Landau RHEINPFALZ Plus Artikel Das Bäuerlein macht wieder auf

Verena Schmitt und Nico Stengel sind die neuen Wirtsleute im Bäuerlein. „Brot kann ich gut“, sagt der Koch. In der Corona-Zeit h
Verena Schmitt und Nico Stengel sind die neuen Wirtsleute im Bäuerlein. »Brot kann ich gut«, sagt der Koch. In der Corona-Zeit haben die beiden viel gebacken. Das soll nun den Gästen zugute kommen.

Aufmerksame Landauer haben es schon registriert: In der Gaststätte Bäuerlein gegenüber dem Alten Kaufhaus tut sich etwas. Zwei junge Leute möchten ihre Gäste mit guter Hausmannskost gewinnen. Dabei hat der Koch noch anderes drauf. Das Konzept lässt den Wirtsleuten Freiheiten.

Kaum sind die Rollläden mal oben, spitzeln neugierige Passanten im Vorbeigehen durch die Fensterscheiben. Dieser Tage stand sogar schon eine Gruppe vor dem Eingang, als könnten die Leute die Eröffnung des Lokals kaum erwarten. Die Erwartungen sind groß, ist doch die Küche in den vergangenen zweieinhalb Jahren kalt geblieben. Das Bäuerlein hat gefehlt. Erst recht in einer Zeit, in der die Gastronomie zu kämpfen hat.

Verena Schmitt und Nico Stengel ficht das nicht an. Das Paar weiß genau, was es will. „Mein Traum war immer die Selbstständigkeit“, sagt der 26-Jährige. Dafür hat er auch seine 25 Jahre alte Partnerin begeistern können. Er ist der Koch, sie nimmt sich als Sommelière des Weins an. Sie kennen sich aus der Realschule. Er stammt aus Oppau, sie aus Edigheim. Er hat die Ausbildung zum Koch in Schifferstadt gemacht, sie die zur Restaurantfachfrau im Gesellschaftshaus der BASF in Ludwigshafen. „Da wurde der Rohdiamant in Form gebracht“, sagt Nico Stengel selbstbewusst. Nach der Ausbildung habe er sich in die Spitzengastronomie gewagt. Dobler’s in Mannheim ist darunter und der mit zwei Michelin-Sternen ausgezeichnete Klaus Erfort in Saarbrücken.

Die Gaststätte stand zweieinhalb Jahre leer.
Die Gaststätte stand zweieinhalb Jahre leer.

Eine ehrliche Küche

Die Großstadt habe sie nicht gereizt, erzählen Stengel und Schmitt. Sie wollten ihr Restaurant in der Pfalz eröffnen. Dass es nun Landau wird, ist der Liebe zum Wein zu verdanken. Über die Ausbildung lernte Verena Schmitt die Keßlers vom Münzberg in Godramstein kennen, die zu den „Fünf Freunden“ zählen. Ihnen gehört das Bäuerlein. Die junge Frau hat Level 2 der Sommelier-Ausbildung absolviert, möchte darauf in Zukunft weiter aufbauen, setzt sich aber nicht unter Druck.

Und was kommt nun auf die Teller? „Ich kann auf sehr hohem Niveau kochen“, sagt Stengel. Er passe das aber lieber auf gute Hausmannskost an statt nur drei Punkte auf den Teller zu zaubern. „Ich will eine ehrliche Küche, regional, so gut es geht. Und saisonal ausgerichtet.“ In der Küche habe er seinen eigenen Kopf. Das sei nicht immer einfach gewesen, doch man habe ihn auch ermutigt mit den Worten: Du bist auf dem richtigen Weg.

Auch After-Work-Partys

Die jungen Leute möchten neuen Schwung ins denkmalgeschützte Anwesen bringen. „Wir wollen auch Veranstaltungen machen, Get together, After-Work-Partys. Weinproben. Jeder trifft jeden.“ Ihnen sei erzählt worden, dass sich im Bäuerlein die Leute an den Tischen oft dazugesetzt hätten. Das gefällt Stengel. Überhaupt seien sie sehr freundlich aufgenommen worden. „Wir haben uns direkt wohlgefühlt.“ Der Dritte im Bunde ist Eric Lay, ein guter Freund von Stengel. Sie haben zusammen die Ausbildung gemacht. Ehrensache, dass er jetzt in Landau als Restaurantleiter dabei ist.

