Kreis Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Kaiserslautern: Kreistagsfraktionen wollen Rettungshubschrauber im Auge behalten

Steht nicht nur von der Feuerwehr, sondern auch von den Politikern im Landkreis Kaiserslautern unter Beobachtung: der ADAC-Rettu
Steht nicht nur von der Feuerwehr, sondern auch von den Politikern im Landkreis Kaiserslautern unter Beobachtung: der ADAC-Rettungshubschrauber, der seit einem guten Monat in Eßweiler (Kreis Kusel) stationiert ist. Archivfoto: m. hoffmann

Die Befürchtung von Landrat Ralf Leßmeister (CDU), dass sich die Luftversorgung im Rettungsleitbezirk Kaiserslautern mit dem in Eßweiler stationierten ADAC-Rettungshubschrauber „Christoph 66“ im Vergleich zum „Red Nose“ der Johanniter verschlechtern könnte, wird von einem großen Teil der Kreistagsfraktionen geteilt, wie die RHEINPFALZ auf Anfrage in Erfahrung gebracht hat. Ein Überblick über das derzeitige Meinungsspektrum.

Kaiserslautern. „Landrat Leßmeister befürchtet zu Recht, dass die Pfalz bei der Luftrettung zukünftig wieder schlechter dastehen wird“, sagt die FDP-Kreisvorsitzende Brigitta Röthig-Wentz. Wie der Fraktionsvorsitzende der Liberalen im Kreistag, Goswin Förster, kann sie dem neuen Standort im Kreis Kusel nicht viel Positives abgewinnen: Der Rettungshubschrauber der Johanniter sei in Sembach stationiert gewesen, damit auch die Bürger im Landkreis Kaiserslautern im Notfall besser versorgt werden konnten. „Die Häufigkeit der Einsätze belegte die Notwendigkeit.“ Dass der ADAC-Hubschrauber Einsätze bis nach Nordrhein-Westfahlen fliege, sei „nicht im Sinne des Erfinders“.

Die FDP sieht Nachteile am Standort Eßweiler

„Es drängt sich der Verdacht auf, dass in Mainz die Notwendigkeit eines Rettungshubschraubers für die Pfalz nicht erkannt wird“, so die Kreisvorsitzende. Und Goswin Förster geht noch einen Schritt weiter und fragt: „Will man den Hubschrauber nach einer Testphase wieder abziehen?“ Der neue Standort in Eßweiler verstärke bei ihm diesen Verdacht, denn die Gefahr, dass notwendige Flüge wegen Starknebel nicht durchgeführt werden könnten, sei dort eher gegeben. Der FDP-Fraktionschef findet: „Der Standort Sembach war besser und hätte dauerhaft beibehalten werden sollen.“

Ähnlich pessimistisch fällt die Bewertung der FWG-Fraktion aus: „Wie bei der Bildung großer Verwaltungseinheiten wird hier sehr deutlich, dass durch die großflächige Verteilung des ,Christoph 66’ mal wieder die Nähe zur Bevölkerung verloren geht“, kritisiert Fraktionschef Uwe Unnold. Unter der „stetigen Abwesenheit“ müssten die Patienten leiden. „Hier wird bewusst gegen das Wohl der Menschen in unserer Region gearbeitet. Die Landesregierung bekleckert sich hier nicht sonderlich mit Ruhm.“

Uwe Unnold fürchtet wie die FDP, dass mittelfristig ein Abzug des Rettungshubschraubers droht. Denn: „Wenn ein Hubschrauber in anderen Regionen unterwegs ist, kann er natürlich in unserem Bereich die Statistik nicht mehr unterstützen. Dadurch bleibt dann alles beim Alten und die Damen und Herren in Mainz haben der Bevölkerung im Landkreis Kaiserslautern einen Bärendienst erwiesen. Amtsschimmel am grünen Tisch – mehr kann man dazu nicht sagen.“

Degenhardt zuversichtlich, dass dauerhafte Stationierung erfolgt

Optimistischer gestimmt zeigt sich der CDU-Fraktionschef Peter Degenhardt: „Grundsätzlich ist es eine gute Sache, dass die Westpfalz jetzt endlich einen eigenen Rettungshubschrauber hat.“ Er sei zuversichtlich, dass das Land aufgrund der doch hohen Anzahl an Einsätzen dauerhaft der Stationierung eines Hubschraubers in der Westpfalz zustimmen werde, so der Mittelbrunner. „Alles andere wäre keine Gleichbehandlung aller Landesteile und wäre der Bevölkerung nicht zu vermitteln.“

Trotzdem begrüße es die CDU-Fraktion, „dass der Landrat ein wachsames Auge auf die tatsächliche Verfügbarkeit des ADAC-Rettungshubschraubers“ hat, denn wenn der Hubschrauber aufgrund weiter Transportflüge etwa nach Nordrhein-Westfalen längere Zeit nicht vor Ort zur Verfügung stehe, sei dies „in der Tat besorgniserregend“ und bedeute „eine klare Verschlechterung“ im Vergleich zum bisherigen Helikopter der Johanniter.

