Interview
BASF-Werkleiter fordert „Masterplan Industrie“
Herr Liebelt, was erwarten Sie von der neuen Bundesregierung?
Deutlich mehr Konsequenz in der Umsetzung der Energietransformation, die wir als Kontinent Europa anführen wollen.
Konkret bedeutet das?
Wir müssen die ambitionierten Klimaschutzpläne mit einem Masterplan für die Industrie komplementieren, damit wir am Ende nicht nur eine klimaneutrale, sondern auch eine wettbewerbsfähige und starke Wirtschaft in Europa erhalten. Das hat bisher gefehlt. Und wir sollten in unserer Gesetzgebung viel konsequenter rechtssichere Rahmenbedingungen schaffen, die es der Industrie ermöglichen, notwendige Investitionen zu tätigen, die zweifellos auf uns zukommen.
Und in punkto Infrastruktur?
Erwarte ich, dass der Ausbau wesentlich schneller vorankommt als bisher. Wir haben zu wenige Energieerzeugungsanlagen in Deutschland. In keinem der vergangenen fünf Jahre wurden die Ausbauziele erreicht. Wir müssen statt bisher fünf Gigawatt pro Jahr mindestens 15 Gigawatt installieren, um überhaupt eine Chance zu haben, unsere Ziele zu erreichen. Wir müssen Strom- und Pipeline-Netze ausbauen, wenn wir Wasserstoff wollen, der als Energieträger und Speichermedium ganz wichtig ist. Diese Konsequenz habe ich bei der alten Bundesregierung vermisst. Die Ziele wurden immer weiter erhöht, aber die Rahmenbedingungen dafür nicht geschaffen.
Im Juli 2020 war Grünen-Co-Chef Robert Habeck zu Gast im BASF-Werk. Zur CO
Natürlich. Ich hoffe und denke, das war kein oberflächliches Statement. Ich habe ihn als sehr diskussionsfreudigen, kritischen und intellektuellen Mann kennengelernt, der sagt, was er denkt. Vielen Politikern wird aber mittlerweile klar, dass die selbstgesteckten Ziele 2030, 2040 oder 2050 sehr schnell auf uns zukommen. Wir haben gerade mal noch etwas über acht Jahre Zeit, um unser sehr ambitioniertes Ziel 2030 zu erreichen. In der nächsten Legislaturperiode müssen daher viele Entscheidungen getroffen werden – unabhängig von der politischen Konstellation.
Ist da eine sich abzeichnende Dreierkoalition in Berlin eine Chance oder müssen da zu viele Kompromisse geschluckt werden?
Ganz schwierige Frage. Wäre ich Politiker, würde ich sagen, warten wir mal ab.
Sind Sie aber nicht.
Wir werden auf alle Fälle eine Regierung der Mitte und nicht der Extreme bekommen. Das ist gut. Wir haben dringenden Handlungsbedarf. Ich höre von allen Seiten, Deutschland soll Technologieführer werden und beim Klimaschutz vornewegmarschieren. Auch das ist grundsätzlich gut, die Absicht ist da. Worten müssen jetzt aber Taten folgen.