Weilerbach
Hilfe aus luftiger Höhe: Malteser steuern Drohne auf Rettungskurs
In der geräumigen Halle auf dem Immel glänzen Rot und Weiß: Rettungs- und Gerätewagen, Einsatzleit- und Kommandowagen, ja sogar ein neues Motorrad funkeln im Schein des Kunstlichts. Der Fuhrpark der Malteser kann sich sehen lassen. Dabei hat die Weilerbacher „Gliederung“, wie sich die örtlichen Einheiten im internen Jargon nennen, vor fünf Jahren nicht mal ein Dienstfahrrad ihr Eigen nennen dürfen. „Wir hatten dann einen Transporter. Ohne Sondersignal“, schaut Nico Mück zurück. Vorbei. Heute sind die Malteser bestens aufgestellt – und schicken seit Neuestem sogar eine Drohne gen Himmel. Das Hilfsmittel soll künftig im und auch weit über den Landkreis Kaiserslautern hinaus zum Einsatz kommen.
Der so rasch gewachsene Fuhrpark spricht Bände über die rasante Entwicklung der in Weilerbach ansässigen Truppe des Malteser Hilfsdiensts. Gefüllt hat sich die Halle in etwa in demselben Tempo, mit dem die Gliederung personell angewachsen ist und mit dem sich die Mitglieder neue Aufgaben aufgehalst haben. Der Multikopter ist der jüngste Streich – und hat intern auch den meisten Wind gemacht.
Jüngst hat der Malteser Hilfsdienst im Bistum Speyer seinen 60. Gründungstag gefeiert. Zum „Geburtstag“ hatte die Diözese einen Innovationspreis ausgeschrieben. Der erste Preis ging in die Westpfalz – nach Weilerbach. Die „Piloten“ der neu formierten Multikopter-Einheit haben sich über diese Anerkennung selbstredend gefreut. Eines zusätzlichen Motivationsschubs aber hätte es nicht mal bedurft. Ohnehin seien alle mit Feuereifer dabei: Rund 15 Mitstreiter hat Nico Mück schon um sich geschart.
Feste Größe in Schutzkonzept
Mück ist der Motor der Malteser. Als Leiter Einsatzdienst führt er die Weilerbacher an, gemeinsam mit Christine Lindner, die als gleichberechtigte Ortsbeauftragte für Weilerbach unter anderem die sozialen Dienste, die Jugendförderung und Besuchsdienste mit Hund verantwortet. Verlassen darf sich das Führungsduo auf mehr als 50 Aktive. Damit bieten die Weilerbacher mehr Leute auf als etwa die Kameraden in der Großstadt Ludwigshafen. Dabei sah das vor fünf Jahren noch ganz anders aus.
„Wir haben Erste-Hilfe-Ausbildung angeboten“ – und beim Fackellauf in Rodenbach den Sanitätsdienst übernommen. Das war’s dann aber auch im Wesentlichen, sagt Mück rückblickend. Gerade mal eine Handvoll Leute sei’s gewesen, die sich damals einbrachte, samt der passiven summierte sich die Mitgliederzahl auf 25. Und heute? Aktuell mischen 52 Aktive tatkräftig mit. Das hat neue Möglichkeiten eröffnet: So sind die Malteser inzwischen feste Größe beim Katastrophenschutz des Landkreises, stellen eine der drei Einheiten der Schnelleinsatzgruppe (SEG). 27 Personen bringen sich dort ein und kümmern sich im Falle eines Falles um die Betreuung von Betroffenen in Krisensituationen.
Neuester Coup ist die Multikopter-Staffel. Die hatte auch schon zwei Einsätze, war beide Male in Sachen Tierrettung gefragt. „Wir haben geholfen, vermisste Hunde zu suchen.“ Und sie gefunden. „Nicht mit der Drohne, sie kamen irgendwann von sich aus angelaufen. Aber vielleicht haben wir mit den Geräuschen unser Teil beigetragen“, spricht Mück amüsiert über die Premiere.
