Wachenheim
Als sich ein Geschäft ans andere reihte
„Wo bin ich als Kind die Milch holen gegangen oder Brot, wo wurden unsere Schuhe zur Reparatur gebracht, wo gab es eine extra Süßigkeit für uns Kinder, wofür haben wir unser Taschengeld ausgegeben?“ Die Wachenheimerin Helge Kranz denkt zurück an die Zeit, als sich im Ortskern ein Geschäft an das andere reihte und es an der Ecke Wein- und Bürklin-Wolf-Straße eine Gendarmerie gab. Kranz' eigene Familien- und Firmengeschichte lieferte ihr die Inspiration für das Projekt.
Geplant hat sie die Erstellung einer Webseite, auf der auf einem Stadtplan Gebäude im jetzigen Zustand hinterlegt sind, kombiniert mit Bildern aus deren Vergangenheit als Geschäftshaus inklusive Kurzporträts der damaligen Inhaber. Sie möchte die Inhalte außerdem auch in einer Broschüre festhalten und Stadtrundgänge unter dem Motto „Ehemalige Wachenheimer Geschäftshäuser“ anbieten.
Erinnerung an den legendären Thing-Club
Helge Kranz, die früher Geschäftsführerin einer PR- und Event-Managementfirma war und heute im Ruhestand ist, wohnt seit 35 Jahren in dem Haus ihrer Großeltern in der Weinstraße mit dem Schriftzug „Franz Scharfenberger – Landmaschinen“ auf der Fassade. Hier beziehungsweise in der benachbarten Mühlgasse legten ihre Großeltern mit einer Schlosserei den Grundstein für einen Betrieb, der heute nach 90 Jahren ein weltweit agierendes Unternehmen ist, mittlerweile aber mit Sitz in Bad Dürkheim.
Ihr Taschengeld hat sie als Kind meistens im Kiosk von Hannes Vogt, eines kleinwüchsigen Mannes, gelassen, der auf einem Schemel stehend seine Kunden bediente, erinnert sich Kranz. Der Kiosk stand in der Burgstraße direkt an der St. Georgskirche an der Stelle, an der heute Behindertenparkplätze sind. Es gab vier Bäckereien, drei Metzgereien, fünf Friseure, drei Gärtnereien, drei Schuhmacherwerkstätten, ein Schuhgeschäft, eine Sattlerei, einen Schneidermeister, zwei Bekleidungshäuser, eine Drogerie und sechs Lebensmittelgeschäfte.
Sogar ein Kino hatte Wachenheim und den legendären Thing-Club in der Weinstraße nahe der Tankstelle. Wachenheimer, die heute um die 70 Jahre alt sind, werden sich sicher gerne an diese Stätte ihrer Jugend zurückerinnern. Der Thing-Club war eine Art Diskotheken-Vorläufer.
Manches ist lange erhalten geblieben: Auf einem Plakat anlässlich der Geschäftseröffnung des Textilhauses Hans Dieffenbach 1951 in der „Pfälzer Weinstraße 59“ ist beispielsweise gut zu erkennen, dass sich an der Hausfassade ganz wenig verändert hat. Textil Glaser war in der Weinstraße 37 zu Hause, bis vor Kurzem war das Gebäude noch das Domizil der Burg-Apotheke – aber auch das ist jetzt schon wieder Vergangenheit.
Im Moment ist Helge Kranz noch damit beschäftigt, Material und Presseberichte, Anzeigen und vor allen Dingen alte Fotos zu sammeln und zu sichten. Eile ist geboten, denn es gibt nicht mehr allzu viele Zeitzeugen, die noch etwas zu dem Thema beitragen können.
Weitere Bilder und Infos gesucht
Parallel zu den alten Fotos macht die Wachenheimerin Aufnahmen vom aktuellen Aussehen der Gebäude. Interessant findet sie , dass bei ganz vielen der heutigen Wohnhäuser noch die ehemaligen Ladeneingänge zu erkennen sind. Aber auch das wird im Zuge von Renovierungen immer mehr aus dem Stadtbild verschwinden, schätzt Kranz. Vielleicht findet der eine oder andere noch Bildmaterial und hat Wissen, das er Helge Kranz zur Verfügung stellen könnte. So hofft sie auf weiteres Material für ihr Projekt.
Kontakt
Helge Kranz, Telefon 06322 989645 (Anrufbeantworter) oder per E-Mail an helgekranz@web.de.