Ramstein-Miesenbach RHEINPFALZ Plus Artikel Kita Kinderplanet ist auch per App für Kinder und Eltern da

Nicht vor Ort, aber dennoch irgendwie zusammen: Unter anderem Videokonferenzen machen das möglich, wie Kita-Leiterin Jelena Wagn
Nicht vor Ort, aber dennoch irgendwie zusammen: Unter anderem Videokonferenzen machen das möglich, wie Kita-Leiterin Jelena Wagner zeigt.

In der Kindertagesstätte Kinderplanet in Ramstein-Miesenbach werden von 90 Kindern zurzeit maximal 30 bei dringendem Bedarf im Regelbetrieb betreut. Wie können die Erzieher Kontakt zu Eltern halten? Wie können sie die daheimgebliebenen Kinder pädagogisch fördern und in den Kita-Alltag einbeziehen? Kita-Leiterin Jelena Wagner hat Antworten gefunden.

Als Konsultationskita mit dem Schwerpunkt digitale Medien verfügt die gesamte Einrichtung über Tablets. Alle Mitarbeiter und auch die Kinder sind mit dem Umgang vertraut und nutzen die Geräte ganz selbstverständlich als Lernmittel in ihrem Alltag. Nachdem Wagner schon während des ersten Lockdowns gemerkt hatte, wie schwer es war, Eltern per Telefon, schriftlich, über Whatsapp oder per E-Mail zu erreichen und abwesende Kinder einzubinden, beschäftigte sie sich intensiv damit, diese Situation zu verbessern. Da lag es nahe, die neuen Medien dafür einzusetzen.

„Im ersten Lockdown sind Kommunikations-Apps wie Pilze aus dem Boden geschossen, aber ich hatte klare Vorstellungen“, erzählt sie von einer zeitraubenden Suche. Datenschutz war eines der großen Themen, das auch die Ablage von Dokumentationen, Arbeitsvorlagen oder Fotos nur innerhalb des eigenen Netzwerks ohne Zugriff von außen umfasste. „Ich wollte kein riesiges digitales Tor öffnen, dem man nicht mehr Herr wird“, verdeutlicht die Kita-Leiterin ihre Bedenken.

Einfache Handhabung wichtig

Wichtig war es ihr, dass sie Eltern, Kinder und ihr Team in die Kommunikation mittels App einbinden konnte und dass die Handhabung einfach und mit wenig Aufwand möglich war. Außerdem sollte eine Cloud innerhalb der App vorhanden sein, auf der Arbeitsmaterialien gespeichert werden können, sodass Eltern auf diese zugreifen können, ohne sie auf ihrem Endgerät abspeichern zu müssen. Gleichzeitig sollte diese Software eine Chatfunktion bieten, mit der Wagner Gespräche mit Eltern oder Kollegen, ob einzeln oder in der Gruppe, führen kann. Nicht zuletzt waren ein guter Support und die Kosten Entscheidungsfaktoren.

Fündig geworden ist sie letztlich bei der „sdui“-App – eine Software, die üblicherweise in Grundschulen eingesetzt wird. „Ich habe mich umfassend informiert, und sie hat allen Kriterien standgehalten“, berichtet Wagner. Sie nahm Kontakt zu dem Anbieter auf. Als eine der ersten Kitas, die diese App nutzten, durchlief der Kinderplanet ab Mai 2020 eine dreimonatige Testphase. Seitdem arbeitet die Kita damit.

„Digitale Brücke“ zu den Familien

Mittels unpersonalisierter Codes ist das Einloggen nach dem Anlegen eines Accounts möglich. Für diesen kann auch ein Fantasiename verwendet werden. Für Wagner und ihr Team tun sich mit dieser „digitalen Brücke“ vielfältige Möglichkeiten auf. Über sie können Vorschulkinder mit Arbeitsmaterialien versorgt werden, um ihre Schulreife zu fördern. „Wir hatten viele Anfragen von besorgten Eltern“, berichtet Wagner. Mit der App konnte sie ihnen eine einfache Lösung an die Hand geben.

Die Erzieherinnen laden zu Videokonferenzen ein, nehmen Filme und Audiodateien auf und leiten sie weiter. Das können die Besuche der Musiklehrerin zweimal die Woche, Malgeschichten, Lieder, naturwissenschaftliche Experimente oder Backrezepte sein. Über die jeweiligen Chatgruppen können die entsprechenden Adressaten erreicht werden. Dabei kann es sich um Kinder, Eltern oder Elternausschuss handeln. Um sicher zu gehen, dass ein Elternbrief angekommen ist, kann eine Lesebestätigung angefordert werden. Auch das Durchführen einer Umfrage ist möglich – zuletzt als es darum ging, ob Interesse an einer virtuellen Live-Fastnachtsparty in Kostümierung bestand. Auf ein begeistertes Ja folgte die Einladung mit einem fixen Termin. Auf diese Weise können auch Kinder, die seit Monaten nicht mehr in der Einrichtung waren, bei Sing- und Spielkreisen mitmachen, ihre Freunde sehen und die Gemeinschaft erleben.

82 der 90 Familien nutzen laut Wagner die „sdui“-App. Die Eltern, die nicht teilnehmen, muss sie auf den herkömmlichen Wegen erreichen. Die anderen seien technisch gut ausgestattet und verfügten über das nötige Wissen. „Wir arbeiten seit über fünf Jahren mit digitalen Medien und nehmen die Eltern mit, indem wir auch ihnen zeigen, wie sie genutzt werden.“

Kostenlose Übersetzung inklusive

Vorteile sieht die Kita-Leiterin auch darin, dass sie beispielsweise bei getrennt lebenden Elternteilen beide damit erreichen kann und dass die App auf Smartphone, Laptop, Tablet oder PC genutzt werden kann. Zudem übersetzt sie in 20 Sprachen – eine Funktion, die laut Wagner während der Pandemie kostenlos ist. Für die Nutzung der App fällt abhängig von der Dauer der Lizenz und der Größe der Einrichtung eine Gebühr an.

Da Präsenzbesuche der Konsultationskita derzeit nicht möglich sind, bietet Wagner als Leiterin Webinare für Leitungskräfte anderer Einrichtungen an. Sie sei gerne bereit, Kollegen diesbezüglich Fragen zu beantworten und die Software vorzustellen. Ihr Fazit: „Die App kann die persönliche Präsenz nicht ersetzen, aber wir können in Kontakt bleiben, um die Bindung nicht zu verlieren.“

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