Dass Blaulicht-Organisationen die kleinen und mittlerweile so vielseitig nutzbaren Fluggeräte einsetzen, ist inzwischen gang und gäbe. Auch der Katastrophenschutz hält eine Multikoptereinheit vor. „Wir stehen dazu ja nicht in Konkurrenz“, stellt Mück klar. Vielmehr erweiterten sich die Möglichkeiten. So wie vier Augen mehr als zwei sehen, kann in bestimmten Situationen auch ein zusätzliches Kamera-Auge von oben nicht schaden.
Die Weilerbacher sehen ihre Drohne in heimischen Gefilden als nützliche Ergänzung. An Einsätzen wird es fortan ohnehin nicht mangeln. Denn im Malteser-Verbund werden die Weilerbacher künftig überall dorthin ausrücken, wo sie angefordert werden. In ganz Rheinland-Pfalz, zudem über saarländischem Terrain.
„In einer Minute in der Luft“
Der große Vorteil des kleinen Geräts: Mück öffnet den schwarzen Koffer und schraubt die Rotorblätter an. „So schnell geht das. Die ist, wenn’s darauf ankommt, in einer Minute in der Luft.“ Von oben lassen sich dann im Ernstfall die Kräfte am Boden unterstützen. Dank einer Kamera, die ihre Bilder auch auf weit entfernt stehende Rechner live übertragen kann. Dank einer Wärmebildkamera, die etwa im Wald Lebewesen aufspüren kann. Zudem ist die Kamera mit einem Suchscheinwerfer ausgestattet. Ein Lautsprecher erlaubt, die Bevölkerung zu warnen. Das Fluggerät lässt sich so programmieren, dass es Schleifen über Wohngebieten fliegt und Durchsagen stetig wiederholt. „Achtung, Achtung ...“ An denkbaren Szenarien mangelt es jedenfalls nicht.
Wie so vieles in der Halle auf dem Immel, haben sich die Weilerbacher Malteser den Multikopter selbst aus eigenen Mitteln angeschafft. Möglich waren die doch ansehnlichen Investitionen der vergangenen Jahre dank eines außergewöhnlich umfassenden Engagements: Als Corona wütete, hat die Gruppierung Testzentren aufgebaut und betrieben. Das hat personellen Zulauf beschert – und Geld in die Kasse gespült. Davon wollten die Ehrenamtler nichts abhaben, sondern es im Sinne des karitativen Gedankens sinnvoll investiert sehen. So wurde zum Beispiel ein Stromaggregat angeschafft, mit dem sich eine Notunterkunft betreiben lässt. Und eben das Fluggerät, das sich der Hilfsdienst gut 8000 Euro hat kosten lassen.
All das zahle sich aber auch aus, ist Nico Mück überzeugt. Er selbst marschiert voran. Hauptamtlich als Notfallsanitäter im Rettungsdienst, fungiert Mück als First Responder, ist „nebenbei“ auch noch mit der Feuerwehr Rodenbach einsatzbereit. Seine Mitstreiter bei den Maltesern eifern dem nach. Auch deshalb sind Aufgabenspektrum und Fuhrpark angewachsen: „Unsere Leute wollen ja beschäftigt sein“, sagt der Leiter Einsatz augenzwinkernd.
Zur Sache:
Mit mehr als einer Million Mitgliedern zählt der Malteser Hilfsdienst zu den großen karitativen Dienstleistern in Deutschland. Die katholische Hilfsorganisation ist als eingetragener Verein organisiert. Die Leistungen in hoheitlichem Auftrag – etwa im Rettungsdienst – übernimmt eine angegliederte gemeinnützige Gesellschaft. Im Landkreis Kaiserslautern stellt die Malteser gGmbH hälftig und zusammen mit der Rettungsdienst Westpfalz GmbH, die unterm Dach des DRK angesiedelt ist, den Betrieb der Rettungswache in Schwedelbach sicher. Bundesweit sind Verein und Gesellschaft der Malteser an mehr als 700 Orten vertreten.