Ludwigshafen
Klinikum: Hebammen kritisieren drohendes Aus für Geburtshilfe
Derzeit prüft das Klinikum diese Option. Eine Entscheidung durch den Aufsichtsrat steht allerdings noch aus. Mit rund 300 Geburten pro Jahr ist die Geburtshilfe-Abteilung des Klinikums laut seiner Sprecherin Yasemin Böhnke die mit Abstand kleinste Geburtshilfe in der Region. 1525 Kinder sind im Vorjahr im St. Marien zur Welt gekommen. Die Zusammenarbeit der Krankenhäuser in der Region sei mit Blick auf eine Stärkung der Qualität mehr als sinnvoll, argumentiert Böhnke.
Die Hebammen im Klinikum hingegen betonen laut Mollnar: „Unser Kreißsaal ist wichtig.“ Sie hoffen, dass sich der Aufsichtsrat für den Fortbestand der Geburtshilfe ausspricht – auch wegen der familiären Atmosphäre. Unter Berücksichtigung der kulturellen und sozialen Herkunft betreue das elfköpfige Hebammenteam Frauen und Familien aus allen Nationen individuell in mehr als acht Sprachen. „Wir gewährleisten ein Stück Wahlfreiheit – gerade für Frauen, die sich in den großen Kliniken verloren fühlen“, berichteten die Hebammen im Gespräch mit dem Landesverband. Leider sei die Wertschätzung der Standortvorteile durch die Klinikumverwaltung zuletzt nicht zu beobachten gewesen, kritisierten sie.
„Keine aktive Öffentlichkeitsarbeit“
Seit der sieben Monate langen Schließung zur Versorgung von Corona-Patienten 2020/21 habe sich der Verdacht aufgedrängt, die Verwaltung suche nach Wegen, die Geburtshilfe zu schwächen. Öffentlichkeitswirksame Maßnahmen zur Stärkung der Abteilung nach der Wiedereröffnung im Sommer 2021 seien ausgeblieben. Während andere Kliniken Kreißsaalführungen – notfalls online – anböten, tue sich im Klinikum nichts dergleichen. Elternschule, Infoabende, Besichtigungen und Sprechstunden seien zwar auf der Website erwähnt, aber nicht terminiert. Anders als in benachbarten Geburtshilfen gebe es für Frauen keine niederschwellige Anmeldemöglichkeit oder präzise Infos zu Kurs- und Beratungsangeboten rund ums Elternwerden. Die Öffentlichkeitsarbeit werde von der Verwaltung nicht aktiv gefördert. Das zeige Wirkung: Nach der coronabedingten Schließung 2020/21 seien die Geburtenzahlen gesunken: von über 500 auf aktuell 338.
Geburtenzahlen im Land gestiegen
Im Land seien die Geburtenzahlen hingegen gestiegen, so Mollnar: von 30.089 (2009) auf 38.647 (2021). Die Landesregierung habe die Notwendigkeit erkannt, Kapazitäten zu erhalten, und im Krankenhausplan 2019 bis 2025 entsprechend stationäre Kapazitäten im Bereich Geburtshilfe vorgesehen. Seither seien entgegen den Erwartungen der Landesregierung drei Geburtshilfestandorte geschlossen worden: Germersheim, Daun und Bad Neuenahr.
Der Hebammenverband Rheinland-Pfalz hat 1020 Mitglieder in elf Kreisverbänden, ist einer von bundesweit 16 Landesverbänden und vertritt die Interessen von Hebammen.