WASSERBALL
WSV gelingt faustdicke Überraschung gegen Klassenprimus SCN
Von Volker Endres
LUDWIGSHAFEN. Überschäumende Freude auf der einen Seite, professionelle Enttäuschung auf der anderen. Ungläubiges Staunen war aber allen gemeinsam. Im Lokalderby der Zweiten Wasserball-Bundesliga Süd zwischen dem WSV Vorwärts Ludwigshafen und dem SC Neustadt setzte sich der Außenseiter aus Ludwigshafen mit 10:9 (2:4, 1:1, 4:2, 3:2) durch.
Uwe Dessloch war den Tränen nahe. Der Vereinsvorsitzende und Hallensprecher des WSV Vorwärts konnte sich an keinen Sieg gegen den „großen Bruder“ aus Neustadt erinnern. „Vielleicht mal bei einem Turnier, aber in der Runde haben wir noch nie gegen sie gewonnen.“ Unverdient war der Sieg der Gastgeber indes jedoch nicht. Der SCN, der ohne Toptorjäger Timo van der Bosch angetreten war, wirkte seltsam gehemmt. Zwar stimmte im Lokalderby selbstverständlich die kämpferische Einstellung, was für beide Seiten galt, aber in Sachen Spielfluss offenbarte der Klassenprimus überraschende Defizite. Trainer Thorsten Preuß nannte einen Grund dafür. „Wir konnten jetzt zwei Wochen lang nicht mit dem Ball trainieren“, verwies er auf die fehlende Trainingsmöglichkeit durch den Bad-Umbau. Dadurch habe seiner Mannschaft die letzte Sicherheit im Angriff und vor allem im Torabschluss gefehlt. „Es ist unfassbar, was wir heute alles verworfen haben“, haderte er.
Auf der anderen Seite jubelten die Gastgeber. Die zeigten nicht nur jede Menge Kampfgeist, sondern auch die spielerisch wahrscheinlich abgeklärteste Leistung in dieser Saison. Der WSV ging durch David Greine mit 1:0 in Führung (1.), hielt lange das Unentschieden und ließ sich auch nicht aus der Ruhe bringen, als Matthias Held (2) und Xaver Schädler dem Spiel in der Schlussminute des ersten Abschnittes die vorab eigentlich erwartete Wendung gaben. Sergio Roman Ramirez erhöhte gar auf 5:2 aus Sicht der Gäste. Die Vorentscheidung? Keineswegs. Ludwigshafen schlug zurück, auch wenn Johannes Schmitz vor der Halbzeitpause nur noch auf 3:5 verkürzen konnte.
WSV spielt sich nach der Pause in einen Rausch
Im zweiten Durchgang rieben sich dann nicht nur die rund 130 Zuschauer im Bad verwundert die Augen. Auch der SCN schien nicht auf den nimmermüden Widerstand des Tabellendritten vorbereitet zu sein, verkrampfte im Bemühen um mehr Zielstrebigkeit im Angriff zusehends. Im Gegenzug euphorisierten sich die Gastgeber mit zunehmender Spieldauer immer mehr an der eigenen Leistung. Schmitz stellte per Doppelschlag den Ausgleich her. Hervorheben mochte er sich aber nicht. „Das war eine absolut geschlossene Mannschaftsleistung heute.“ Angefangen von Torhüter Simon Sommer quer durch den gesamten Kader. „Von uns Alten bis zu den ganz Jungen“, verdeutlichte Martin Görge, der zum 7:7 traf. So stand es auch vor der letzten Viertelpause.
„Heute geht was“, war sich Uwe Dessloch sicher, hätte am liebsten selbst im Wasser mitgeholfen. Dabei war das gar nicht nötig. Der WSV Vorwärts nutzte das Momentum. Marko Reiff und David Greine (2), trafen zur 10:8-Führung zweieinhalb Minuten vor dem Ende. Matthias Held konnte zehn Sekunden später nur noch verkürzen. Selbst eine Unterzahl 47 Sekunden vor Schluss überstanden die aufopferungsvoll kämpfenden Gastgeber, blockten den letzten Versuch von SC-Kapitän Held gemeinsam ab.
Der Rest war Jubel in Rot. Interimstrainer Volker Becker, der den verhinderten Pierre Hilbich vertrat, ging ebenso wie Betreuer Stefan Schunk gerne baden. „Jeder hat für jeden gekämpft und die Jungs haben die Trainingsleistung perfekt umgesetzt“, bilanzierte er, während Preuß die Ursache vor allem bei seiner Mannschaft suchte. „Wir haben Ludwigshafen sicher nicht unterschätzt, aber wir konnten unsere Qualität heute nicht ins Wasser bringen.“ Ausgerechnet im Derby setzte es damit die erste Saisonniederlage für den SC Neustadt, während die Ludwigshafener einen wichtigen Schritt zur Absicherung des dritten Tabellenplatzes machten.