Eschbach
Experten fasziniert von Saurierfunden
In einem nahe bei Eschbach gelegenen Steinbruch war ein Ehepaar bei einer Wanderung zur Madenburg im August auf den versteinerten Fußabdruck eines Paraeiasauriers gestoßen. Das Glück dabei war, dass Wanderer Fritz Keppler aus Schweigen Geologe ist und er deshalb das richtige Auge für den am Wegesrand liegenden Steinbrocken hatte. Auf dem rotbraunen Sandstein fand sich in fast quadratischen Ausmaßen von 22 Zentimetern Länge und Breite der Fußabdruck des urzeitlichen Tiers. Die Nachricht über den besonderen Fund sorgte für ein enormes Medienecho. Und inzwischen gibt es weitere Erkenntnisse.
Sebastian Voigt vom Urweltmuseum Geoskop auf Burg Lichtenberg bei Kusel sprach direkt nach dem Fund von einer Sensation, handelt es sich doch bei dem Tier aus der Gattung der Pachypes um einen der Vorgänger der Dinosaurier. Pachypes lebten vor etwa 255 Millionen Jahren im späten Perm, der jüngsten Periode des Erdaltertums. Innerhalb von 14 Tagen nahmen Voigt und seine ehrenamtlichen Helfer nach der Entdeckung rund 100 Objekte wie Fossilien, Fußspuren, Strukturen und Fragmente verschiedenster Größen aus Eschbach mit, um diese zu untersuchen, wie er jüngst im Eschbacher Gemeinderat berichtete. Der Paläontologe ist begeistert von dem, was aus den Gesteinsmassen herausgefiltert wurde. Bei der Bewegung von 35 Tonnen Erde wurden unter anderem 20 Trittsiegel gefunden. Drei Saurier verschiedener Gattungen ließen sich bereits jetzt konkret belegen, für die Spuren von weiteren fünf Tieren bedarf es noch der gezielten Zuordnung.
Gefunden Pflanzen eine Weltneuheit?
Sichergestellt werden konnten auch rund 50 Gesteinsplatten, die nun wie ein Puzzle auf einer ebenen Fläche auf Sand zusammengefügt werden sollen. Mit Gips sollen die Fugen verfüllt werden, um dann ein Gesamtobjekt herzustellen, das die Spuren noch mehr verdeutlicht. Die Gesamtgröße der gefundenen Platten wird eine Fläche von rund zweimal drei Metern einnehmen. Gefunden wurden auch Käferlarven sowie Hölzer. Diese sammelten sich am Grund des Zechstein-Meeres, das es in der Urzeit gab und damals große Teile Nord- und Mitteleuropas bedeckte. Es reichte bis in die Südpfalz. Wie Voigt erklärte, wurden im Eschbacher Steinbruch auch versteinerte Pflanzen aus der damaligen Zeit gefunden, die zuvor auf der ganzen Welt noch nicht entdeckt worden seien.
20 Gesteinsplatten weißen Saurierfährten auf. Auf weiteren 15 Objekten finden sich Spuren von wirbellosen Tieren, so von zwei Tausendfüßlern. Auf weiteren zehn Gesteinsexemplaren entdeckten Forscher Pflanzenabdrücke und versteinerte Wurzeln. „Sollten es wirklich, und davon gehen wir aus, acht verschiedene Ur-Saurier sein, wäre das überaus bemerkenswert und für Mitteleuropa geradezu einzigartig“, sagte Voigt. Bislang wurden in den 1960er-Jahren im thüringischen Gera und dann 2014 im pfälzischen Neustadt Fußabdrücke jener Sauriergattung gefunden, die nun auch in Eschbach aufgetaucht sind. In Gera und Neustadt hatte es sich allerdings nur um ein jeweils einzelnes Tier gehandelt.
„Es wird weitere Ausgrabungen geben“
„Ich denke, dass es für Eschbach erst der Anfang ist. Es wird in jedem Fall weitere Grabungen geben. Je genauer man in die Materie einsteigt, desto spannender wird es. Wir haben hier Funde, die man so in Mitteleuropa überhaupt nicht kennt. Das ist schon eine echte paläontologische Sensation“, sagt Voigt.