Wörth / Germersheim RHEINPFALZ Plus Artikel Daimler und Mercedes-Benz: Ab März zwei Betriebsräte

Die Daimler- und Mercedes-Benz-Mitarbeiter in Wörth und Germersheim wählen am 8. März neue Betriebsräte. Das Bild zeigt die Mont
Die Daimler- und Mercedes-Benz-Mitarbeiter in Wörth und Germersheim wählen am 8. März neue Betriebsräte. Das Bild zeigt die Montage des eActros,

Die Aufspaltung des Daimler-Konzern in zwei Sparten hat auch Konsequenzen für die Arbeitnehmer-Vertretung. Bisher war ein Betriebsrat für beide Standorte im Kreis zuständig. Künftig haben das Global Logistik Center Germersheim und das Lastwagenwerk Wörth jeweils eigene Betriebsräte. Bedeutet diese Teilung eine Schwächung?

Seit 1. Dezember sind Lastwagen und Personenwagen mit dem Stern getrennt unterwegs: Der Daimler-Konzern wurde in zwei Sparten aufgeteilt. Seit dem gehören die beiden Daimler-Standorte im Kreis Germersheim zu verschiedenen Konzernen: Das Lastwagenwerk Wörth kann als Kernbetrieb von Daimler Trucks gelten, das Global Logistik Center wurde Mercedes Benz zugeschlagen. Damit sind die Tage des gemeinsamen Betriebsrates gezählt: Am 8. März werden in Wörth und Germersheim jeweils eigene Gremien gewählt.

Große Mehrheit für IG Metall

Im 39 Köpfe starken bisherigen Betriebsrat verfügt die IG Metall über eine große Mehrheit. Sie stellte 24 Betriebsräte. Die restlichen Sitze gingen bei den Betriebsratswahlen 2018 an kleine Gruppen und Einzelpersonen: „Interessengemeinschaft Zukunft“ (6 Sitze), „Generationen Bündnis“ (4), „Die Arbeitnehmer“ (2), „Neutrale“ (1), Christliche Gewerkschaft Metall CGM (1), „Gemeinsame Teilelogistik“ (1). Sie haben oft eine gewerkschaftskritische Grundhaltung und bevorzugen eine Organisation allein auf betrieblicher Ebene.

Für die Wahlen im März haben bisher neben der IG Metall drei Gruppierungen Listen aufgestellt, darunter das „Generationen Bündnis“ und die CGM, so Ralf Köhler, Bevollmächtigter des IG-Metall-Bezirks Landau. Allerdings sei die Frist zu Meldung von Listen noch nicht abgelaufen. Ziel der IG Metall sei, bei den Betriebsratswahlen so stark zu bleiben wie bisher. Schließlich habe die IG Metall schon 2018 zwei Sitze hinzugewonnen, und dies bei einer kleineren Gesamtzahl von Sitzen.

„Ganz klar eine Stärkung“

Insgesamt wird sich durch die Trennung die Zahl der Betriebsräte in den beiden Standorten gewaltig erhöhen: In Wörth (rund 10.000 Mitarbeiter) fallen nur 2 Sitze weg, dort wird es dann 37 Betriebsräte geben. Im Logistik-Center Germersheim werden künftig 23 Betriebsräte die Interessen der rund 3100 Mitarbeiter vertreten. „Das ist ganz klar eine Stärkung“, sagt Köhler: „Weil wir damit viel stärker auf die Bedürfnisse der Mitarbeiter an den einzelnen Standorten eingehen können.“ Einmal sei die Kapazität durch die höhere Kopfzahl viel höher, zum anderen seien die Betriebsräte durch die Konzentration auf den eigenen Standort geeint. Die Zahl der Betriebsräte ist nach der Mitarbeiterzahl gestaffelt und im Betriebsverfassungsgesetz festgelegt.

Zukunftsvereinbarungen

Beide Standorte gehen mit Zukunftsvereinbarungen auf ihre getrennten Wege. In Wörth wurde 2021 nach langem Hin und Her ein Zukunftsvertrag 2030 ausgearbeitet. Er sieht vor, dass alle mit Strom oder Wasserstoff betriebene Lastwagen im Werk Wörth produziert werden. Mitarbeiter sollen stärker qualifiziert werden, die Anzahl der Azubis wird von 88 auf 100 im Jahr erhöht. Außerdem wird die Übernahme von Leiharbeitern forciert. Zentral für die Arbeitsbedingungen sind die neuen Arbeits- und Betriebszeitregelungen. Unter anderem wurden drei feste Taktstufen vereinbart (326, 352 und 376 Fahrzeuge) und die Zahl der Samstagsschichten (6 Stunden) auf 5 pro Mitarbeiter begrenzt; möglich sind damit 14 Samstagsschichten im Jahr.

„Große Beruhigungspille“

Wie wichtig Arbeitszeitregelungen sind, hat die Reaktion auf den 6000-Euro-Jahresbonus gezeigt. Weil das Sparpaket vom Sommer 2020 noch 2021 gewirkt hat, seien „die Leute stinkig“ gewesen, so Köhler: „Es entstand der Eindruck einer Arbeitsverdichtung.“ Dazu kam ein Auf und Ab: „Mal viel Arbeit, dann wieder Stockereien und sogar Schichtabsagen.“ Letztere haben die Mitarbeiter finanziell direkt getroffen: für jede zweite abgesagte Schicht bekamen sie kein Geld. Vor diesem Hintergrund wurde der Rekordbonus auch als „große Beruhigungspille“ empfunden. Viele fragen sich, ob sie nicht besser einen Teil der Quälerei das Jahr über hätten sparen wollen, so Köhler.

Köhler hofft jetzt auf ein Ende der Lieferengpässe. Voraussichtlich noch im 1. Quartal kommen zusätzliche Samstagsschichten. Auch die geplante Nachtschicht könne dann anlaufen.

„Gute Auslastung“

Für das Logistik-Center wurde schon Ende 2020 ein Zukunftsbild bis 2027 verlängert. Die Betriebsvereinbarung sieht eine Vergrößerung der Stammbelegschaft, die Übernahme von Leiharbeitern und Investitionen in Höhe von mindestens 30 Millionen Euro vor. Die rund 200 Mitarbeiter im Werksteil in Offenbach erhalten neue Arbeitsplätze in Germersheim oder Wörth, falls ihr Standort an einen externen Betreiber übergeht. Insgesamt habe das Logistik-Center eine „gute Auslastung“, so Köhler. Die Arbeit müsste sogar mehr werden: Die Teile für die Verbrenner werden weiter umgeschlagen, die Teile für die neuen Antriebe kommen hinzu.

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