Kreis Kaiserslautern
Sporthallen ab Schulbeginn wieder überall für Vereine offen
Das erste Mal wieder den Badmintonschläger in die Hand nehmen und ein paar Bälle schlagen konnten die Mitglieder des Badminton Clubs Westpfalz (BCW) Hütschenhausen am 2. Juni. Damit war der Verein einer der ersten, der von der Wiedereröffnung der Sporthallen in Trägerschaft der Verbandsgemeinde (VG) Ramstein-Miesenbach profitierte. Auch in der VG Landstuhl wurde der Vereinssport bereits vor den Sommerferien wieder zugelassen. „Wir haben die Hallen freigegeben, seit dies wieder erlaubt war“, sagt Peter Degenhardt (CDU), Bürgermeister der VG Landstuhl. Alle anderen VGs im Kreis, also Bruchmühlbach-Miesau, Enkenbach-Alsenborn und Otterbach-Otterberg, warten mit der Öffnung noch bis Schulbeginn. Daher müssen sich auch die Sportler des Sportvereins Martinshöhe (SVM) noch bis Montag, 17. August, gedulden. Dann erst dürfen überall wieder Vereine die Sportstätten nutzen.
Trainingsgruppen von 30 Personen sind zugelassen
Allerdings gelten besondere Vorgaben, die im Hygienekonzept des Landes Rheinland-Pfalz für den Sport im Innenbereich festgelegt wurden. Zugelassen sind, Stand 30. Juli, Trainingsgruppen von 30 Personen, wobei jede Person zehn Quadratmeter zur Verfügung haben muss. Wege, am besten mit Einbahnregelung, müssen ausgeschildert sein, Hände beim Betreten der Halle desinfiziert oder gewaschen und Mund-Nasen-Bedeckungen getragen werden, wo Abstände in Gängen oder Gemeinschaftsräumen nicht einzuhalten sind. Außerdem soll zwischen den Übungsstunden immer wieder gelüftet werden. Das Duschen ist zwar erlaubt, wird aber zum Beispiel in der VG Enkenbach-Alsenborn nicht möglich sein. Auch der SVM schickt seine Fußballer, die seit Anfang August wieder im Freien trainieren, zum Duschen derzeit nach Hause. Für die Wettkampfsaison plant der Verein, immer nur acht Spieler gleichzeitig in die Duschen zu lassen. „Aber immerhin dürfen die Jungs wieder kicken und verlieren so nicht die Lust am Sport“, versucht Simon Schneider, einer der Vorsitzenden, das Positive zu sehen.
Wieder freies Training beim BCW möglich
Im Gegensatz zum Neustart im Juni fühlen sich all die Einschränkungen, die momentan gelten, für Pascal Histel, den Vorsitzenden des BCW, allerdings kaum mehr wie solche an. Mittlerweile sei durch die große Gruppengröße wieder ein freies Training mit wechselnden Partnern möglich, was am Anfang nicht gestattet war. Damals hätten die Spieler nicht einmal ihre Feldseite verlassen dürfen. Jetzt habe sich schon eine gewisse Disziplin bei ihnen eingespielt, berichtet Histel. Die BCW-Mitglieder betreten die Halle über den Haupteingang und verlassen sie wieder über die Tür für Sportler. Ihre Netze bauen sie handschuhtragend und mit Maske vor Mund und Nase auf. Zwischen den einzelnen Gruppen werden alle Türen und Fenster aufgestellt und sie achten auf möglichst wenig Begegnungsverkehr.
„Wer sich fürs Training angemeldet hat, kommt auch“
Drei Übungseinheiten bietet der Club in der Woche an, die momentan alle in Hütschenhausen stattfinden. Üblicherweise wäre eine davon in der Wendelinus-Grundschule Ramstein, die aber sei „wegen Mangelbelegung“ in den Schulferien geschlossen worden. Zwar bedeute das Trainieren in Corona-Zeiten mehr Aufwand – zum Beispiel muss der Verein genau Buch darüber führen, wer anwesend ist, und diese Liste mit Namen und Adressen einen Monat lang aufbewahren, um sie gegebenenfalls dem Gesundheitsamt übergeben zu können –, dennoch überwiege die Lust aufs Spielen, sagt der Vorsitzende. Dass Mitglieder Angst hätten, sich beim Sporttreiben im geschlossenen Raum zu infizieren, konnte er bislang nicht beobachten. „Wer sich fürs Training angemeldet hat, kommt auch.“
Hallensportler nutzen gutes Wetter
Insgesamt aber sei die Anfrage von Vereinen für Hallenzeiten momentan nicht hoch, sagt Mathias Wittemann, der Leiter der Abteilung Schulen und Ordnung der VG Ramstein-Miesenbach. Er führt das auf den doch höheren Aufwand für die Nutzung zurück. Denn die Vereine selbst müssen ihren Beitrag zum Gelingen leisten. Jeder Club muss ein eigenes Hygienekonzept erarbeiten und einhalten. Turnvereine müssen beispielsweise selbst die Geräte desinfizieren, die sie benutzt haben, weist Harald Westrich, Bürgermeister der VG Otterbach-Otterberg, hin. Er berichtet ebenfalls von wenigen Nachfragen. „Die Vereine wissen selbst um die Probleme“, vermutet er. Außerdem nutzten viele Hallensportler noch das gute Wetter und verlegten ihre Einheiten ins Freie.
Das trifft auch auf die Zumba- sowie die Kinder- und Frauenturngruppen des SVM zu, bestätigt Simon Schneider. Sie träfen sich zurzeit vorm Sportheim beziehungsweise auf dem Schulhof in Martinshöhe. „So kommen wir halbwegs über die Runden“, sagt Schneider, „es wäre aber schon gut, wenn wir wieder in die Halle dürften.“
Kürzere Trainingszeiten wegen Hygienepuffer
Spätestens wenn die Temperaturen sinken und es in die kalte Jahreszeit geht, rechnen alle Verantwortlichen in den Rathäusern mit steigendem Interesse an Hallenzeiten. „Die Probleme gehen los ab dem 1. November“, vermutet Westrich. Dann werde sich zeigen, ob die Fußballer, Leichtathleten und Tennisspieler wieder in die Halle wollen. In Ramstein-Miesenbach gilt daher: „Wir können nicht den normalen Belegungsplan fahren“, wie Wittemann sagt. Es müsste immer ausreichend Zeit für Reinigung und Lüftung zwischen den Vereinen eingeplant werden. Erik Emich, Bürgermeister der VG Bruchmühlbach-Miesau, kann sich alternativ zum Ausdünnen des Plans auch kürzere Trainingszeiten vorstellen, um einen Hygienepuffer einzubauen.
Wie tragfähig all die Konzepte sind, wenn die Infektionszahlen wieder deutlich steigen sollten, kann im Moment noch niemand beurteilen. Dass alles noch einmal geschlossen werden muss, hofft niemand.