Thaleischweiler-Wallhalben RHEINPFALZ Plus Artikel Semas Schlüssel zum Sieg ist die Wähler-Motivation

Fairer Verlierer: Thomas Peifer (links) gratuliert Patrick Sema.
Fairer Verlierer: Thomas Peifer (links) gratuliert Patrick Sema.

Die Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben hat gewählt und sich für den Wechsel entschieden: Patrick Sema (SPD) löst Verbandsbürgermeister Thomas Peifer (CDU) ab. Für viele sicher eine Überraschung. Vor allem weil Sema Peifer relativ deutlich schlug.

Zahlen lügen nicht, sagt der Volksmund. Das stimmt nicht. Aber was im Sport gilt, wo eine Tabelle am Saisonende durchaus eine Aussagekraft hat, passt auch auf Wahlergebnisse. Sie haben eine gewisse Aussagekraft.

Im Fall der Stichwahl in der Verbandsgemeinde Thaleischweiler-Wallhalben zeigt ein Blick auf die Zahlen deutlich, dass die Wähler, die den Wechsel wollten, an die Urne gegangen sind. Ihnen war die Wahl wichtig. Patrick Sema und seinem Team ist es in den vergangenen 14 Tagen gelungen, die Wähler zu motivieren, die kein „weiter so“ wollten. Dafür legte der 35-Jährige etliche Kilometer in den Ortsgemeinden zurück.

1213 Stimmen erarbeitet

Die Wähler, die auf Kontinuität setzten, sind der Wahlurne in stärkerem Maße ferngeblieben. In den vergangenen 14 Tagen erarbeitete sich Sema noch mal 1213 Stimmen. Das sind rein mathematisch fast alle Wähler, die im ersten Wahldurchgang Martin Eichert (FWG) und Sebastian Schäfer (FDP) gewählt hatten. Auf 1399 Stimmen kamen die beiden vor zwei Wochen. Es ist möglich, dass Sema einen Großteil davon verbuchte.

Ihm ist wohl gelungen, weitere Wähler davon zu überzeugen, dass ein Wechsel möglich ist. Politikforscher sprechen hier gerne vom Phänomen des Sofawählers. Der Sofawähler hat zwar eine Meinung – in diesem Fall zum Beispiel, „och den Peifer will ich nicht mehr, der hat das lange genug gemacht“ – geht aber nicht zur Wahl, weil er glaubt – „och der Peifer gewinnt ja sowieso wieder“. Vorherige Nichtwähler zu aktivieren, hatte Sema sich zum Ziel gesetzt. Sein Ergebnis aus dem ersten Wahlgang mit 2541 Stimmen sprach dafür, dass der Wechsel durchaus möglich ist. Das dürfte sich dadurch verstärkt haben, dass weder FWG noch FDP eine Wahlempfehlung abgegeben haben. Zumindest keine für den Amtsinhaber.

Von der Wiederwahl überzeugte Wähler

Für Thomas Peifer, dem der Wähler vier Tage nach seinem 59. Geburtstag kein schönes Geschenk bereitete, könnte das ein Grund für die Niederlage sein. Die Wähler, die mit ihm weitermachen wollten, waren sich nach dem 3201:2541-Stimmen-Vorsprung Peifers aus dem ersten Wahlgang wahrscheinlich zu sicher, dass er wieder gewählt wird. Und blieben zum Teil der Stichwahl fern.

340 Menschen weniger als vor zwei Wochen gaben am Sonntag ihre Stimme ab, Peifer erhielt 159 Stimmen weniger als im ersten Wahlgang, er verlor also Wähler. Er hat es nicht geschafft, seine potenziellen Wähler an die Urne zu bewegen. Das zeigt sich beim Blick auf die Ergebnisse in den Orten: In 16 Ortsgemeinden hieß der Sieger Patrick Sema, nur in vier Thomas Peifer.

268 Stimmen Vorsprung in Herschberg

Auch die Gemeinden Nünschweiler und Petersberg, in denen Peifer im ersten Wahlgang noch die Nase vorne hatte, holte der 35-jährige Herausforderer. Er gewann dort auch, weil die Wahlbeteiligung in diesen Gemeinden deutlich unter dem Schnitt lag: 39 Prozent (Petersberg) und 38,2 Prozent (Nünschweiler). Verbandsgemeindeweit lag die Wahlbeteiligung bei 47,8 Prozent. In Wallhalben, Knopp-Labach und Saalstadt, den Orten, in denen der Wechsel gewollt war, lag sie über 60 Prozent. Auch in Herschberg lag sie über 60 Prozent. Bei seinem Heimspiel – Sema ist in Herschberg aufgewachsen, in Vereinen aktiv – siegte der Herausforderer mit 268 Stimmen Vorsprung deutlich.

Diese Stimmen waren wichtig, mit ihnen kompensierte Sema schon fast die 309 Stimmen Vorsprung, die Peifer im, was die Wahlberechtigten anbelangt, deutlich größeren Thaleischweiler-Fröschen geholt hatte. In den übrigen drei Gemeinden, die Peifer gewann, war sein Stimmenvorsprung gering. In Höheischweiler (plus 35) lag die Wahlbeteiligung mit 36,8 Prozent sehr niedrig. In Weselberg gab es fast ein Patt, 28 Stimmen Vorsprung hatte Peifer, in Höhfröschen lag er nur 21 Stimmen vorne. Und so summierten sich die Pro-Sema-Stimmen in den kleinen Gemeinden zu einem letztlich veritablen Vorsprung. Am Ende hieß es 3759 zu 3042 Stimmen.

Zu wenig über Gutes geredet

Patrick Sema hat einen engagierten Wahlkampf geführt, in Corona-bedingt nicht einfachen Zeiten. Damit ist es ihm gelungen, die Wähler, die den Wechsel wollten, zu aktivieren. Peifer hat keine großen Fehler gemacht. Er übergebe eine gute Verbandsgemeinde, eine gute Verwaltung, sagte er, als er Sema zum Sieg gratulierte. Wichtige Weichen sind gestellt.

Warum Peifer trotzdem verloren hat? Vielleicht wird er im Nachgang über einen anderen Volksmund-Satz nachdenken müssen: Tue Gutes und rede darüber. Es sei nicht seine Art, sagte Peifer immer, sich in den Vordergrund zu stellen. Die gute Zusammenarbeit mit den Gremien und in der Verwaltung stellte er nach außen immer in den Vordergrund. Auch wenn seine guten Verbindungen, sein Netzwerk manchen Stein erst ins Rollen brachten. Für viele Wähler war möglicherweise das, was gut lief, zu selbstverständlich, um deshalb unbedingt ihre Stimme abzugeben.

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