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Freitag, 31. Mai 2019 Drucken

Kirchheimbolanden

Wälder am Donnersberg sind akut gefährdet

Von Thomas Behnke

Viele Eichen stehen noch im toten Laub des Vorjahres und zeigen keine oder nur spärlich neue Triebe.

Viele Eichen stehen noch im toten Laub des Vorjahres und zeigen keine oder nur spärlich neue Triebe. ( Foto: BEHNKE)

Am Spendelrücken sind die vielen toten Baumkronen, die das Grün durchziehen, nicht zu übersehen.

Am Spendelrücken sind die vielen toten Baumkronen, die das Grün durchziehen, nicht zu übersehen. ( Foto: TEUBER)

Förster Teuber richtet besorgte Blicke auf sterbende oder schon abgestorbene Bäume, insbesondere eigentlich sehr resistente Kiefern.

Förster Teuber richtet besorgte Blicke auf sterbende oder schon abgestorbene Bäume, insbesondere eigentlich sehr resistente Kiefern. ( Foto: BEHNKE)

Von „apokalyptischen Bildern“ spricht Förster Martin Teuber. Das Drama verschließt sich auch dem ungeschulten Blick des Laien nicht: Hier, am Südhang des Donnersberges, entwickelt sich der Wald allmählich zu einem Baumfriedhof. Die Rekordtrockenheit des letzten Jahres hat vielen Bäumen hier den Todesstoß gegeben.

Die Folgen des letzten Jahres werde man sehen, wenn im Frühjahr die Bäume wieder austreiben. Das hatte vor einigen Monaten Forstamtsleiter Lothar Runge in seiner Bilanz der Rekordtrockenheit 2018 düster prophezeit. Hier, am Hang oberhalb des Spendeltals, kann man diese Folgen in Augenschein nehmen. „Das ist erschreckend“, kommentiert Teuber, als Revierförster zuständig für den Donnersberg, die Entwicklung. Was ihn dabei besonders beunruhigt: „Es sind Eichen, Schwarzkiefern, Douglasien, die hier kaputtgehen. Das sind Trockenbaumarten!“ Für die Forstleute wird es da knifflig, denn: Worauf soll man bei der weiteren Waldentwicklung setzen?

Von frischen Trieben keine Spur

Die steilen, karstigen Südhänge sind zwar die schlechtesten Standorte, die der Donnersberg zu bieten hat. Gleichwohl habe er erwartet, dass diese Baumarten das überstehen können, so Teuber. Ein gravierendes wirtschaftliches Problem sei das an dieser Stelle indes nicht. „Hier geht es nicht um Forstwirtschaft, hier geht es schlicht um Walderhaltung“, so Teuber während der Fahrt Richtung Steinbach.

Der Blick in die Kronen ist in der Tat beunruhigend. Viele Eichen tragen noch das silbrig-braune, ausgebleichte alte Laubwerk vom Vorjahr, das die Bäume im Herbst schon nicht mehr abwerfen konnten. Von frischen Trieben keine Spur. Dazwischen Bäume, deren Zweige nur dünn mit Trieben besetzt sind, die Spitzen der Zweige sind kahl. Kiefern stehen schon ganz in Braun und Grau – die Schwarzkiefer, merkt Teuber hier an, sei eigentlich eine im Mittelmeerraum heimische und an sich anspruchslose Baumart. „50 Prozent der Bäume hier sind tot oder im Absterben“, so Teubers düstere Einschätzung zu dem Gesamtbild, das sich ihm in dieser Waldabteilung bietet.

"Klimawandel ist ein zu schwaches Wort"

„So funktioniert das nicht mehr“, bewertet der Förster den Baumartenmix an dieser Stelle. Ein ernüchternder Befund, handelt es sich doch um Gewächse, denen man Resistenz gegenüber den klimatischen Veränderungen zutraut. Teuber spricht von einem „Variantenstudio“, das man hier einrichten müsste, um Erfahrungen mit alternativen Baumarten machen zu können. Er denkt beispielsweise an die Zerreiche, die in Ungarn verbreitet sei und gut mit dem dortigen trockenen Kontinentalklima zurecht komme. Ganz gut komme offenkundig auch der französische Ahorn hier zurecht, von dem Teuber auf einige in vollem Grün stehende Exemplare hier am Südhang verweist. Wichtig sei aber, ein möglichst breites Spektrum zu haben, auf möglichst viele Baumarten zu setzen, weil man nicht wissen könne, wo genau die Reise hingehe. „Wir müssen uns jetzt was überlegen, wie wir uns aufstellen“, sagt er auch mit Blick auf die sehr langfristigen Planungshorizonte im Wald. Da gehe es um Jahrzehnte.

Klimawandel, grübelt Teuber bei der Weiterfahrt, sei eigentlich ein viel zu schwaches Wort. Man müsse schon von einer Klimakatastrophe reden. Unten am Keltengarten stoppt er nochmal seinen Wagen und weist von unten auf den Bergrücken. Das saftige Grüne, das ihn überzieht, kann die grauen Stellen, die toten Kronen nicht verbergen, die wie faule Stellen das Grün durchziehen. Am Waltharifelsen prägen abgestorbene Eschen das Bild – der Ausfall der Esche, der von einem Pilz und nicht von der Trockenzeit rührt, sei umso mehr zu bedauern, als gerade sie als klimastabile Baumart eine wertvolle Alternative gewesen wäre. Das Eschensterben, gegen das noch kein Kraut gewachsen ist, lässt diese Alternative nun nicht mehr zu. Selbst absterbende Buchen fallen dem Förster auf unterhalb des Dannenfelser Sportplatzes am Straßenrand.

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