Aufgespießt
In Waldfischbach-Burgalben wächst etwas – Nur was?
Auch auf dem Gelände der Brandruine des Hotel Martin grünt es zusehends – zwischen den Ruinenteilen, die teils als Rankhilfe dienen. Vor drei Jahren, am 4. August, ging das ehemalige Hotel in Flammen auf. Wer hoffte, dass das bis dahin schon hässliche Gebäude nach dem Brand schnell verschwinden würde, sieht sich enttäuscht. Was einsturzgefährdet war, wurde beseitigt und der weitere Verfall gebremst. Ein Notdach wurde installiert. Um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer zu gewährleisten, wurde der Gehweg gesperrt und durch einen Zaun zur Straße hin gesichert. Pläne wurden vorgelegt. Ein Angebot für betreutes Wohnen soll auf der Fläche entstehen.
Passiert ist seither folgendes: beim Thema Bauen nichts Sichtbares. Aber das Dach hält, die Ruine steht und der Bauzaun sorgt dafür, dass sich hinter diesem – mitten im Gehweg, der seit Jahren unbenutzbar ist – nun die Natur zurückholt, was ihr der Mensch einst genommen hat: Raum zum Wachsen. Das kann man negativ sehen und sich die Frage stellen, wie das so ist mit den Wurzeln, den Schäden am Gehweg und eventuell an den darunter liegenden Leitungen. Man kann das Ganze aber auch positiv sehen. In Zeiten des Klimawandels wird bekanntermaßen gefordert, dass es in den Orten mehr Grünflächen gibt, die sich nicht so stark aufheizen und zur Luftverbesserung beitragen. Eine Grünfläche entsteht hier. Ohne Zutun. Lässt man der Natur noch ein paar Jahre Zeit, sorgt sie dafür, dass der blau-weiße steinerne Schandfleck nicht mehr zu sehen ist.
Sportliche Pläne beim Seniorenheim
Aus dem Wachstum der Bäume, lässt sich noch etwas lernen: Wie lange es dauert, bis in Deutschland rechtliche Fragen geklärt sind. Die Frage, wer für die beim Brand entstandenen Schäden aufkommen muss – potenzieller Verkäufer oder potenzieller Käufer – ist ein Hemmschuh auf dem Weg zu einer Lösung. Die Zeit lässt sich vielleicht mal an den Jahresringen der Bäume im Gehweg ablesen.
Die Lösung für das wachsende Biotop mitten in der Hauptstraße ist bekanntermaßen aber auch eng verbunden mit einem weiteren Projekt, das einige Meter weiter realisiert werden soll. Dem Bau eines Seniorenheimes. Dort türmt sich seit geraumer Zeit ein Schutthaufen. Im ersten Quartal 2025, so hat der Investor im Frühjahr erklärt, sollen Seniorenheim und das betreute Wohnen auf dem Platz des ehemaligen Hotel Martin an den Betreiber übergeben werden. Das wird sehr sportlich. Über den Flurfunk ist zu hören, dass nun, noch im August, Bewegung in die Sache kommen soll. Ob der Flurfunk Recht hat, wird sich spätestens dann zeigen, wenn sich der Schuttberg bewegen sollte. Sollte er sich nicht bewegen und liegen bleiben, sollte man auch das nicht so negativ sehen. Durch den Abriss der Häuser, der den Schuttberg mit hat entstehen lassen, ist in zentraler Ortslage eine Frischluftschneise entstanden. Frischluftschneisen werden in Zeiten des Klimawandels gleichfalls immer wichtiger. Auch hier – die Brandruine Martin lässt grüßen – wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die Natur beginnt, sich den Raum zurückzuholen. Fest steht, dass die Menschen in Waldfischbach-Burgalben an beiden Standorten in Zukunft sicher etwas wachsen sehen werden. Die spannende Frage ist: Werden es Gebäude für Seniorenwohnen oder Bäume sein?