, der Gast gleicht aus. Dann zieht Haßloch auf 10:6 (16.) und 11:7 (24.) davon. Klasse herausgespielt das 8:6 (14.) und 9:6 (16): Nach schnellen Kreuzbewegungen im Angriff ist es jedes Mal Lucie Krein, die den Ball zur treffsicheren Kreisläuferin Julia Spieß spielt.

Mitte der ersten Hälfte jedoch bricht das TSG-Spiel ein. „Aus konditionellen Gründen und im Hinblick darauf, dass wir in der zweiten Hälfte mehr Körner haben“, wechselt Eisel aus: Lydia Bachtler kommt für Spieß, Imke Paul für Linksaußen Katharina Schmitt, Katharina Scheid für Mona Illy im linken Rückraum. Wittlich verkürzt, vor allem dank seiner hervorragend haltenden Torfrau Alexandra Irmgartz. Sie pariert die Außenwürfe von Paul (18.) und Cornelia Langenberg (22.) ebenso wie den Freiwurf von Scheid (27.) und den Strafwurf von Mona Illy (19.). „Die sind ein Drittliga-Absteiger“, betont Spieß, dass der Gegner nicht irgendwer ist.

Die Rechnung geht auf

Eisels Rechnung mit dem Körnersparen für Hälfte zwei geht auf: Ina Bühl schnappt sich den Ball auf der linken Abwehrseite (53.). Anne Wild blockt den Wurf von Helen Schieke aus dem linken Rückraum (50.). Als zu Beginn der zweiten Hälfte Mona Illy für zwei Minuten vom Feld muss (31.), nimmt Eisel, als sein Team im Angriff ist, Torfrau Selina Henrich raus und bringt eine sechste Feldspielerin. In Unterzahl erhöhen Lucie Krein und Katharina Scheid auf 13:11 und 14:11 (32.). Auch als Lucie Krein für zwei Minuten auf die Bank muss, verlässt Henrich während der Haßlocher Angriffe ihren Posten. Zwar verkürzen die Gäste per Siebenmeter auf 13:15. Aber Ina Bühl setzt sich im Zweikampf auf halbrechter Position durch: 16:13 (41.).

Selina Henrich steht ihrem Gegenüber Irmgartz in nichts nach, pariert den Konter von Nicole Packmohr (13.) ebenso wie den Schlagwurf von Schieke (47.) und fängt sogar den Ball bei Nele Kappes` Freiwurf (35.). Nur bei Würfen von den Außenpositionen ist sie unterlegen, dreht sie ihren Körper seitlich weg, statt sich vor dem Angreifer groß zu machen. „Das sagt jeder zu mir“, gesteht die Torfrau. „Da ist noch Optimierungsbedarf bei Würfen von außen.“ Aber insgesamt habe das Spiel zwischen Abwehr und Torhüter gut funktioniert, bringt es Julia Spieß auf den Punkt.

Eisel überrascht erneut

Die Haßlocherinnen bauen ihre Führung auf 20:15 (52.) aus. Da überrascht Marc-Robin Eisel erneut, nun mit einer Auszeit. Die nutzen die Gäste, um eine offensive Abwehr abzusprechen: Annika Bach, Schieke und Kappes agieren vor der Defensive und verkürzen um ein Tor. „Wenn wir mit vier, fünf Toren führen, werden wir oft nachlässig“, begründet der TSG-Trainer später die Auszeit. Sie hätten aber geahnt, dass Wittlich anschließend mit einer offensiven Abwehr weiterspiele und dies besprochen. Wittlich lässt gegen Ende nichts unversucht, stellt sogar auf Manndeckung um. Vergebens. „Solche Spiele machen Spaß“, sagt Spieß. Sie hat nach dem Schlusspfiff dann noch etwas Stress: In Abwesenheit der urlaubenden Musikwartin Jessica Glaser ist sie für die richtigen Beats zuständig. Als zum dritten Mal hintereinander derselbe Song durch die Boxen dröhnt, muss sie trotz des Freudentaumels schnell eingreifen.

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