Schönenberg-Kübelberg RHEINPFALZ Plus Artikel Eine Kirche verschwindet und erscheint von Neuem

Seit Herbst läuft der Rückbau der katholischen Kirche. Nächstes Jahr sollen Sanierung und Neubau starten und bis 2026 abgeschlos
Seit Herbst läuft der Rückbau der katholischen Kirche. Nächstes Jahr sollen Sanierung und Neubau starten und bis 2026 abgeschlossen sein.

Von der Straße aus ahnt man es nicht unbedingt, was rund um St. Valentin in Schönenberg-Kübelberg vorgeht. Der Turm der katholischen Kirche thront wie immer auf dem Hügel, drei Seiten des Gebäudes sind unversehrt. Ein Bauzaun lässt lediglich vermuten, was dahinter vor sich geht.

Auf dem Kübelberger Hügel soll ein „Leuchtturmprojekt“ entstehen, kündigen Architekt Klaus Meckler und Pfarrer Michael Kapolka mit Blick auf die „neue“ katholische Kirche an. Von der „alten“ Kirche in Kübelberg steht nicht mehr so viel. Die hintere Langseite des Kirchenbaus von 1704 ist komplett freigelegt. Und auch vom Anbau aus dem Jahr 1963 sind nur noch Schuttberge übrig.

Seit Herbst läuft der Rückbau. „Wir sind in den letzten Zügen“, sagt Architekt Meckler. Ein Öltank sei noch zu entfernen, dann beginne die Sanierung des Altbaus, die wiederum nächstes Jahr abgeschlossen sein soll. „Es geht um die Substanzsicherung des Baus“, betont Meckler. Unter anderem werde das Dach gesichert. Dabei werde der ursprüngliche Giebel der Kirche wieder hergestellt. Habe bisher der Anbau St. Valentin dominiert, werde die Kirche in Zukunft wieder die Silhouette wie im Jahr 1704 erhalten, kündigt der Architekt an. Der Neubau soll parallel zur Sanierung 2024 starten und zwei Jahre später abgeschlossen sein.

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Material wird teils recycelt

Bei dem Projekt werden Teile des Abbruchmaterials recycelt und beim Neubau wiederverwendet. Damit solle die alte Kirche in moderner Form wieder aufleben. Dies solle mit einem künstlerischen Ansatz umgesetzt werden. „Vergänglichkeit und Ewigkeit sind die Themen“, fügt Pfarrer Michael Kapolka hinzu. Die früheren Kalksteinplatten vom Boden sollen geschreddert und für einen neuen Terrazzo-Boden genutzt werden. „Wir wollen die Kirche nicht auf die Schutthalde werfen“, sagt Meckler. Dies sei zwar ein anspruchsvoller Weg, aber „wir wollen den Schöpfungsgedanken in die Praxis umsetzen“, ergänzt Kapolka. Teile des Abbruchs würden zwischengelagert. Etwa die Glasfenster, die im Kirchenraum in schützenden Holzkisten auf ihren neuen Einsatz warten. „Markantes aus der früheren Kirche werden die Besucher wiedersehen“, sagt Kapolka mit Blick auf den Altar und die Christusfigur. Eine Künstlerin sei bereits eingebunden.

Entstehen soll eine „sich nach außen öffnende Kirche“, illustriert Meckler. Der Kirchenraum solle nicht ein in sich abgeschlossener Schrein sein, ein Kirchhof werde den Raum öffnen. Als Umrahmung schwebt dem Architekten etwas Nestartiges vor, das Geborgenheit bieten soll. All dies soll mit einem innovativen Wärme- und Klimakonzept ergänzt werden. Konnten zuvor rund 700 sollen künftig etwa 250 Personen im neuen Kirchenbau Platz finden.

Gesamtkosten: rund 4,5 Millionen Euro

„Die Corona-Pandemie hat uns bei den bisherigen Arbeiten nicht tangiert“, sagt Meckler über den Zeitplan. Es habe andere Herausforderungen gegeben. Ein Gutachten förderte Schadstoffbelastungen am mit Chrom-VI-Oxid behandelten Holz zutage. Folgen: Zeitverlust und höhere Kosten. Die Belastung des Gebälks im Anbau sei derart stark, dass „kein Stück zu gebrauchen“ war. Es habe nie ein Gesundheitsrisiko bestanden, stellt Meckler klar. Allerdings dürfe derart behandeltes Holz nicht nass werden. Da der Stoff wasserlöslich ist, musste beim Abbau alles in Planen gepackt werden, um eine Auswaschung durch Nässe zu verhindern. Die Entsorgung sei sehr teuer gewesen, sodass nun an anderen Stellen Einsparpotenziale ausgelotet werden.

Pfarrer Kapolka geht von Gesamtkosten in Höhe von rund 4,5 Millionen Euro aus. Der Zuschuss des Bistums für die Hauptkirche der Pfarrei betrage 75 Prozent. „Speyer stärkt uns nicht nur finanziell den Rücken“, schildert der Theologe. So begleite Diözesanbaumeister Stephan Tschepella das Projekt seit dem Start intensiv. „Die schlimmste Phase ist jetzt überstanden“, sagt Kapolka. In der Pfarrei mit rund 7000 Mitgliedern – davon rund 1500 in Kübelberg – sei der Grundtenor zu dem Projekt positiv, sagt der 38-Jährige, der seit 2018 in Kübelberg Pfarrer ist und vor gut drei Jahren zum Dekan im Dekanat Kusel gewählt wurde.

Altbau nicht mehr zu retten

„Eine Kirche abzubrechen, ist ein steiniger Weg, ein Leidensweg“, sagt Meckler. Allerdings sei der Bau nicht zu retten gewesen, „die Standsicherheit war gefährdet“. Deswegen sei im November 2021 der letzte Gottesdienst vor der Schließung gefeiert worden. Für den Anbau aus den 1960er Jahren seien dünne Stützen verwendet worden, ein „filigraner Skelettbau“, wie Meckler sagt. Dies habe die Probleme verursacht. „Die Rostsprengungen waren so gravierend, dass der Bau mit vertretbarem Aufwand nicht zu sanieren war“, ergänzt der Architekt. Mit der Sanierung von historischer Substanz hat Meckler Erfahrung. In Kübelberg baute er das Kulturhaus, auch die Revitalisierung der Wasserburg in Reipoltskirchen stammt aus der Feder der Kaiserslauterer Architektengemeinschaft „Meckler+Partner“. Ferner habe er das Kloster Hornbach umgebaut und zuletzt die katholische Kirche in Bann.

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