Eine Verschlechterung der Versorgung in der Region befürchtet auch Gottfried Müller, Fraktionschef der AfD im Kreistag. Auch der Schopper spricht sich für einen Dauerbetrieb aus, „um die Notfallversorgung in ausreichendem Maße zu gewährleisten, zumal der eingesetzte Hubschrauber unter anderem für Krankentransporte und Überführungen genutzt wird. Für diesen Zeitraum steht er nicht für Notfalleinsätze bereit. Somit wäre das Ziel verfehlt.“

„Für eine korrekte Bewertung der Situation ist der Beobachtungszeitraum nach unserer Ansicht zu kurz“, findet der Chef der SPD-Fraktion, Harald Westrich. „Für eine sachgerechte Bewertung bräuchten wir klare Zahlen, in welchen Fällen eine rettungsdienstliche Versorgung von Patienten wegen eines Fehlen des Rettungshubschraubers nicht gewährleistet war.“ Nach vier Wochen Betrieb schon eine Bewertung vorzunehmen, sei – wie auch Landrat Leßmeister in seiner Analyse eingeräumt habe – „noch etwas spekulativ“.

SPD: Alle Rettungshubschrauber helfen sich gegenseitig

Klar sei aber auch, dass sich die Rettungshubschrauber gegenseitig aushelfen. „Wenn ein Rettungshubschrauber in der Vorderpfalz aus irgendeinem Grund ausfällt und dort steht ein Menschenleben auf dem Spiel, ist es verständlich, dass ,Christoph 66’ auch dort eingesetzt werden muss. Bisher war die Versorgung unserer Region über die anderen Rettungsdienstbereiche abgedeckt, so dass diese Hubschrauber auch in der dortigen Region gefehlt haben.“

Die SPD-Fraktion werde daher die Situation weiter genau beobachten und hoffe, dass der Landrat dem Kreistag nachvollziehbare Zahlen zur Verfügung stellt.

Zur guten Versorgung der Bevölkerung sei der SPD aber nicht nur ein Rettungshubschrauber in der Westpfalz sehr wichtig. „Darüber hinaus brauchen wir auch den Ausbau der bodengebundenen Rettungsfahrzeuge“, betont Westrich und sieht „Schwachstellen etwa im Bereich von Niederkirchen und im Randbereich zum Kreis Kusel“.

Auf aussagekräftige Zahlen hofft auch Alexander Ulrich, Vorsitzender der Linksfraktion im Kreistag: „Es wäre wichtig zu wissen, ob und wann tatsächlich Rettungsflüge von ,Christoph 66’ nicht durchgeführt wurden und ob damit schwerwiegende Probleme für Bürgerinnen und Bürger entstanden sind.“ Der Reichenbach-Steegener will das Thema „genau im Auge behalten und auch kritisch hinterfragen“. „Ich fände es gut, wenn wir das Thema offiziell im Kreistag behandeln und die zuständigen Stellen mit den kritischen Einlassungen des Landrats konfrontieren.“

Von der Landesregierung fordert Ulrich, dass die Region über einen Dauerbetrieb bestmöglich versorgt wird. „Ich erwarte auch von den Landtagsabgeordneten unserer Region, dass sie sich In Mainz dafür einsetzen und den Druck auf die Landesregierung erhöhen.“

Relativ entspannt beobachtet Jochen Marwede aus dem Urlaub die Situation: Die Einsatzzahlen kenne er nur aus den Medien – und bei genauer Betrachtung dieser Zahlen könne er im Vergleich zwischen dem ADAC-Helikopter „Christoph 66“ und dem „Red Nose“ der Johanniter keine systematische Verschlechterung erkennen. „Sicher ist es gut und richtig, diese Zahlen im Auge zu behalten. Aber das sind die Zahlen von wenigen Wochen“, sieht der Fraktionschef von Bündnis 90/Die Grünen derzeit noch keinen Anlass zur Sorge.

„Frühere Zahlen nur bedingt mit Interimsbetrieb vergleichbar“

Zudem, so betont Marwede, seien die Einsatzzahlen und der Einsatzbereich des Johanniter-Hubschraubers nur bedingt mit denen des jetzigen Interimsbetriebs vergleichbar: Mit dem nun quasi offiziellen Status des Hubschraubers werde der ADAC-Helikopter von Rettungsleitstellen angefordert, die sich vorher zurückgehalten hätten. „Das wäre beim Hubschrauber der Johanniter nach der offiziellen Vergabe auch nicht anders gekommen!“

Der Bedarfsanalyse der Landesregierung sähen die Grünen im Landkreis daher entspannt entgegen: „Die Einsatzzahlen beider Hubschrauber sprechen für sich, ein Hubschrauber im Rettungsbezirk Kaiserslautern ist absolut sinnvoll und notwendig. Also Ruhe bewahren und weiter ein Auge drauf halten“, appelliert Marwede.

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