Bad Bergzabern RHEINPFALZ Plus Artikel Gymnasium weiht Bronzeplakette für Grete Levy ein

Lehrerin Eleonore Beinghaus und Künstler Franz Leschinger präsentieren die an einer Stele befestigte Bronzeplakette von Grete He
Lehrerin Eleonore Beinghaus und Künstler Franz Leschinger präsentieren die an einer Stele befestigte Bronzeplakette von Grete Helene Levy, die nun am Eingang zum Gymnasium steht.

1942 wurde Grete Helene Levy von den Nazis im KZ Chelmno ermordet. Bis 1938 war das Mädchen in Bergzabern zur Schule gegangen. Dass Grete und ihr Schicksal nicht in Vergessenheit geraten, dafür sorgen Schüler und Lehrer des Gymnasiums. Im Vorjahr haben sie ein Buch über Grete geschrieben. Dem nun eine plastische Erinnerung folgte.

Eine Stele mit einer Bronzeplakette erinnert nun am Eingang zum Gymnasium an Grete Helene Levy. Die Enthüllung der von Künstler Franz Leschinger aus Lug gefertigten Plakette am Gedenktag der Reichspogromnacht bildet quasi den Abschluss eines gut zweijährigen Projektes der Arbeitsgemeinschaft Stolperstein, in dem sich die Schüler intensiv mit dem kurzen Leben von Grete Levy befasst haben. Das jüdische Mädchen besuchte von 1932 bis 1938 die Lateinschule in Bergzabern und damit die Vorgängerschule des Gymnasiums und wurde 1942 im Vernichtungslager Chelmno in Polen von den Nazis vergast. Die Schüler haben unter anderem das viel beachtete Buch „Gretes Zeugnis – Auf Spurensuche in einer dunklen Zeit“ verfasst. Das Projekt mag abgeschlossen sein, aber „der Kampf gegen das Vergessen geht weiter“, sagte Lehrerin Eleonore Beinghaus, die die Arbeitsgemeinschaft leitet. „Die AG wird weiter bestehen, wir haben schon einige Ideen für das nächste Jahr“, sagte Beinghaus.

Grete Helene Levy war die einzige jüdische Schülerin an der Lateinschule. Ab 1938 mussten jüdische Schüler auf rein jüdische Schulen. Mit bewegenden Worten wird in dem Buch geschildert, wie Grete am Ende der 5. Klasse aus den Händen ihres abweisendes Schulleiters ihr Abschlusszeugnis erhielt. Kein Lächeln, kein Händedruck, stattdessen schleuderte er ihr ein „Heil Hitler“ entgegen. Die jungen Autoren lasen diese schmerzhafte Szene bei der kleinen Feier im Foyer des Gymnasiums vor. Geschrieben hat das 150 Seiten dicke Buch die ehemalige Klasse 10 b im Jahr 2020. Damals haben sich die Schüler mit dem Thema Nationalsozialismus beschäftigt und sich dabei auf Gretes Schicksal aufmerksam geworden. Viele dieser Schüler sind auch in der AG Stolpersteine aktiv, die am Dienstag auch sieben Plakate präsentierte, die über das Leben von Grete und das der Juden in Bergzabern informieren.

„Es darf nie wieder passieren“

Es sei ein gutes Beispiel, wie Geschichtsunterricht lebendig werden könne, sagte Landrat Dietmar Seefeldt. In der heutigen Zeit, „wo wir Antisemitismus leider immer wieder erleben müssen, ist es ganz besonders wichtig an diese schlimme Zeit im Dritten Reich zu erinnern“, so Seefeldt. „Es darf nie wieder passieren, dafür müssen wir alles tun“, sagte Schulleiter Pete Allmann in seiner Begrüßung. Allmann zitierte die 100-jährige Holocaust-Überlebende Margot Friedländer, die vor wenigen Tagen im Zeit-Magazin gesagt hatte, was sie zum Abschluss ihrer Lesungen zu sagen pflegt: „Ich bin zurückgekommen, um mit euch zu sprechen, um euch die Hand zu reichen, denn ich möchte nicht, dass einer von euch jemals so etwas erlebt, was wir erleben mussten. Das ist für euch, nicht für mich. Was war, war, das können wir nicht mehr ändern. Es darf nie wieder geschehen.“

Die Bronzeplakette mit dem Porträt von Grete Helene Levy zu fertigen, sei keine ganz leichte Aufgabe gewesen, sagte Franz Leschinger. Der Künstler, der Bildhauerei in München studiert hat, hat schon unzählige Skulpturen in Bronze und Marmor geschaffen. „Zumeist hat man ja ein lebendes Modell vor sich, in diesem Fall war es nur ein winziges Foto“, beschrieb Leschinger die Schwierigkeiten, vor denen er stand. Es existiert nur ein Klassenfoto aus den 1930er-Jahren, auf dem Levy abgebildet und das als Vorlage diente. Da er Eleonore Beinghaus gut kenne, habe er sich ihr zuliebe auf das Projekt eingelassen.

Stolperstein in Frankfurt verlegt

Finanziert wurde die Bronzeplakette übrigens aus Spenden sowie den Erlösen durch den Buchverkauf. „Wir hätten nie gedacht, dass wir mit dem Buch jemals einen Gewinn erzielen könnten“, sagte Beinghaus. Ursprünglich sollte ein Stolperstein an Grete Levy erinnern. Doch dieser wurde bereits am 3. September in der Friedrichstraße 19 in Frankfurt am Main verlegt, wo Grete und ihre Familien zuletzt lebten. Eine Gruppe von Schülern der ehemaligen 10b war mit ihren Lehrern bei der Stolpersteinverlegung dabei.

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