Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Die Kunst geht wieder an die frische Luft – und online

Wer kriegt die begehrte Spritze? Bettina Höchel thematisiert mit „2021: Odyssee im Impfraum“ die Absurditäten der aktuellen Lage
Wer kriegt die begehrte Spritze? Bettina Höchel thematisiert mit »2021: Odyssee im Impfraum« die Absurditäten der aktuellen Lage.

Die lang ersehnte Öffnungsperspektive für die Kultur – mit dem Auslaufen der 20. Corona-Bekämpfungsverordnung des Landes am 20. Mai scheint sie in greifbare Nähe gerückt. Sogar Theater, Kino und Konzerte in Innenräumen könnten ab 2. Juni wieder möglich sein. Für die unter dem Motto „Die Kunst muss an die frische Luft“ angetretene Aktion „Hotspot.3K. NW“ bedeutet das, dass sie noch einmal alle Kräfte zusammen nimmt.

„Wir befinden uns auf der Zielgeraden in die Sommerpause“, sagt die Initiatorin Tine Duffing und kündigt bereits an, dass es im Juni eine finale Präsentation geben werde. Der Ort und das genaue Datum würden gerade festgelegt. Derweil wurden in jüngster Zeit noch verschiedene Einzelprojekte realisiert, darunter gleich mehrere Kurzfilmproduktionen.

Erst ein paar Tage her ist die jüngste Open-Air-Malaktion von Cordula Wagner, die diesmal nach der eher stimmungssenkenden Bauruine des ehemaligen Hertie-Karstadt-Gebäudes einen der schönsten Aussichtspunkte der Stadt zu ihrem Freiluftatelier erkor: den Sonnenweg mit seinem wunderbaren Blick auf die Stadt und die Rheinebene. Dort malte sie auf ein mit Klammern an einem Zaun befestigtes Vlies genau das, was sie vor sich sah: die Häuser der Stadt mit dem Wingert im Vordergrund unter einem wolkenzerrissenen Himmel. Künstlerkollegin Christina Gehrig aus Haßloch dokumentierte alles mit Film und Foto.

Der Kampf um den Impfstoff als „Reise nach Jerusalem“

Sogar gleich zwei Drehtage benötigte die Hambacher Filmemacherin Bettina Höchel für ihr neuestes Werk, den rund 14-minütigen Kurzfilm „2021: Odyssee im Impfraum“, bei dem diesmal fast 20 Laiendarsteller im Einsatz waren. Für die stehen in dem Film – ein vom Proporz her durchaus aktuelles Szenario – gerade einmal drei Spritzen mit dem begehrten Impfstoff zur Verfügung, und wie nicht anders zu erwarten, regieren Egoismus, Chaos und bürokratische Absurditäten. Dass die Impfung nach dem Prinzip „Reise nach Jerusalem“ vergeben wird, passt ebenso ins Bild wie der Umstand, dass die Jugend leer ausgeht. Das drückt sich auch musikalisch aus: Beethovens große Hymne an die Solidarität, die „Ode an die Freude“, verhallt ungehört. Allerdings führt zum Schluss eine Jugendband wieder zurück zum Gemeinschaftssound und damit zum Fairplay.

„Die Philosophie des Films ist, dass Solidarität nur in der Chancengleichheit möglich ist“, erläutert Bettina Höchel. Interessant ist der Film dabei nicht zuletzt auch durch die Location: die ehemalige Papierfabrik von Hoffmann und Engelmann im Schöntal in ihrer ganzen ruinösen Pracht. Musikalisch gibt es neben Beethovens Ode und Chuck Berrys „Roll Over Beethoven“ auch noch den Song „Leben“ des Haardter Singer-Songwriters Achim Wagner, der auch hin und wieder als RHEINPFALZ-Autor in Erscheinung tritt. Zu sehen ist der Film ebenso wie die anderen aus Höchels Serie „Tales aus Coronien“ (wir berichteten hier) auf den Youtube-Kanälen von Hambachfilms und „Hotspot.3K.NW“.

Lost-Place mit „Cowboy Song“

Die ehemalige Papierfabrik im Schöntal, die in nicht allzu ferner Zukunft einer dauerhaften kulturellen Nutzung zugeführt werden soll, regte noch einen weiteren „Hotspot“-Künstler zu einem Filmprojekt an: Javier de la Poza drehte einen rund siebenminütigen Clip mit dem Titel „Lost Places: Papierfabrik“, bei dem er selbst das scheinbar aus der Zeit gefallene Gebäude erkundet und immer wieder Leinwände mit verschlungenen Ornamenten füllt. Für die Ohren gibt es einen eigens für den Film komponierten Soundtrack des Südpfälzers mit spanischen Wurzeln: „The Cowboy Song“. Auch dieser Film findet sich auf dem Hotspot-Kanal (Link hier).

Die in Maikammer lebende Künstlerin Cordula Wagner bei ihrer Landschaftsmalaktion am Sonnenweg über Neustadt.
Die in Maikammer lebende Künstlerin Cordula Wagner bei ihrer Landschaftsmalaktion am Sonnenweg über Neustadt.
Das Ergebnis der Malaktion.
Das Ergebnis der Malaktion.
Auch Javier de la Poza nutzte die ehemalige Papierfabrik im Neustadter Schöntal als Drehort.
Auch Javier de la Poza nutzte die ehemalige Papierfabrik im Neustadter Schöntal als Drehort.
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