Forst / Deidesheim
Skiverband bleibt hartnäckig: Skiroller-Strecke in Deidesheim?
Bei schönem Wetter herrscht Hochbetrieb in den Wingerten: Spaziergänger, Fahrradfahrer, Segwayfahrer, Kinder auf Tretrollern tummeln sich auf den Wegen. Auch Skiroller, also Skilangläufer auf Rollen, können dort unterwegs sein. „Die Wege sind öffentlich“, betont der Deidesheimer Verbandsbürgermeister Peter Lubenau. Wer nicht motorisiert unterwegs ist, darf sie benutzen.
Allerdings: Sportveranstaltungen sind etwas Anderes. Das hat zuletzt der Skiverband Pfalz erfahren, der auf der Gemarkung Forst und Deidesheim eine 2,5 Kilometer lange Strecke ausweisen wollte für Trainingszwecke und einen einmal jährlich stattfindenden Wettbewerb. Der Gemeinderat Forst lehnte den Antrag ab – einhellig, bei zwei Enthaltungen.
Alternative Strecken prüfen
Der Skiverband will das Vorhaben indes noch nicht aufgeben. „Wir werden uns alternative Strecken überlegen und noch einmal einen Antrag bei der Verbandsgemeindeverwaltung stellen“, kündigte Vorsitzender Norbert Schied an. Schied kann die Ablehnung überhaupt nicht nachvollziehen. „Die Anzahl der Leute, die diesen Sport ausüben, ist absolut überschaubar“, sagt er. Direkt in der Region seien es „zwei Hände voll“. Und zu dem geplanten Wettbewerb kämen vielleicht 50 bis 60 Leute.
Solche Rennen habe es außerdem in der Vergangenheit bereits gegeben, betont Alfons Fürst, Vizepräsident des Skiverbands. Fürst wohnt in Forst, war auch in der Ratssitzung, in der der Antrag des Skiverbands abgelehnt wurde, und setzt nun auf eine Umsetzung der Idee in der Gemarkung Deidesheim.
Gibt es ein Sicherheitsrisiko?
Doch wie sieht es mit dem Sicherheitsrisiko aus? Die örtlichen Winzer befürchten eine „erhöhte Unfallgefahr“. Schied kontert: „Die Winzer müssen in jedem Fall auf die Sicherheit der übrigen Nutzer achten, ob sie nun zu Fuß, mit dem Fahrrad oder auf Skirollern unterwegs sind.“
In der Tat müssen Winzer aufpassen, wenn sie mit ihren Fahrzeugen und Maschinen aus den Zeilen herausfahren und auf die Wirtschaftswege kommen, erklärt Lubenau. „Wichtig ist die gegenseitige Rücksichtnahme“, erklärt er. Das Problem sei, dass die Anzahl der Nutzer und die Art der Nutzungen auf den Weinbergswegen zugenommen habe. Von daher hat er Verständnis für die Ängste der Winzer.
Klar sei: Die Pflege der Wingertwege werde „in der Regel“ nicht aus Steuermitteln, sondern über Wegeausbeiträge finanziert. Die zahlten die Grundstückseigentümer, meist also die Winzer. Darüber hinaus leiste die Jagdgenossenschaft einen freiwilligen Beitrag. Die politische Gemeinde dagegen, die Eigentümerin der Wege ist, beteilige sich nur in besonderen Situationen. „Beispielsweise wenn es um eine aufwendige Kreuzung geht“, sagt Lubenau. Oder bei dem Ausbau der barrierefreien Radwege.
„Ein Geben und Nehmen“
Was sagt der Kreisverband der Bauern- und Winzerschaft zu dem Nutzungskonflikt? Walter Wolf, Kreisvorsitzender aus Bad Dürkheim, bleibt gelassen. Die meisten gefährlichen Situationen, die er erlebt habe, seien mit Autos gewesen, die dort gar nicht zugelassen seien. Besonders aufpassen müssten die Winzer außerdem, wenn radfahrende Schüler in Gruppen nach Schulende auf den Wegen unterwegs seien. „Das weiß man aber, und dann fährt man halt um 13 Uhr nicht raus“, sagt Wolf. Auch die Weinbergsnächte in Bad Dürkheim stellten eine Einschränkung für die Winzer da, schließlich würden schon Tage zuvor Stände aufgebaut und Kabel verlegt. Für Wolf ist das aber kein Problem. „Das ist ein Geben und Nehmen“, betont er.
Einwurf: Ein Kompromiss ist möglich
Weinbergswege dienen in erster Linie der Bewirtschaftung der Weinberge. Das sicher zu stellen, muss Aufgabe der Gemeinden sein, die in der Regel die Eigentümer der Wege sind. Das bedeutet nicht, dass die Wege nicht auch von Spaziergängern, Radfahrern – oder Skirollersportlern genutzt werden können. Aber es setzt Prioritäten fest.
In aller Regel funktioniert das Miteinander recht gut. Doch bei der Art der Wegenutzung gibt es neue Entwicklungen – E-Bikes und Segways sind nur zwei Beispiele. Der Skirollersport, an dem sich die Diskussion in Forst nun aufgehängt hat, ist eigentlich ein Randproblem. Da geht es um eine Handvoll Sportler. Ein Kompromiss müsste möglich sein: Der Skiverband könnte auf eine Ausweisung der Strecke verzichten, die Winzerschaft dafür eine einmalige Veranstaltung akzeptieren.