Ludwigshafen
Ruchheim: Illegale Durchfahrten machen Anwohner rasend
Seit über 30 Jahren wohnt Familie Bissinger im Pater-Kolbe-Weg im Süden Ruchheims. Ruhiger kann man’s in Ludwigshafen kaum haben, könnte man beim Blick auf den Stadtplan meinen: wenig Bebauung am Ortsrand, freier Blick über die Felder, kein Durchgangsverkehr und klare Regelung für den schmalen Wirtschaftsweg, der am Grundstück vorbeiführt. Den dürfen nur die Landwirte zum Bestellen ihrer Felder nutzen.
Na gut, und die Saisonarbeiter, die im Kleintransporter über die Betonplatten rauschen, nicht vorbildlich mit angepasster Geschwindigkeit. Ach ja, und die Besucher des Leuchtfeuerhofs, die nicht konsequent den Abzweig vom Brunnenweg in Richtung Pferdeställe nehmen, sondern von der Mutterstadter Straße kommend rechts abbiegen. Und dann sind da vor allem die regelmäßigen Autofahrer, die die bequeme Abkürzung von Mutterstadt in Richtung Oggersheim (und umgekehrt) wählen, die das ausgeschilderte Verbot nicht kümmert und dennoch auf den Wirtschaftsweg einbiegen, der in gerader Linie zum Leuchtfeuerhof führt und dann links abknickt in den Osten Ruchheims.
Bequeme Abkürzung
Sie alle machen der Handvoll Anwohner ein entspanntes Leben in idyllischer Lage schwer. Indem sie die Einschränkungen noch verstärken, denen sie durch den landwirtschaftlichen Betrieb ohnedies schon ausgesetzt sind. Mit diesem allein haben sie sich über die Jahre arrangiert. Aber die normative Kraft des Faktischen, die Trittbrettfahrer und Verkehrsrowdys, die eben nicht die Felder bestellen, sondern nur eine bequeme Abkürzung nehmen, geben ihnen den Rest.
Denn der Weg ist nicht nur in die Jahre gekommen, rissig und löchrig, er ist auch zu schmal für so viel Zusatzverkehr. Für den er auch nicht ausgelegt war. Mit der Folge, dass Traktoren ausweichen müssen, tiefe Furchen in die angrenzenden Felder fahren – die unter Wasser stehen, Schlamm auf dem Weg verteilt wird, der irgendwann trocknet und von Zugmaschinen oder Autofahrern, die flott unterwegs sind, aufgewirbelt wird.
Erdklumpen auf der Terrasse
Ein Kreislauf, der Anwohner Helmut Hörner mächtig stinkt. „Am Ende dieses Prozesses fliegen uns die Erdklumpen ins Gesicht, wenn wir auf der Terrasse eine Tasse Kaffee trinken wollen.“ Der Feinstaub überschreite den Grenzwert alle fünf Minuten um ein Vielfaches, kann er mit einem Messgerät belegen. Seine Tochter leide bereits an einem chronischen Husten, was im schlimmsten Fall zu Asthma führen kann.
Seit Jahren wartet er auf Entlastung, wäre schon mit einfachen Bodenschwellen oder Schikanen zufrieden. Stattdessen nimmt er tendenziell eine Zunahme der Belastung wahr. „Der Verkehr auf dieser Rennstrecke setzt morgens um 4 Uhr ein und endet spätabends.“ Jeder Reifen über die aufgestoßene Bodenplatte sei zu hören, und für die Sauberkeit der Feldwege fühlt sich niemand verantwortlich. „Haben Anwohner keine Rechte, auch wenn es nur gut ein halbes Dutzend am Ortsrand sind“, fragt er.
Weg verbreitern?
Ortsvorsteher Dennis Schmidt (CDU) ist mit der Thematik vertraut. Er hat sich vor Ort einen Eindruck verschafft und hat prinzipiell Verständnis. Sein Lösungsvorschlag: eine Verbreiterung des Wirtschaftsweges, um einen geregelten Gegenverkehr zu ermöglichen; und eine Ergänzung der Beschilderung um ein Tempolimit, dessen Einhaltung dann ebenso konsequent überwacht werden müsste wie die Nutzung ausschließlich durch Anlieger.
Einen entsprechenden Antrag hat die CDU-Fraktion für die jüngste Ortsbeiratssitzung gestellt. Die Antwort der Verwaltung fällt ernüchternd aus, für die Lokalpolitiker wie für die Anwohner: Der Weg sei nach Aktenlage in einem „ausreichenden Zustand“. Für eine Inspektion vor Ort fehlten derzeit die Ressourcen. „Nach erfolgter Prüfung werden wir über das Ergebnis informieren.“
Das heißt mit anderen Worten: Am Status quo wird sich auf absehbare Zeit nichts ändern. Die Strecke wird beliebt bleiben als Umgehung – und entlastet den jetzt schon mit Fahrzeugen gefluteten Ortskern. Das spricht aus Sicht der CDU für einen Ausbau – der wiederum mehr Verkehr anziehen dürfte.
Helmut Hörner wird nach wie vor besorgt auf die Feinstaubwerte schauen müssen, die ihm sein Messgerät anzeigt. Aufgewirbelt von Fahrzeugen, die mit 50 und mehr Sachen über den Wirtschaftsweg brettern. Den Mast mit dem Verkehrsschild, der solche Manöver eigentlich untersagt, hat ein Fahrer beinahe schon mitgenommen. Er ragt abgeknickt in den angrenzenden Acker.