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Samstag, 09. Juli 2016 Drucken

Ludwigshafen: Kultur Regional

Jeden Tag ein neuer Traum

Ae Hee Lee erhält den Zonta-Kunstpreis und füllt den Ludwigshafener Kunstverein mit einer sehr persönlichen Ausstellung

Von Dietrich Wappler

 

Mitten drin im eigenen Leben: Ae Hee Lee in ihrer Arbeit „Life Project“ im Kunstverein im Reichert-Haus. ( Foto: KUNZ)

Der Kunstpreis des Zonta Clubs in Ludwigshafen geht diesmal an die koreanische Künstlerin Ae Hee Lee. Die Vereinigung berufstätiger Frauen unterstützt damit gezielt Künstlerinnen zu Beginn ihrer Karriere. Das Preisgeld von 3000 Euro dient als Anschubfinanzierung für einen Künstlerkatalog, außerdem ist damit eine Ausstellung im Ludwigshafener Kunstverein verbunden. Diese ist diesmal deutlich größer ausgefallen als sonst üblich.

 

Weil beim Kunstverein Sommerpause ist und die große Ausstellungshalle leer steht, konnte die Zonta-Preis-Ausstellung hier stattfinden und nicht wie in der Vergangenheit im kleinen Studio. Die Künstlerin zeigte sich von den Dimensionen der Halle auch keineswegs erschreckt und unterbreitete gleich ein Dutzend Vorschläge, wie sich damit umgehen ließe. Zwei Werkgruppen wurden nun in erfreulicher Luftigkeit in dem Raum arrangiert. Das „Life Project“ ist eine mit vielen Figürchen gestaltete Landschaft am Boden, „Dream Records“ bietet Serien von Bildtafeln an den Wänden und diagonal von der Decke hängend. Um die Suche nach dem Ich geht es in beiden Arbeiten.

Seit zwei Jahren notiert sich Ae Hee Lee ihre Träume. Jeden Tag macht sie das, fertigt kleine Zeichnungen, die sie dann auf große Tafelbilder überträgt. Die Grundfläche der Bilder war anfangs schwarz und wird allmählich heller, die Menschen, Tiere, Gebäude und sonstigen Szenerien sind mit gepunkteten Linien gemalt, genauer gesagt gedruckt. Die 35-Jährige benutzt kleine Sechskantschlüssel, die sie in weiße Farbe taucht und dann auf die Leinwand drückt. Wenn die Grundierung der Leinwand irgendwann von Grau zu Weiß geworden ist und man folglich auch nichts mehr erkennen kann, will sie die Serie beenden.

„Es ist ein Experiment, um mich an Grenzen zu bringen“, sagt Ae Hee Lee, die in Seoul geboren wurde, ihr Kunststudium 2001 in ihrer Heimat begann und mit einem Stipendium 2008 in Braunschweig fortsetzte. „Träume sind Ausdruck des eigenen Ich“, sagt sie.

Während sie mit den Traumbildern dem Unbewussten näher zu kommen versucht, beschäftigt sie sich in ihrem „Life Project“ ganz bewusst mit der eigenen Biografie. Seit 2008 bereits fertigt sie die grell gemalten Figürchen, die immer wieder neu arrangiert werden. Die Farben zeigen an, um wen es sich handelt: Die hellroten Figuren stellen die Künstlerin selbst in unterschiedlichem Alter vom Baby bis zur Erwachsenen von heute dar. Die Familienangehörigen sind dunkelrot, Freunde gelb, ehemalige Beziehungen blau, verehrte Personen lila. Die Körper der Figuren sind stilisiert einfach und einheitlich, nur die Haltung ist verschieden. Manchen winken fröhlich, andere kauern traurig am Boden. Betrachtet man die Gesichter aus der Nähe oder auf vergrößerten Fotos, kann man allerdings identifizierbare Gesichtszüge ausmachen. An eine Familienaufstellung lässt dieses sonderbare Arrangement denken, mit dem hier ein immerhin 35 Jahre währendes Leben nachgestellt ist. In Ludwigshafen hat die Künstlerin die Figuren auf einer aus braunen Steinchen gebildeten, amöbenhaft zerfließenden Landschaft arrangiert. In der nächsten Ausstellung wird das aber ganz anders aussehen. Bis dahin ist ja auch wieder viel passiert im Leben von Ae Hee Lee.

Ein halbes Dutzend Kandidatinnen waren diesmal von Zonta-Mitgliedern und der Kunstvereinsvorsitzenden Barbara Auer für den Preis vorgeschlagen worden. Bewerben kann man sich dafür nicht. Als die inzwischen im Berliner Wedding lebende Ae Hee Lee von ihrer Nominierung erfuhr, hat sie danach geträumt, dass sie den Preis auch tatsächlich bekommt. Im Traum saß sie mit ihrem Freund in der letzten Reihe eines Auditoriums, vorne auf einem Podest thronte die Jury. Man kann die Szene auf einem der Traumbilder entdecken.

Termine

Kunstverein in Ludwigshafen, Bismarckstraße 44-48, bis 23. Juli. Geöffnet Freitag und Samstag, 12-18 Uhr. Künstlergespräch am 23. Juli um 16 Uhr. Katalog 15 Euro.

 

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