Nico Stengel wird den Leuten keinen Atlantikfisch auftischen. Mit guter Hausmannskost könne man die Gäste glücklicher machen, meint er. Auf der ersten Karte stehen beispielsweise Kalbszunge, geschmorte Rinderschulter oder Gemüsetortilla. „Ich werde das Essen am Wein ausrichten.“ Die Weinkarte zählt 70 Positionen, „darunter auch Jahrgangstiefen“. Eröffnung ist übrigens am Rosenmontag um 12 Uhr.

Die Küche im Obergeschoss.
Die Küche im Obergeschoss.

Tellergerichte und Snacks

Schmitt, Stengel und Lay fahren beim Speiseplan zweigleisig. Das ist dem Wunsch des Kochs geschuldet, nicht den ganzen Tag und Abend in der Küche stehen zu wollen. Deshalb wird es im Bäuerlein Tellergerichte geben, je drei Vor- und Hauptspeisen sowie zwei Desserts, frisch zubereitet, aber nur zu bestimmten Zeiten: von 12 bis 14 Uhr und von 18 bis 20 Uhr. Den ganzen Tag über können die Gäste Snacks bestellen, Kleinigkeiten zum Wein oder für den kleinen Hunger zwischendurch. Die Snack-Karte sei deutlich auf den Schwerpunkt Wein abgestimmt, erläutert Stengel. Der Vorteil dieser Regelung für ihn: Die Snacks werden nicht nur von ihm zusammengestellt. So gewinnt er Beinfreiheit.

Das gilt auch für die Öffnungszeiten. Die jungen Leute setzen sich von traditionellen Gastro-Gepflogenheiten ab. „Die Work-Life-Balance ist Standard in unserer Generation“, sagt Stengel. Er habe von Beginn der Ausbildung an viel einstecken müssen, wenig Zeit gehabt für Familie und Freude, habe abends oder am Wochenende nicht ausgehen können wie andere. „Ich wollte es nicht so weiterführen, wie ich’s kannte“, erzählt der 26-Jährige.

Beruf schmackhaft machen

Er und seine Freundin möchten es erstmal ruhig angehen und Erfahrungen sammeln. „Wir sind flexibel und passen uns der Stadt an.“ Im Sommer ist auch eine Sechs-Tage-Woche denkbar. Und um 21 Uhr soll nicht auf einen Schlag das Licht ausgehen. „Wir werfen niemanden raus“, sagt Stengel und lacht. Vielleicht setzt er sich dann irgendwo dazu und palavert mit den Gästen. Die neuen Gegebenheiten könnten schließlich dem einen oder anderen aus der jungen Generation diesen Beruf vielleicht auch schmackhaft machen, meint er.

Auch die Eigentümer sind „richtig guter Dinge“, wie Gunter Keßler bemerkt. Die „Fünf Freunde“ sind seit bald 30 Jahren Eigentümer des Hauses – das sind die Südpfälzer Spitzenweingüter Wehrheim in Birkweiler, Rebholz in Siebeldingen, Siegrist in Leinsweiler, Becker in Schweigen und Münzberg in Godramstein. Ganz sicher wird Peter Wöscher dem jungen Paar seine Aufwartung machen. Er war von 1990 bis 2001 legendärer Wirt des Bäuerlein, seine vor Jahren verstorbene Frau Trudel Bäuerlein wirbelte in der Küche. Das denkmalgeschützte Haus gehörte der Familie Bäuerlein 100 Jahre – anfangs hieß es „Zum Kaufhaus“, bis es die „Fünf Freunde“ kauften.

Öffnungszeiten

Montags und dienstags von 12 bis 21 Uhr, mittwochs und donnerstags Ruhetage, freitags bis sonntags 12 bis 21 Uhr.

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