Neustadt RHEINPFALZ Plus Artikel Aus Fachstelle Sucht wird Nidro-Beratungsstelle

Die Beratungsstelle will auch bei Spielsucht Hilfen anbieten.
Die Beratungsstelle will auch bei Spielsucht Hilfen anbieten.

Aus der Fachstelle Sucht in der Schillerstraße 11 wird zum 1. Januar die Nidro-Beratungsstelle des Therapierverbunds Ludwigsmühle. Das bisherige Angebot soll erhalten bleiben. Neue Hilfskonzepte werden vorbereitet.

Der Stellenplan sieht wie bisher fünf Stellen für Fachkräfte und eine halbe Verwaltungsstelle vor, doch sind nicht alle der bisherigen Mitarbeiter zu dem neuen Träger gewechselt. Drei Monate Zeit hatte der in Landau ansässige Therapierverbund Ludwigsmühle, um die Übernahme der Beratungsstelle vorzubereiten und zu organisieren. „Das war ein Kraftakt“, sagt Dirk Kratz, Geschäftsführer des Therapieverbunds. Die Evangelische Heimstiftung Pfalz, seit 2012 Träger der Fachstelle Sucht, hatte im November vergangenen Jahres mitgeteilt, die Einrichtung Ende 2020 aus finanziellen Gründen aufzugeben.

Mehrere Einrichtungen und Institutionen, unter anderem der Arbeitskreis Soziale Beratung Neustadt, verwiesen darauf, dass ein Angebot für suchtkranke Menschen und ihre Angehörigen in Neustadt notwendig sei. Im Mai haben sich die Mitglieder des Stadtrats für den Erhalt der Beratungsstelle ausgesprochen. Bei einer Ausschreibung bewarben sich neben dem Therapieverbund Ludwigsmühle, das Caritas-Zentrum Neustadt und die Diakonie Pfalz als Träger. Ende September entschieden sich die Mitglieder des Stadtrats für den Therapieverbund Ludwigsmühle, der im Auftrag der Stadt Neustadt tätig sein wird.

Einige Stellen unbesetzt

Seitdem sei einiges zu tun und viele Verhandlungen zu führen gewesen, sagt Kratz. So seien die Räume in der Schillerstraße, in der das Beratungsangebot seit einigen Jahren konzentriert sei, von dem Besitzer, der evangelischen Landeskirche, angemietet worden. Das gesamte Inventar sei von der Evangelischen Heimstiftung Pfalz übernommen worden. Auch hätten allen Mitarbeitern ein Übernahmeangebot erhalten. Doch nicht alle hätten das angenommen. „Deshalb ist derzeit ein Teil der fünfeinhalb Stellen nicht besetzt“, so Kratz. Die freien Stellen seien bereits ausgeschrieben und „sollen so schnell wie möglich besetzt werden“.

Die Arbeit der Nidro-Beratungsstellen gehe direkt im neuen Jahr weiter, erklärt Kratz. Geöffnet sei diese wieder ab 4. Januar. Wegen der Corona-Pandemie sei keine offizielle Eröffnung geplant, es sei lediglich am 5. Januar eine kurze Begrüßung der Mitarbeiter vorgesehen.

Weitere Hilfen im Programm

Der für Soziales zuständige Bürgermeister Ingo Röthlingshöfer (CDU) und Kratz haben kurz vor Weihnachten eine Vereinbarung zwischen Stadt und Therapieverbund Ludwigsmühle unterzeichnet. Diese regelt die Angebote der Nidro-Beratungsstelle und die Finanzierung. Wie bisher wird es neben der allgemeinen Suchtberatung spezielle Angebote für Menschen mit Glücksspiel- oder Mediensucht sowie für Frauen, die suchtgefährdet oder suchtkrank sind, geben. Niedrigschwellige Hilfen wie offene Sprechstunden sowie Prävention sind weitere Tätigkeitsfelder, die laut Kratz von der Nidro-Beratungsstelle fortgeführt werden. Als Teil der Präventionsarbeit werde das Konzept Koma erhalten.

Man wolle alle Tätigkeitsbereiche „schrittweise“ weiterentwickeln, kündigt Kratz an. Außerdem sei vorgesehen, weitere Hilfen anzubieten. Kratz nennt hier digitale Suchthilfe, Angebote für Kinder aus suchtbelasteten Familien und Selbsthilfegruppen.

Stadt zahlt 280.000 Euro

Der Therapierverbund Ludwigsmühle führt bereits Nidro-Beratungsstellen in Germersheim und Speyer. Die Fachkliniken Ludwigsmühle in Lustadt und Villa Maria in Ingenheim, die Adaptionseinrichtung Quellenhof in der Nähe von Neuwied, Einrichtungen für betreutes Wohnen sind einige der weiteren Tätigkeitsfelder des Therapierverbunds Ludwigsmühle. Hervorgegangen ist er aus der 1981 unter anderem von mehreren Neustadtern gegründeten Vereinigung gegen Drogenmissbrauch.

Finanziert wird die Neustadter Nidro-Beratungsstelle vom Land und von der Stadt. Im September hatte Röthlingshöfer mitgeteilt, dass die Stadt jährlich etwa 280.000 Euro beisteuern werde.

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