Südpfalz
Tonnenweise Spargel vernichtet
„Wir sind gerade dabei, einen großen Teil unserer Spargelernte wegzuschmeißen“, sagt Helmut Werner vom Birkenhof in Bellheim. „Mein Großhändler nimmt fast nichts mehr ab“, so der Bio-Bauer. Früher habe der ihm 2000 bis 3000 Kilogramm in der Saison abgekauft, in diesem Jahr – die Saison ist schon halb gelaufen – bisher nur 240 Kilogramm. „Und ich glaube, das war’s dann auch“, sagt Werner, der allerdings nicht komplett schwarz malen möchte: „Grünspargel geht gut, Weißspargel schlecht.“
Sein Problem mit dem Großhändler sei vielleicht ein spezielles, meint Werner. Allerdings sagen auch die Marktfrauen, dass die Kunden weniger kaufen. Die Hintergründe seien wohl vielfältig: Die Energiepreise steigen, der Krieg in der Ukraine verunsichere die Menschen und in der Krise werde eben auch gespart.
Angebot vielleicht zu groß
Außerdem lahme nicht nur die Nachfrage, auch das Angebot sei vielleicht zu groß: „Dieses Jahr ist einfach zuviel deutscher Spargel auf dem Markt“, sagt Werner. Das vergangene Jahr sei nass gewesen und die Spargel-Pflanze sei stark gewachsen. Deshalb gebe es dieses Jahr viel und schönen Spargel. Das drücke auch den Preis: „Ich bin 20 Prozent unter dem Niveau vom letzten Jahr“, sagt Werner, der Bio-Läden beliefert.
„Die Direktvermarktung und die Abnehmer in der Gastronomie – das läuft, da gibt es wenig Veränderungen“, beginnt Michael Zapf mit der guten Nachricht. Ansonsten sei die Lage der Spargelbauern und die Stimmung unter seinen Kollegen „bescheiden“. „Wir werden drei Hektar Spargelfelder komplett zerstören, obwohl wir dort nächstes Jahr noch hätten ernten können“, sagt Zapf. Wenn die Felder umgebrochen sind, werde dort sofort noch Körnermais ausgesät. Drei Hektar, das sind fast zehn Prozent der über 30 Hektar, auf denen Zapf Spargel anbaut.
Ketten nehmen nichts ab
In den vergangenen Tagen habe er bereits rund zehn Tonnen Grünspargel zum Unterpflügen zurück auf die Felder gefahren. Der Grund: Die Ketten im Lebensmitteleinzelhandel nehmen nichts mehr ab. Von den Verkäufern höre er, dass manche Ketten ihren Grünspargel exklusiv aus Italien und Spanien beziehen, so Zapf: „Bei den Edeka-Märkten, die wir direkt beliefern, da läuft es wie immer.“
„Es ist eine Katastrophe“, sagt Christof Steegmüller (Erdbeergärten Offenbach) zur derzeitigen Situation auf dem Erdbeermarkt. Die Problematik sei ähnlich wie beim Spargel: Mitten in der Saison für deutsche Erdbeeren gebe es noch viel zu viel ausländische Ware im Lebensmitteleinzelhandel. Die Händler begründen dies laut Steegmüller damit, dass sie sich nicht darauf verlassen können, wann die deutsche Ware kommt. Weshalb sie ausländische Erdbeeren einige Wochen länger importieren.
Aber: „500 Gramm Erdbeeren aus Griechenland für 1,49 Euro mitten in der deutschen Saison – das wirft den Markt durcheinander“, sagt Steegmüller. Denn der griechische Mindestlohn liegt bei einem Drittel des deutschen, bei Beeren machen die Löhne rund 50 Prozent der Produktionskosten aus. „Da können wir nicht mithalten“, sagt Steegmüller. Die winterlichen Versprechungen des Handels an die deutschen Landwirte seien im Sommer nichts mehr wert.