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Mittwoch, 12. September 2018 Drucken

Neustadt

Nützliche Werkzeuge für Winzer

Von Kathrin Keller

Sonden sollen die Arbeit im Wingert künftig leichter machen.

Sonden sollen die Arbeit im Wingert künftig leichter machen. ( Archivfoto: Linzmeier-Mehn)

Die Digitalisierung verändert unser Leben, die Geschäftsmodelle, die Wirtschaft - zum Beispiel auch die Weinwirtschaft.

In der Weinwirtschaft hat Tradition einen hohen Stellenwert. Wenn ein Weinberg mit Pferden gepflügt wird, dann macht sich das gut fürs Image. Zurück zu den Wurzeln – das klingt nach Qualität.

Digitale Ansätze

 

Aber der „digitale Weinberg“? Marc Dreßler, Professor für Betriebswirtschaftslehre am Weincampus Neustadt, glaubt, dass Winzer und Weingüter mit ihrem Einsatz digitaler Techniken eher hinterm Berg halten, weil sie fürchten, dass das beim Verbraucher nicht unbedingt gut ankommt. Dabei spiele das Thema bei allen Prozessen von der Rebpflanzung bis zum Weinverkauf eine Rolle. Und Dreßler ist überzeugt, dass viele digitale Ansätze, die heute noch im Teststadium sind, sich mittel- und langfristig durchsetzen werden. Bei der Rebpflanzung, wo mit GPS gesteuerte Maschinen eingesetzt würden, sei das bereits der Fall.

 

Ganz neu auf dem Markt ist ein App-gestütztes Sprühgerät, das mit Ultraschallsensorik ausgestattet ist und im Pflanzenschutz eingesetzt wird. Ziel ist es, durch präzise Dosierung den Einsatz der Mittel und somit auch die Kosten zu senken – und gleichzeitig den Behandlungserfolg zu gewähren. Entwickelt hat es das IT-Unternehmen Inovel Systeme AG aus Friedrichshafen in Zusammenarbeit mit der Hochschule Worms. Inovel-Geschäftsführer Axel Dittus ist überzeugt, dass schon in wenigen Jahren Maschinen in der Landwirtschaft grundsätzlich mit solcher Elektronik ausgestattet sein werden: „Das ist eine sehr wirtschaftliche Technik, die sich schon nach Kurzem amortisiert hat.“

„Digi-Weinforum“ gegründet

 

In anderen Bereichen der Landwirtschaft, beispielsweise dem Obstanbau, sei die Technik schon stärker verbreitet. Aber auch im Weinbau in Ländern, in denen die Betriebe im Schnitt größer sind. Der Innovationsdruck sei höher, wenn Maschinen nicht nur vom Betriebsleiter, sondern auch von Angestellten geführt werden, sagt er. „Da ist es schwerer, die Qualität sicherzustellen.“

 

Das bestätigt auch Dominik Durner, Professor für Lebensmitteltechnologie und Oenologie, am Weincampus Neustadt. Aber er betont auch: „Wir wollen unsere kleinstrukturierte Landwirtschaft nicht verändern. Wir sind froh, dass es die Vielfalt gibt.“ Ziel sei es, Werkzeuge für die Winzer zu schaffen, die günstig und selbsterklärend sind. Unter Federführung des Dienstleistungszentrums Ländlicher Raum (DLR) sei im Januar bei den Weinbautagen ein „Digi-Weinforum“ gegründet worden, an dem Weintechnikfirmen, Weingüter, Hersteller von Sonden sowie Hersteller von Trägerfahrzeugen teilnehmen.

Arbeit abnehmen

 

Es geht darum, Sonden zu entwickeln, die beispielsweise an Traktoren befestigt werden und dem Winzer so einiges an Arbeit abnehmen. Beispielsweise um im Frühjahr zu überprüfen, wie der Zustand des Holzes ist. Ohne selbst jeden Weinstock zu begutachten, kann der Winzer dann gezielt eingreifen, wo es nötig ist.

 

Für Durner ist das ein Beispiel, wo die digitalen Techniken in der Weinwirtschaft genutzt werden könnten. Er kann sich jedoch noch viel mehr vorstellen. „Bei der Digitalisierung geht es immer darum, Daten auszutauschen, um vor- oder nachgelagerte Prozesse zu verbessern.“

 

Er führt das Beispiel des Systems Grapescan an, mit dem bei der Traubenannahme Daten erhoben werden. Beispielsweise das Mostgewicht oder andere Reife- und Gesundheitsparameter. Die Grundlage des Analyse-Verfahrens wurde einst in einem Forschungsprojekt des DLR in Neustadt entwickelt und ist mittlerweile relativ weit verbreitet. Das Problem: Die Daten werden laut Durner bisher viel zu wenig genutzt. Würde man sie auswerten, könne sich ein echter Mehrwert daraus ergeben, sagt der Oenologe.

 

 

Die Serie

Teil eins der Serie (Breitbandausbau in der Stadt) ist am 14. Juli erschienen, Teil zwei am 21. Juli (Sharing-Economy am Beispiel der Internet-Plattform Airbnb), Teil drei am 14. August (Handwerk).

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