Kommentar
Holocaust: „Nie wieder ist jetzt“
Der Gang zu den Stolpersteinen in der Stadt war ein Gang wider das Vergessen. Am Holocaust-Gedenktag ein gutes Zeichen. Für Germersheimer Verhältnisse waren wirklich viele Menschen unterwegs, die sich dem Aktionsbündnis der im Stadtrat vertretenen Parteien angeschlossen haben. CDU, SPD, Grüne, FWG und FDP haben dies sehr kurzfristig auf die Beine gestellt. Gemeinsam gegen Vergessen, gegen Hass, gegen Rassenwahn und zum Gedenken an die Menschen, die vom nationalsozialistischen Regime aus ihren Häusern gezerrt und in Konzentrationslager gebracht wurden. Die Folgen kennen wir alle und die sind kein Vogelschiss in der Geschichte, wie der Ehrenvorsitzender der AfD, Alexander Gauland, die NS-Zeit in die Geschichte eingeordnet hat.
Die anschließende Kundgebung der im Kreistag vertretenen Parteien am Paradeplatz war ein Zeichen für eine lebendige Demokratie. Sämtliche Redner machten mehr als deutlich, dass sie hinter der parlamentarischen Demokratie stehen und es zu Deutschland und zur seit 1945 erfolgreichen Demokratie keiner Alternative benötigt. Der Applaus der mehreren Hundert Menschen – mit und ohne Migrationshintergrund – machte dies mehr als deutlich. Auch wenn es schön gewesen wäre, wenn mehr Menschen mit Migrationshintergrund teilgenommen hätten. Denn es geht auch um ihre Zukunft.
Die Stärke der Demokratie ist, dass man miteinander spricht, sich mit Themen und unterschiedlichen Lösungsansätzen von Problemen auseinandersetzt. Einfach sind diese wahrlich nicht, auch wenn dies in sozialen Netzwerken gerne Glauben gemacht wird. Ein großes Problem, das Deutschland seit der Pandemie hat, ist, dass viele Menschen ihr Vertrauen in den Staat und die staatlichen Institutionen verloren haben. Gerade diese Verunsicherung nutzen viele nur allzu gern aus. Stellen sich selbst als Opfer dar, das vom Staat beobachtet wird und alle Medien gleichgeschaltet wären.
Gleichgeschaltet. Ja, der NS-Staat hat Partei und Staat gleichgeschaltet. Die Medien im heutigen Deutschland – ob öffentlich-rechtlich oder privat – sind bunt, haben vielfältige Meinungen. Wenn nun diese aber alle vor einer Partei warnen, deren Mitglieder bei einem Geheimtreffen über die zwanghafte Rückwanderung von Menschen mit Migrationshintergrund sprechen, sind wir eigentlich wieder am Anfang des Textes. Bei der Erinnerung, bei Flucht und gewaltsamer Vertreibung. Nie wieder ist jetzt! Ich hoffe, das zeigt sich auch bei kommenden Wahlen.
