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Mittwoch, 13. Februar 2019 Drucken

Landkreis Südwestpfalz

Brummton bleibt mysteriös

Dem Landesamt für Umwelt ist es nicht gelungen, die Quelle von tieffrequenten Brummtönen in Mörlheim zu orten. Es hat aber festgestellt, dass der Schall keine zulässigen Lärmrichtwerte überschreitet. Claus Hund, der als erster über das psychisch belastende Phänomen berichtet hat, spricht von einem Armutszeugnis.

Von Sebastian Böckmann

Das Landauer Industriegebiet zwischen Mörlheim und Bornheim. Dass der Brummton von hier kommt, ist bisher nicht mehr als ein Verdacht.

Das Landauer Industriegebiet zwischen Mörlheim und Bornheim. Dass der Brummton von hier kommt, ist bisher nicht mehr als ein Verdacht. ( Foto: van)

«Landau.»Einwohner aus Mörlheim, allen voran Claus Hund aus der Straße „In den Thoräckern“, beschweren sich seit Mai 2018 über tiefe Brummtöne. Seit kurzem gibt es auch Klagen aus Bornheim (die RHEINPFALZ berichtete mehrfach). Als Quelle des Infraschalls sind unter anderem Windräder bekannt, doch der benachbarte Windpark bei Offenbach war rasch als Verursacher ausgeschieden, weil es auch brummte, wenn sämtliche Windräder stillstanden. Seitdem konzentrierte sich der Verdacht auf das Industriegebiet Landau-Ost, das zwischen Mörlheim und Bornheim liegt. Doch auch dieser Verdacht lässt sich bisher nicht erhärten: Dem Landesamt für Umwelt (LfU) ist es nicht gelungen, die Quelle der mysteriösen tieffrequenten Brummtöne zu orten. Das hat die Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd in Neustadt gestern Vormittag mitgeteilt. Das Landesamt habe zudem festgestellt, dass die Brummtöne keine zulässigen Lärmrichtwerte überschritten und dass auch kein Zusammenhang zwischen den tieffrequenten Tönen und den Geräuschen im benachbarten Industriegebiet feststellbar sei.

Rückblende: Im Juni vergangenen Jahres hatte die SGD selbst erste orientierende Lärmimmissionsmessungen vorgenommen und den Brummton bestätigt. Weitergehende Aussagen waren ihr wegen ihrer vergleichsweise einfachen Messmethode jedoch nicht möglich. Die SGD hatte deshalb das Landesamt für Umwelt um qualifizierte Messungen gebeten. Die gab es laut SGD am 28. August und am 7. November vergangenen Jahres. Außerdem hatte das LfU Beschwerdeführer Hund zeitweilig ein Messgerät zur Verfügung gestellt, das dieser selbst aktivieren konnte, wenn das Brummen wieder auftrat.

Nach Angaben der SGD hat das LfU tieffrequente Töne im Bereich zwischen acht und 100 Hertz gemessen. Sie hätten aber jeweils deutlich unter der Hörschwelle der DIN 45680 gelegen. Diese Norm geht davon aus, dass tieffrequente Töne von acht Hertz erst ab einer Lautstärke von mehr als 100 Dezibel zu hören seien und solche von 100 Hertz erst ab etwa 22 Dezibel. Beide Werte wurden bei den LfU-Messungen nicht erreicht. Laut SGD hat das Landesamt auch Lärmmessungen im benachbarten Industriegebiet Landau-Ost vorgenommen, das genau zwischen Mörlheim und Bornheim liegt, aber keinen Zusammenhang zwischen den dortigen Geräuschen und den tieffrequenten Tönen beim Beschwerdeführer festgestellt.

Für Wortführer Hund ist das Gutachten, das ihm am Montagnachmittag von der SGD ins Haus geliefert wurde, ein Armutszeugnis. „Das ist für mich ein Hammer, wenn das Brummen nicht nur von vielen Menschen gehört wird und es auch gemessen worden ist, aber von Experten nicht geortet werden kann.“ Er habe allerdings mit keinem anderen Ergebnis gerechnet, da die zugrunde gelegte Verwaltungsvorschrift, die Technische Anleitung (TA) Lärm, von 1998 stamme, weshalb die Bewertungskriterien nicht mehr dem Stand der Technik entsprächen. „Ich bin ein Mensch, kein Alien. Nach der TA Lärm dürfte ich das gar nicht hören, aber ich tue es“, argumentiert er. Für ihn schützen die TA Lärm und die DIN folglich nicht die Gesundheit der Bürger, sondern die Verursacher von Lärm vor Investitionen zu dessen Verhinderung. Den Kampf zur Änderung gesetzlicher Grundlagen könne er allerdings nicht führen. „Als Laie bin ich da in Gottes Hand“, so Hund.

Er hat vor wenigen Tagen einen Infobrief in ganz Mörlheim verteilt, in dem er über das Infraschall-Problem informiert und um Mithilfe bittet. Wer das Brummen ebenfalls hört, soll sich per E-Mail an die SGD Süd wenden (poststelle@sgdsued.rlp.de), bittet er.

Hund betont, dass auch Menschen, die den Infraschall nicht als Ton wahrnehmen, ihm dennoch ausgesetzt sind. Und das könne zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen wie Schlafstörungen, Nervosität, Kopfschmerzen und Migräne sowie Herz-Kreislauf-Problemen führen. Er beruft sich dabei auf Professor Christian-Friedrich Vahl, Direktor der Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz, den das ZDF mit den Worten wiedergibt: „Infraschall ist eine Energie. Und jede Energie hat physikalische Effekte, ob Sie sie nun hören oder nicht.“ Schwer beunruhigt hatten Hund daher kürzlich aufgetretene Herzbeschwerden bei einem jungen Mann (35) aus seinem Umfeld, die sich wieder gelegt hätten, deren Ursache aber unbekannt geblieben sei.

Der Mörlheimer Ortsvorsteher Joachim Arbogast (CDU) hört den Brummton nicht, obwohl er nur vier Häuser von Hund entfernt wohnt. Er kündigte aber an, auch auf der Homepage des Ortes eine Meldeeinrichtung für den Brummton einrichten zu lassen.

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