Ludwigshafen
Rolle rückwärts am Heinrich-Böll-Gymnasium
Vor genau zehn Jahren, zum Beginn des Schuljahrs 2011/12, wurde aus dem neunjährigen Heinrich-Böll-Gymnasium (G9) ein achtjähriges Ganztagsgymnasium. Damals waren im Vorfeld sowohl die Schulgemeinschaft als auch viele Akteure im Ludwigshafener Rathaus um Schuldezernentin Cornelia Reifenberg (CDU) fest davon überzeugt, dass die Stadt ein Ganztagsgymnasium mit verkürzter Schulzeit braucht. Trotzdem hatte die dreizügige Schule dann von Anfang an mit niedrigen Anmeldezahlen zu kämpfen. Die waren vermutlich auch darauf zurückzuführen, dass das Böll nicht so ausgestattet wurde, wie es das G8-Konzept vorsah. Mit Schreiben vom 31. Mai bekundete die Schule schließlich ihr Interesse, zur G9-Form zurückzukehren. Das neue G8-Ganztagsgymnasium mit Mensa auf der Grünen Wiese im benachbarten Maxdorf hat sich unterdessen zu einem Erfolgsmodell entwickelt.
Wie Schulleiter Klaus Hartmann im Schulträgerausschuss erläuterte, kommt ein großer Teil der Böll-Schüler aus dem direkten Umfeld in Mundenheim. Die Mädchen und Jungen, die von der Schillergrundschule ans Gymnasium wechseln, haben Hartmann zufolge häufig Förderbedarf im Hinblick auf die Sprache. Hinzu komme, dass das G8-Gymnasium bisher weder über eine eigene Aula noch eine Mensa auf dem Schulgelände verfüge. Es habe über die Jahre viele Stunden gekostet, dass die Schüler in eine provisorische Mensa in ein Pfarrheim in der Nachbarschaft pendeln mussten. Unterm Strich habe es sich bei den dafür benötigten Lehrerstunden um einen kompletten Oberstufenkurs gehandelt, erläuterte der Direktor. Außerdem sei er erleichtert, dass es bisher auf dem nicht ungefährlichen Weg dorthin über zwei Ampelkreuzungen keine Unfälle gegeben habe.
Gespräche mit Ministerium
Durch den Wechsel zu G9 mit Ganztag in Angebotsform könne das Böll laut Hartmann künftig flexibler auf die Bedürfnisse sowohl der Eltern als auch der Schüler eingehen. Dieses Konzept gibt es in Ludwigshafen bereits am Carl-Bosch-Gymnasium in der Innenstadt. Nachdem alle schulischen Gremien und nun auch der Schulträgerausschuss dem Vorschlag zur Änderung der Schulform zugestimmt haben und auch die Schulaufsicht ADD dem Vorhaben positiv gegenübersteht, kann der Schulleiter Gespräche mit dem Ministerium beginnen. Die Umstellung von G8 zu G9 mit Ganztagsschule in Angebotsform am Heinrich-Böll-Gymnasium könnte möglicherweise schon zum Schuljahr 2022/23 vollzogen werden.
Zustimmung gab es im Schulträgerausschuss auch für die Lieferung von 206 digitalen Tafeln an verschiedene Schulen in Ludwigshafen. Die Tafeln sind für die Karolina-Burger-Realschule plus (75 Stück), die Integrierte Gesamtschule Gartenstadt (45), das Max-Planck-Gymnasium Friesenheim (30), die Anne-Frank-Realschule plus (29), die Ernst-Reuter-Grundschule Gartenstadt (13) die Grundschule Luitpoldschule Friesenheim (12) und die Alfred-Delp-Grundschule in Maudach (2) bestimmt.
38 Apple-Computer für Berufsschule
Die Berufsbildende Schule Technik 2 in Mundenheim erhält im Rahmen des Digitalpakts 38 Apple iMac-Computer für rund 69.000 Euro. Medienagenturen und Fotostudios arbeiten nach Angaben der Verwaltung überwiegend mit iMac-Rechnern. Schüler ohne Mac-Kenntnisse erhalten daher dort nur schwer Praktikumsplätze, für die Höhere Berufsfachschule (HBF) sei jedoch ein zwölfwöchiges Praktikum Pflicht. Die Beschaffung der Computer orientiere sich somit an der beruflichen Wirklichkeit.
Kommentar: Abgespeist
Es war vor zehn Jahren mutig und richtig, dass die Schulgemeinschaft des Heinrich-Böll-Gymnasiums und die zuständigen politischen Gremien das G8-Ganztagskonzept in Ludwigshafen verankert haben. Aber es reicht natürlich bei Weitem nicht aus, einer Schule nur einen neuen Stempel aufzudrücken und dann die Schulgemeinschaft am ausgestreckten Arm verhungern zu lassen. Ganztagsschulen müssen besonders gut ausgestattet werden, weil die Kinder und Jugendlichen ebenso wie die Pädagogen dort viel mehr Zeit als an einer Halbtagsschule verbringen. Eine Mensa im Zentrum der Schule, so wie am Carl-Bosch- oder am Maxdorfer Gymnasium, ist ein Muss. Schüler, Eltern und Lehrer in Ludwigshafen sollten es sich nicht mehr länger bieten lassen, mit Dauerprovisorien abgespeist zu werden.