Kusel RHEINPFALZ Plus Artikel Wald: Nasses Jahr könnte einigen Baumarten geholfen haben

Beim Blick in Richtung Preußische Berge sind deutliche Schädigungen der Bäume erkennbar.
Beim Blick in Richtung Preußische Berge sind deutliche Schädigungen der Bäume erkennbar.

Hat der viele Regen in diesem Jahr den Zustand des Waldes im Kreis Kusel nach zuvor drei Dürre-Jahren gebessert? Sind die Fichten noch zu retten? Und geht es den Buchen wieder besser? Für eindeutige Antworten ist es noch zu früh, sagt Forstamtsleiterin Gabi Kleinhempel.

85 Prozent des Waldes im Kreis Kusel besteht aus Laubbäumen. 37 Prozent sind Buchen, 26 Prozent sind Eichen. 15 Prozent der Wälder sind Nadelhölzer, bei denen die Douglasie mit sechs, die Fichte mit vier und die Kiefer mit zwei Prozent die größte Rolle spielen. So weit die Fakten zum Bestand.

Allerdings haben die Bäume ganz unterschiedliche Bedürfnisse – und sind damit auch unterschiedlich widerstandsfähig, wenn es zu einer langanhaltenden Trockenheit kommt. Wenn es nicht genug regnet wie in den vergangenen drei Jahren.

Fichten sind ziemlich tot

Gleich mehrfach erwischt hat es in den vergangenen Jahren die ohnedies kleinen Fichtenbestände im Landkreis. Stürme, Borkenkäfer, dem war es in diesem Jahr übrigens lange zu kalt, sodass er nicht die große Rolle spielte, und Dürre – da bleibt nicht mehr viel übrig, sagt Kleinhempel, deren Mitarbeiter in den vergangenen Wochen zu einem Waldsachstandsbericht in ihren Revieren unterwegs waren und akribisch aufgenommen haben, in welchem Zustand der Wald ist.

Etwas besser überstanden hat die gesamten Unbilden der Natur die Douglasie, weil die es im Gegensatz zur Fichte gleichermaßen feucht und warm mag. „Die hat sich in diesem Jahr etwas erholt“, urteilt Kleinhempel. Allerdings hängt der Zustand der Douglasie unter anderem davon ab, woher sie stammt und wo sie steht – denn von diesen Faktoren hängt die Gefahr von Pilzbefall ab. Das kann dazu führen, dass auf einem vergleichsweise kleinen Gebiet auf der einen Seite die Douglasien vor Gesundheit strotzen und sie auf der anderen Seite die Nadel fallen lässt. Eine solche „Schütte“ können die Bäume aushalten, wenn die Nadeln nachwachsen. Eine zweite nicht mehr.

Die Buche braucht Wasser

Großes Sorgenkind sind allerdings die Buchen, die immerhin mehr als ein Drittel des Waldbestands im Kreis Kusel ausmachen. Hier sieht es lokal nicht anders aus als bundesweit, wo der Forst davon ausgeht, dass zwei Prozent der Buchen bereits tot sind. Und 85 Prozent zum Teil schwer geschädigt. „Die Buche ist ein Baum, der sehr viel Wasser braucht. Und dafür waren die vergangenen drei Jahre nicht gut“, sagt Kleinhempel. Übrigens ganz im Gegensatz zu den Eichen, die Trockenheit deutlich besser verkraften.

Um eine genauere Vorhersage zu den Buchen zu wagen, ist es allerdings noch zu früh. „Wir müssen im nächsten Jahr sehen, ob sich die Bestände durch den vielen Regen in diesem Jahr etwas erholt haben“, sagt die Forstamtsleiterin. Bei vielen Bäumen – beispielhaft ist der Blick in Richtung Preußische Berge – sind die Kronen deutlich lichter als früher. „Ein Baum vertrocknet von oben nach unten“, erklärt Kleinhempel das Phänomen, dass der untere Teil der Krone noch scheinbar voll im Saft steht, aber oben kaum noch Blätter sind.

Dass all das Auswirkungen des bereits begonnenen, vom Menschen gemachten Klimawandel sind, daran besteht für Kleinhempel kein Zweifel. Sie weiß dabei nicht nur die weit überwiegende Zahl der Klimaforscher hinter sich, sondern auch den Wald selbst. Zwischen 1881 und 2019 ist die durchschnittliche Jahrestemperatur in unseren Breiten von 8,1 auf 9,7 Grad gestiegen.

Kirsche wirft die Blätter früh ab

Zunehmende Wärme und Trockenheit haben auch auf andere Bäume ihre Auswirkungen. Beispielsweise auf Kirsche und Linde. Beide Baumarten können auf solche Veränderungen wie fehlendes Wasser reagieren, indem sie früher die Blätter abwerfen, um die nicht auch noch mitversorgen zu müssen. In früheren Jahren hat die Kirsche damit etwa Ende September/Anfang Oktober angefangen. In diesem Jahr war es bereits Mitte August. „Das ist überhaupt kein gutes Zeichen.“ Denn je früher die Blätter fallen, desto weniger Reserven kann der jeweilige Baum bilden, um den Winter zu überstehen.

Auch hier werden die Förster also im kommenden Jahr genau hinschauen, ob die Kirsche – nach dem vergleichsweise guten Jahr mit etwa zehn Prozent mehr Wasser von oben als in den vergangenen Jahren – ihre Blätter wieder ein wenig länger behält. Dann hätte ihr das Ende der Durststrecke tatsächlich geholfen. Zumindest vorübergehend.

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