Landau / Edenkoben RHEINPFALZ Plus Artikel Gastronomie: Erst Stäbchen, dann Kaffee

Sitzplatz gegen Test: Nur wer nachweislich nicht mit dem Coronavirus infiziert ist, darf die Außengastronomie genießen.
Sitzplatz gegen Test: Nur wer nachweislich nicht mit dem Coronavirus infiziert ist, darf die Außengastronomie genießen.

Er soll wieder ein Stück Normalität ermöglichen: der Schnelltest. Nicht älter als 24 Stunden darf er sein, damit er als Eintrittskarte für die Außengastronomie gilt. Sind die Menschen bereit, sich für Café au Lait, Cola oder Mittagessen testen zu lassen?

Der Landauer Rathausplatz ist belebt. Es ist Dienstag zur Mittagszeit. Menschen flanieren über den Platz, einige steuern gezielt Geschäfte an, andere sitzen in den geöffneten Bereichen der Außengastronomie. Aber: Nur ein Drittel der Plätze ist besetzt. Manche Menschen halten sich noch mit den Besuchen in der Gastro zurück.

Einer davon ist Martin Roos aus Coburg. „Ich kann die Leute verstehen, die sich danach sehnen“, sagt er. „Ich selbst vermeide die Gastronomie aber eher, da ich nicht zum Infektionsgeschehen beitragen möchte.“ Er steht vor dem Schnelltestzentrum in der Festhalle und will mit einem Test auf Nummer sicher gehen, bevor er seinen Bruder und dessen schwangere Freundin besucht. Aber damit ist er vor dem Testzentrum recht alleine – denn hier gibt es die Schnelltests und damit auch die Tickets für den Kaffee oder Schorle im Freien. Das nutzen viele Menschen, wie Igor Pak und Marvin Agbor. „Ich finde gut, dass es kostenlos ist“, sagt der 16-jährige Pak. Die Teenager wollen bei dem schönen Wetter etwas in der Stadt trinken gehen. Ein wenig unangenehm sei das Teststäbchen in der Nase aber schon gewesen, merkt Agbor im Anschluss an. Jetzt heißt es: 15 Minuten warten, dann haben die beiden ihre Tickets für ein Café.

Test für ein bisschen Freiheit

Die Gastronomen in der Stadt freuen sich auf und über die Kundschaft. „Ich bin überrascht, dass es so gut angenommen wird“, sagt Marcel Fritsch, Co-Inhaber des Cafés Mago im Zentrum der Stadt. Er ist beeindruckt davon, wie viele Menschen sich für ein bisschen Freiheit testen lassen wollen. Jeder Gastronom macht natürlich seine eigenen Erfahrungen. Es werde ein bisschen angenommen, berichtet Andreas Wittenberg vom Café am Markt bei der Roten Kaserne. Auch hier sitzen noch recht wenige Leute, aber die kommen wohl noch.

Zeitgleich wartet Heike Klöfer vor dem Testzentrum. „Das Wetter ist heute toll und die Inzidenzwerte sind noch erträglich, da wollte ich die kurze Atempause nutzen und die Außengastronomie unterstützen“, erklärt die 66-jährige Landauerin. Stefan Friedrich aus Landau erwartet Besuch und will vorher mit dem Test Klarheit schaffen. „Das Testen läuft hervorragend, sie kitzeln einen nur kurz am Gehirn“, sagt der 66-Jährige mit einem Schmunzeln. Dass Außengastronomie mit Test jetzt möglich ist, findet er gut. „Wer sich darüber beschwert, soll es einfach nicht nutzen“, meint er. „Wirklich sicher fühle ich mich erst, wenn ich geimpft bin“, sagt dagegen Dirk Jäger. Der 48-Jährige und sein elfjähriger Sohn Paul wollen heute Abend essen gehen. Sicher, aber doch etwas aufwendig und kompliziert – zumindest nur für einen Besuch in der Gastronomie – findet Jörg Rotheneder die Teststrategie. „Das regelmäßige Testen ist bestimmt keine Dauerlösung, aber für die nächsten paar Monate denkbar“, sagt der 25-Jährige. Man müsse schließlich alles tun, was irgendwie helfe. Ein bisschen sicherer fühle man sich ja schon nach dem Test.

Langfristig Planen unmöglich

Ziemlich viel Zeit mit Erklärungen verbringt Frederique Viriat, Inhaberin des Cafés Segafredo am zentralen Platz der Stadt. Für den Innenbereich könne sie ja einen Testzwang verstehen, aber draußen, an der frischen Luft, bei den vorgeschriebenen Abständen und der Personenbegrenzung – das finde sie schwierig. Sie ist für ein Schnelltestzentrum auf dem Rathausplatz, dessen Entstehung zeichne sich ja bereits ab. Dann würde für sie vieles leichter. Doch die nächste Schließung droht schon – je nachdem, wie sich die Infektionszahlen entwickeln, könnte bereits über Ostern der Vorhang wieder fallen.

Nach zaghaften ersten Tagen habe man im Prinzregent in Edenkoben über Ostern einige Buchungen, sagt Geschäftsführerin Nadine Kurz. Sie hoffe auf mehr Gäste, habe aber das Gefühl, die Menschen wollten sich eher kurzfristig entscheiden. „Das Testen für die Gastro ist noch neu, aber so langsam kommt die Routine. Dann sind die Hemmungen auch nicht mehr ganz so groß“, ist Kurz überzeugt. Wer keinen aktuellen negativen Schnelltest dabei hat, kann direkt vor dem Restaurant einen Test zum Selbstkostenpreis kaufen und vor Ort durchführen. Was die Zukunft bringt? Schwer zu sagen, meint Kurz. „Wir planen von Woche zu Woche und müssen trotzdem täglich schauen, wie wir es machen.“

Aushilfen fehlen

Wittenberg nimmt es, wie es kommt und plant nur von Tag zu Tag – er kaufe auch nur den täglichen Bedarf ein. „Wenn die Zahlen wieder hoch gehen, machen wir leider Gottes wieder zu“, sagt er. Auch Fritsch bleibe nichts anderes, als abzuwarten, sagt er. Wobei er es gut fände, wenn sich Landau am Tübinger Öffnungsmodell orientieren könne. Viriat will ihr Café Segafredo über die Feiertage nur am Samstag öffnen, sofern das erlaubt ist. Sie steht vor einem anderen Problem: Das Hochfahren werde schwierig. Sie habe vor allem Studierende beschäftigt gehabt, die sich während des Lockdowns andere Jobs gesucht hätten.

Und wie reagieren die Leute? Fast durchweg positiv. Auch Viriat, die sehr häufig die Regeln erklären müsse, sagt, dass die meisten doch einfach nur glücklich seien, mal wieder einen Café oder ähnliches in der Stadt genießen zu können. Beim Mago zeige sich die Freude der Gäste auch bei den Trinkgeldern – die seien teils viermal so hoch wie üblich. „Ein Zeichen der Wertschätzung“ betont Fritsch. Eine schöne Begegnung hatte Wittenberg in seinem Café am Markt. Eine Frau mit gültigem Test stand mit Tränen in den Augen vor ihm, berichtet er. Sie habe gefragt was, ob sie nun einen Kaffee trinken könne. Seine Antwort: „Keine Sorge, Sie kriegen hier alles wie immer“. Die Frau sei dann einfach glücklich gewesen.

Schnelltests zeigen innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis an.
Schnelltests zeigen innerhalb weniger Minuten ein Ergebnis an.
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