Landau Landauer Forscher untersuchen: Sickern von Hauswänden Schadstoffe ins Grundwasser?

Mirco Bundschuh (links) und Frank Seitz mit Nanopartikeln aus Fassadenfarbe. „Austrinken würde ich die Flasche nicht“, scherzt B
Mirco Bundschuh (links) und Frank Seitz mit Nanopartikeln aus Fassadenfarbe. »Austrinken würde ich die Flasche nicht«, scherzt Bundschuh.

In den kommenden drei Jahren prüfen die Wissenschaftler Mirco Bundschuh und Frank Seitz von der Universität Landau, ob Biozide oder Nanopartikel von Fassaden gespült werden.

Das Problem ist einfach erklärt: Zum Fassadenschutz werden in Farben Biozide oder Nanopartikel eingesetzt, erläutert der promovierte Umweltwissenschaftler Seitz. Die Biozide sollen beispielsweise verhindern, dass Algen oder Pilze an den Hauswänden wachsen. Nanopartikel sorgen unter anderem für Selbstreinigungseffekte an Fassaden. Jedoch: Bei Regen können sich diese Stoffe von der Hauswand lösen und über den Boden ins Grundwasser einsickern.

Vorfall in Freiburg 

Ob das der Fall ist und wie schwer das Grundwasser dadurch belastet wird, wollen die Wissenschaftler im Navebgo-Projekt (steht für: Nachhaltige Verringerung des Biozideintrags in das Grundwasser im Oberrhein) klären. Die Befürchtung sei nicht aus der Luft gegriffen, sagt der 34-jährige Seitz. „Man weiß: In Freiburg hat das schon stattgefunden.“ Sein Kollege Bundschuh, Juniorprofessor und Leiter des Instituts für funktionelle aquatische Ökotoxikologie, ergänzt: „Wenn ein Stadtteil diesem Risiko ausgesetzt ist, warum sollte das dann nicht auch woanders der Fall sein?“ Beim Projekt unter der Leitung des Hydrologen Jens Lange möchte die Uni Freiburg erforschen, wie stark das Grundwasser in Freiburg, Straßburg und Landau belastet ist und wie die Stoffe ins Grundwasser gelangen. Beteiligt sind die Unis dieser drei Städte, eine Firma und die Uni Lüneburg. Die Landauer Forscher haben eine spezielle Aufgabe: Sie sollen Alternativen zu den herkömmlichen Fassadenfarben testen und bewerten – um bestenfalls auf chemischen Schutz verzichten zu können. Möglich ist, dass je nach Lage des Hauses bereits mineralische oder kunstharzhaltige Farben und Putze ausreichen könnten, um den Bewuchs zu minimieren.

Keine Lösungen

Naturgemäß haben die Forscher zu Beginn der dreijährigen Projektzeit noch keine Idee, wie die Lösung des Problems aussehen könnte – sofern es überhaupt flächendeckend existiert. Von einem größeren Dachüberstand, damit weniger Regen auf die Fassade trifft, bis zu regelmäßigen Auffrischungen sei alles möglich, sagt Seitz. Denkbar sei beispielsweise auch, dass es ausreicht, an Fassaden einen festgelegten Boden mit festgelegter Bepflanzung vorzuschreiben – so könnten Biozide weggefiltert werden, bevor diese das Grundwasser erreichen. Klar sei: Jeder wolle schöne Fassaden, sagt Bundschuh. Er habe an einer Autobahn vor Kurzem ein Hotel gesehen. Die Fassade sei nicht nur von Ruß verdreckt gewesen, sondern offensichtlich auch von Algen und Bakterien. In so einem Haus würde er jedenfalls nicht übernachten, betont der 36-Jährige.
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