Nachruf
Die Stadt trauert um Udo Scheuermann
Der über alle Parteigrenzen hinweg beliebte SPD-Politiker hat die Entwicklung Ludwigshafens mitgestaltet und war über Jahrzehnte ein Stimmenfänger für seine Partei. Er war 25 Jahre lang Oppauer Ortsvorsteher und gehörte dem Stadtrat 40 Jahre lang an.
In die SPD eingetreten ist Scheuermann 1969. Unter dem sozialdemokratischen Bundeskanzler Willy Brandt herrschte Aufbruchstimmung, die den jungen Ludwigshafener mitriss. Dass der Fernmeldetechniker einmal selbst ein prägender Politiker werden würde, ahnte er damals nicht.
Die junge Familie Scheuermann zog in die Pfingstweide. Scheuermann engagierte sich im neuen Stadtteil. 1974 wurde er stellvertretender Ortsvorsteher. Fünf Jahre später zogen die Scheuermanns ins Eigenheim nach Oppau um. Ins ebenfalls neu gebaute Ludwigshafener Rathaus zog der Stadtrat im gleichen Jahr ein.
Ein Mann des Ausgleichs
40 Jahre gehörte Scheuermann dem Parlament an und wurde zu einem der maßgeblichen Köpfe seiner Fraktion. Scheuermann war kein Scharfmacher, sondern ein Mann des Ausgleichs. Als baupolitischer Sprecher der Stadtratsfraktion waren die Bereiche Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Raumordnung seine Schwerpunkte. Darüber hinaus war Scheuermann Mitglied in diversen politischen Ausschüssen und Aufsichtsräten. 35 Jahre lang war er zudem als Schöffe im Einsatz.
Als Ortsvorsteher hat er ab 1994 den Ludwigshafener Norden geprägt, etwa durch den Bau weiterführender Schulen in Edigheim. Scheuermann hat sich als Krisenmanager nach den Unglücken 2014 in Edigheim (Gasexplosion) sowie im BASF-Landeshafen 2016 bewährt. Er gewann vier Direktwahlen im ersten Wahlgang, worauf er stolz war.
Seinen Nachfolger und Parteikollegen Frank Meier, der seit 2019 im Oppauer Rathaus sitzt, hat er selbst vorgeschlagen. Ganz von der Politik verabschiedet hat sich der in der Gartenstadt geborne Scheuermann nie: Er war bis zuletzt in der Metropolregion Rhein-Neckar aktiv. Auch in Vereinen war er engagiert, beim VdK Oppau-Edigheim-Pfingstweide ebenso wie beim Förderverein des Karl-Otto-Braun-Museums in Oppau. Mehr Zeit für Familie und Hobbys (Garten, Kochen, Fotografieren) hatte er nach seiner politischen Laufbahn aber schon.
Mehrfach geehrt
Für sein kommunalpolitisches Engagement ist Scheuermann mit dem Ehrenring der Stadt ausgezeichnet worden. Für seinen herausragenden Einsatz wurde er 2015 zudem mit der Verdienstmedaille des Landes sowie im November 2019 mit der Freiherr-vom-Stein-Plakette gewürdigt.
Seine Partei wusste immer, was sie an ihm hat. „Er war und ist eine kommunalpolitische Mehrzweckwaffe – in sehr vielen Themen zu Hause und in seinem Einsatz unermüdlich“, würdigte Ortsvereinsvorsitzender Gregory Scholz den Jubilar anlässlich seines 75. Geburtstags am 17. September 2020. Scheuermanns Nachfolger Frank Meier sagte über ihn: „Dieses Amt 25 Jahre so erfolgreich zu bestreiten wie es Udo Scheuermann getan hat, nötigt mir den größten Respekt ab.“
„Der Tod von Udo Scheuermann bedeutet einen schweren Verlust für uns und die Stadt Ludwigshafen“, erklärt die SPD. „Unser herzliches Beileid gilt seiner Familie. Udo Scheuermann hat in dieser Stadt und auch bei uns tiefe Spuren hinterlassen. Er wird nicht vergessen werden.“
Parteichef David Guthier sagt: „Die SPD trauert um eine allseits geschätzte und geachtete Persönlichkeit, die sich über fünf Jahrzehnte mit großem Engagement und Fleiß für das Gemeinwohl und unsere sozialdemokratischen Werte eingesetzt hat.“ Heinrich Jöckel, aus Oppau stammendes Mitglied der CDU-Stadtratsfraktion, sagt über Scheuermann: „Er war Ortsvorsteher mit Leib und Seele. Unsere Gedanken sind bei seiner Familie.“
Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck (SPD) erklärte am Montag: „Udo Scheuermann war ein exzellenter Kommunalpolitiker, der sich für die Anliegen der Bürger mit ganzer Kraft und mit vollem Herzen eingesetzt hat. Seine große Stärke war die stets verständliche, verlässliche und transparente Kommunikation zwischen Bürgerschaft, Politik und Verwaltung. Seine Nahbarkeit, seine Menschlichkeit und seine große Erfahrung zeichneten ihn aus.“ Die Stadt werde sich in Dankbarkeit und Hochachtung an das Wirken von Udo Scheuermann erinnern. „Wir werden seine große Einsatzfreude, seine kommunalpolitischen Kenntnisse und sein Detailwissen vermissen. Unser Mitgefühl und unsere tiefe Anteilnahme sind bei seiner Frau und seiner Familie. Ich kannte Udo Scheuermann, seit ich politisch aktiv wurde. Er war ungemein engagiert und setze sich immer vehement für die Interessen seines Ortsbezirks und als baupolitischer Sprecher seiner Fraktion für die gesamte Stadt ein. Ich habe ihn sehr geschätzt. Ludwigshafen verliert einen großen und verdienten Politiker und Sozialdemokraten“, so Steinruck.
Trauerfeier am 24. März
Die Trauerfeier findet am Freitag, 24. März, 13 Uhr, in der Trauerhalle auf dem Hauptfriedhof statt.