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Donnerstag, 17. Januar 2019 Drucken

Mannheim und Region

Gegen ein Leben im Abseits

Von Obdachlosigkeit betroffene Menschen können sich in Speyer an die Wohnraumhilfe wenden – Mitarbeiter setzen auf Prävention

von Anna Warczok

Gerade im Winter wird Obdachlosigkeit lebensgefährlich.

Gerade im Winter wird Obdachlosigkeit lebensgefährlich. ( Foto: dpa)

Eine der Lösungen: Unterkünfte in der Industriestraße. Neben den Gebäuden stehen Container.

Eine der Lösungen: Unterkünfte in der Industriestraße. Neben den Gebäuden stehen Container. ( Archivfoto: Lenz)

«Speyer.» Drohende Obdachlosigkeit verhindern – so lautet eine zentrale Aufgabe der Speyerer Wohnraumhilfe. Das gelingt den vier Mitarbeitern meistens, aber nicht immer. Damit es nicht so weit kommt, ist viel Präventionsarbeit gefragt.

Eintönigkeit bei der Arbeit ist für Ramona Schuster und Nina Mey ein Fremdwort. „Unsere Aufgaben sind sehr vielfältig“, erklärt Schuster. Seit drei Jahren arbeitet die Verwaltungsfachwirtin bei der städtischen Wohnraumhilfe, genauso lange wie ihre Kollegin, Sozialpädagogin Mey. Insgesamt kümmern sich vier Mitarbeiter um die Anliegen der Besucher, das Personal wurde gerade aufgestockt

Viele Menschen kämen wegen Mietschulden oder weil sie Strom- und Gasrechnungen nicht mehr bezahlen können. Auch Wohnberechtigungsscheine für den Bezug von Sozialwohnungen stellen die Mitarbeiter aus. Mit das wichtigste Arbeitsfeld: „Wir leisten viel Präventionsarbeit, damit es gar nicht erst zur Obdachlosigkeit kommt.“

Wie die aussieht? „Entweder die Leute kommen mit der Kündigung oder die Vermieter wenden sich direkt an uns“, sagt Mey. „Wir versuchen dann zu vermitteln, gemeinsam mit den Leuten Wege aus der Situation zu finden.“ Je früher Betroffene zur Wohnraumhilfe kämen, desto besser. „Die Leute sollten kommen, bevor die Räumungsklage da ist“, so Mey. Sehr oft könne ihnen noch geholfen werden. „Viele schämen sich aber oder denken bis zum Schluss, dass sie sich noch irgendwie selbst helfen können. Viele wissen einfach nicht, dass es uns gibt.“

235 Personen mit Wohnproblemen hätten die Wohnraumhilfe im vergangenen Jahr aufgesucht. „Davon haben wir 123 lediglich beraten, bei den restlichen Fällen lag bereits eine Kündigung vor“, erläutert Mey. In den meisten Fällen habe eine Obdachlosigkeit verhindert werden können, allerdings nicht in allen: „Im vergangenen Jahr wurden rund ein Dutzend Personen als obdachlos in städtische Unterkünfte eingewiesen“, sagt die Sozialpädagogin. Die Anzahl sei seit Jahren konstant.

Der Stadt stehen laut Mey und Schuster mehrere Möglichkeiten zur Unterbringung von Obdachlosen zur Verfügung: zum einen Unterkünfte im Schlangenwühl. „Dort befinden sich rund 20 Wohnungen, die vor allem für Frauen und Familien gedacht sind“, erläutert Schuster. In der Industriestraße stehen der Stadt ein zweistöckiges Gebäude und Wohncontainer zur Verfügung. Im Gebäude können die Menschen in 18 Quadratmeter großen Einzelapartments mit Bad und Kochmöglichkeit einquartiert werden. Die Container mit sechs Zimmern und je vier Plätzen seien für „die klassischen Durchwanderer gedacht“, sagen die Wohnraumhilfe-Mitarbeiterinnen. „Das sind Leute, die sich normalerweise im Stadtgebiet aufhalten“, erklärt Schuster.

Die Zeit der Wohncontainer in der Industriestraße könnte zudem bald vorbei sein. Bürgermeisterin Monika Kabs (CDU) hat angekündigt, die Stadt wolle dort andere Unterbringungsmöglichkeiten schaffen. „Die Container können nur eine Übergangsmöglichkeit sein.“ Sie habe Gespräche mit der städtischen Wohnbaugesellschaft Gewo geführt. Neben den Unterkünften im Schlangenwühl und in der Industriestraße könne die Stadt mehrere Quartiere zur Unterbringung nutzen, die Gewo gehören.

Für „absolute Notfälle“ gebe es eine weitere Lösung: die kommunale Flüchtlingsunterkunft in der Kurpfalzkaserne. Dort seien einige Räume für die Unterbringung von Obdachlosen vorgesehen, die außerhalb der Öffnungszeiten der Wohnraumhilfe auftauchten. „Das haben wir mit der Polizei, der Feuerwehr und den Rettungsdiensten vereinbart“, sagt Schuster. „Dort können Menschen untergebracht werden bis zum nächsten Werktag, bis wir wieder da sind. Das ist besonders derzeit wichtig, bei den niedrigen Temperaturen.“

Im Winter suchen die Mitarbeiter der Wohnraumhilfe zudem regelmäßig die Handvoll Menschen auf, die im Stadtgebiet auf der Straße übernachten. Seit Jahren handele es sich um dieselben Personen, die jegliche Hilfe ablehnten. „Wir kennen deren Antwort, wenn wir rausfahren. Aber wir wollen es trotzdem versuchen“, sagt Schuster.

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