Rhein-Pfalz Kreis
Altriper kritisieren Hochwasserschutz: „Bricht der Damm, ersaufen wir alle“
Wie sich die Verbandsgemeinde Rheinauen auf ein mögliches Hochwasser in einer ihrer vier Ortsgemeinden vorbereitet und wie sie die Bürger in ihr Konzept einbinden möchte, hat sich der Altriper Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss am Mittwoch vorstellen lassen. Dabei kritisierten die Altriper das Land, das bekannte Schwachstellen an Deichen nicht repariert.
„Unser Problem ist nicht das Hochwasser, unser Problem sind die beiden Teilstücke des Deichs bei Otterstadt und bei uns, die das Land nicht in Ordnung bringt. Wenn der Deich bricht, ersaufen wir alle“, sagte Klaus Orth (FWG). Dass diese Befürchtung durchaus begründet ist, zeigten Animationen über die Ausbreitung des Wassers in solchen Fällen. Die hatte der stellvertretende Leiter des zuständigen Fachbereichs der Verbandsgemeindeverwaltung, Simon Schneider, mitgebracht. Sollte der Deich zum Beispiel bei Waldsee den Fluten nachgeben, stünden dieser Simulation zufolge die komplette Verbandsgemeinde mit ihren Ortsgemeinden Altrip, Neuhofen, Otterstadt und Waldsee nach zwei Tagen und zehn Stunden unter Wasser. Die Ausweichrouten würden ebenfalls „verdammt schnell“ unpassierbar: die Kreisstraße 13 nach Waldsee nach drei Stunden, die Straße nach Rheingönheim nach neun Stunden.
Ratsmitglieder fordern Ertüchtigung der Deiche
„Wir müssen uns hier nicht über Konzepte unterhalten, sondern erst mal die Deiche ertüchtigen. Wir wissen doch, wo die Schwächen liegen“, fand auch Hans-Peter Peters (CDU). Gemeint sind ein Deichabschnitt bei Otterstadt – den das Land nicht ertüchtigt, da dort geschützte Pflanzen wachsen – und ein Deichabschnitt bei der Gaststätte Rheinblick zwischen Altrip und Waldsee, den das Land wegen des Polderstreits nicht in Ordnung bringt. Schneider bestätigte den Missstand, doch ihn zu beheben, sei Aufgabe des Landes: „Wir können nur alles in unserer Macht stehende tun.“
Und das sieht so aus: In Abstimmung mit den Nachbarstädten Speyer und Ludwigshafen erarbeite die Verbandsgemeinde ein Konzept für den Einsatz sogenannter Riegeldeiche. „Das sind mobile Schutzanlagen, mit denen zum Beispiel Speyer Unterführungen an der A 61 verschließen und die Autobahn so als Damm nutzen kann“, erläuterte der Experte. Die Verbandsgemeinde werde diese Anlagen nächstes Jahr anschaffen. Zur Vorbeugung sollten die Bürger über das richtige Verhalten im Notfall informiert werden – mit Broschüren, über das Amtsblatt, bei Workshops, Hilfe zur Selbsthilfe.
Die Feuerwehr hat ein Sandsackfüllgerät angeschafft
Daneben gibt es Schneider zufolge für den Katastrophenfall einen Alarm- und Einsatzplan, in dem Rhein-Pfalz-Kreis, Verbandsgemeinde, Ortsgemeinden und Feuerwehr sich abstimmen. Außerdem habe die Feuerwehr ein Sandsackfüllgerät angeschafft, die Otterstadter Wehr solle zudem ein hochwassertaugliches Einsatzfahrzeug erhalten. „Die Frage ist nicht, ob das Hochwasser kommt, sondern wann“, sagte Schneider. Im Februar 2020 sollte das Erstellen eines umfangreichen Hochwasserschutzkonzepts ausgeschrieben werden, wofür die Verbandsgemeinde 40.000 Euro im Haushalt vorgesehen habe. Die Altriper müssten daher keine eigenen finanziellen Mittel in ihrem Etat einplanen, da dieses Thema Sache der Verbandsgemeinde sei. Nach der Ausschreibung solle es ein Gespräch mit dem Land geben. Bis Oktober 2020 solle das Konzept möglichst fertiggestellt und dann den Bürgern präsentiert werden, beschrieb Schneider den angestrebten Zeitplan. Die Leute sollten dann in Workshops Anregungen speziell für ihre Ortsgemeinden geben, also am Konzept beteiligt werden. Dennoch stellte er klar: „Es wird nie einen kompletten Schutz geben.“ Auch die Bürger müssten privat Vorkehrungen treffen.
Dorothee Limburg-Stemmler (Grüne) regte an, sich ein Beispiel an Bobenheim-Roxheim zu nehmen. Dort gebe es eine Broschüre, der die Bürger entnehmen könnten, wie schnell und wie sehr ihr Haus von einem Hochwasser betroffen sein wird.
Peters blieb bei seiner Kritik am Land. Der Hochwasserschutz und der Schutz von Menschenleben müssten wichtiger sein als alles andere. Er verstehe nicht, wieso sich die Deichertüchtigung so lange hinziehe. „Zumal uns ja bald wieder eine Schneeschmelze bevorsteht.“