Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Wie ein ruhiges Dorf in der Stadt kommt die Karl-Pfaff-Siedlung daher

In den fünfziger Jahren wurde die Karl-Pfaff-Siedlung für Mitarbeiter der bekannten Nähmaschinenfabrik gebaut.
In den fünfziger Jahren wurde die Karl-Pfaff-Siedlung für Mitarbeiter der bekannten Nähmaschinenfabrik gebaut.

Stadtspaziergang: Wer die Hohenecker Straße vorbeifährt, um entweder zum Einkaufen zu fahren oder ins Uni-Gebiet abbiegen will, der rauscht achtlos vorüber. Doch neben der Straße verbirgt sich ein interessantes Wohngebiet, das fast wie eine Ferienanlage oder ein Dorf anmutet: die Karl-Pfaff-Siedlung.

In den fünfziger Jahren wurde sie für Mitarbeiter der bekannten Nähmaschinenfabrik gebaut, heute wohnen dort nur noch wenige aus der ersten Generation. Immerhin schon 26 Jahre lebt hier Ralph Gmeiner, der sich auch im Bürgerverein engagiert. „Meine Frau ist hier geboren“, schildert er, wie sie ihr Domizil in der Karl-Pfaff-Siedlung fanden. Wobei: Anfangs wollte der 61-Jährige nicht so recht, sah das Ganze nur als Übergangslösung an. Doch: „Nach einem halben Jahr war ich überzeugt“, erinnert sich Gmeiner. Denn die Nachbarschaft und das gute Miteinander gefallen ihm. Auch wenn es lange dauerte, bis sie die Genehmigung hatten, das Haus der Großmutter zu einem den heutigen Ansprüchen genügenden Domizil umbauen zu können.

Es gibt nur einen Straßennamen

Die typischen Siedlungshäuser nämlich, die sind nur 80 bis 90 Quadratmeter groß, haben vier bis fünf Zimmer. Meistens sind es versetzte Reihenhäuser, eine Garagenreihe außerhalb diente auch als Schuppen. Verschiedene Haustypen gibt es hier, je nach Bauabschnitt. Eines haben sie aber alle gemeinsam: Es gibt nur einen Straßennamen, nämlich Karl-Pfaff-Siedlung. Immer am Eingang zu den einzelnen Abzweigen stehen unter dem Schild die einzelnen Hausnummern. Dass die nicht in der üblichen Reihenfolge sind, verwirrt nicht nur Besucher, sondern auch manchen Taxi- oder Krankenwagenfahrer.

Mehr zum Thema

Kaiserslautern

Karl-Pfaff-Siedlung

Adolf Klink, ein langjähriger Bewohner, hat im jüngsten „Bännjerrückboten“ vom Juni, der Stadtteilzeitung des Bürgervereins, beschrieben, dass die Nummerierung im „Schneckennudelverfahren“ erfolgte. Die Hausnummern beginnen bei eins und winden sich im Zickzack-Verfahren die Straße entlang, was bedeutet, dass eine ungerade Nummer einer geraden gegenüber liegt. Die Straße beschreibt ein Oval und endet dann wieder bei Hausnummer eins.

Es gibt keine Durchgangsstraße

„Viele Leute sind hier sehr alt geworden“, weiß Ralph Gmeiner. Doch von den ursprünglichen Bewohnern seien nur noch zwei da. Manchem Haus sieht man an, ob es von den Eigentümern, neuen Käufern oder Mietern bewohnt wird. Da es keine Durchgangsstraße gibt, ist es hier sehr ruhig. Und wenn ein Fremder oder ein Auto auftaucht, das hier noch nie gesehen wurde, bemerkt es garantiert einer der Nachbarn – soziale Kontrolle in ihrer besten Form.

Die 250 bis 400 Quadratmeter großen Grundstücke haben die damaligen Bauherren in Erbpacht bekommen – und es sei damals festgelegt worden, dass es auch keine Preissteigerung gibt, weiß Gmeiner. Eine Regelung, von der heutige Hausinteressenten nur träumen können. Später konnten die Grundstücke von den Besitzern erworben werden. Als die Pfaff-Gesellschaft aufgelöst wurde, seien auch die letzten freien Grundstücke aufgekauft worden.

Beim gemeinsamen Gang mit Gmeiners Hündin Lotte durch die Gässchen und Stichstraßen fällt nicht nur das viele Grün rund um die Häuser auf, es ist auch sehr still. „Lärm haben wir nur vom Guss-Werk, und die arbeiten 24 Stunden sechs Tage in der Woche“, schildert Gmeiner. Sein direkter Nachbar war früher der bekannte Schiedsrichter Albert Dusch. „Da saß auch schon mal Fritz Walter im Garten“, weiß er.

Zu Fuß in 20 Minuten in der Innenstadt

Die Anwohner schätzen die kurzen Wege in der Siedlung, da man bis zur Tür fahren kann. Praktisch ist, dass ein Wasgau-Markt direkt nebenan ist, auf der anderen Seite ein Baumarkt liegt. Auch dass die Fußgängerbrücke über die Brandenburger Straße wieder geöffnet werden soll, wenn das Pfaff-Gelände neu gestaltet wird, freut viele. „Dann ist man in 20 Minuten zu Fuß in der Innenstadt.“

Zur guten Infrastruktur gehört neben den beiden Bushaltestellen auch der Bahnhaltepunkt Galgenschanze, der mitten in der Siedlung liegt. Jede Stunde fährt ein Zug – entweder Richtung Hauptbahnhof oder auf der Biebermühlbahn Richtung Pirmasens.

Eugen Schäfer ist bei unserem Spaziergang gerade draußen in seinem gepflegten Garten beim Werkeln. Der 84-jährige hat bei Pfaff gelernt, wie er erzählt, später sei er zum Verkaufsexperten avanciert. Er erinnert sich noch an Schuhmessen in Pirmasens und wie er Kataloge erstellte, die in fünf Sprachen übersetzt wurden. Seit 1968 wohnt er in der Karl-Pfaff-Siedlung, besonders schätzt er es, abends auf der Terrasse die Natur zu genießen.

Ein großer Pluspunkt ist die Lage

Im oberen Teil der Siedlung stehen größere Häuser, teils drei Einheiten zusammengebaut. „Die Immobilien hier sind in den vergangenen Jahren enorm an Wert gestiegen“, weiß Gmeiner. Wenn heute ein Haus verkauft werde, sei es meist noch im Originalzustand, trotzdem würden hohe Preise erzielt. Ein großer Pluspunkt ist die Lage: Stadtnah und nah am Wald, aber trotzdem so ruhig, dass man sich wie in einem Dorf fühlt oder einer Ferienanlage. Das hat beispielsweise auch ein junges Paar überzeugt, das gerade ein altes Haus übernommen hat und aufwendig um- und ausbaut.

Ralph Gmeiner engagiert sich seit Jahren beim Bürgerverein Bännjerrück/Karl-Pfaff-Siedlung, der im Rahmen des EU-Projektes „Cities in Balance – Städte im Gleichgewicht“ entstanden ist. Vorsitzender Helmut Schmidt sei die „Seele des Vereins“. Gmeiner schreibt nicht nur für den vierteljährlich erscheinenden „Bännjerrückboten“, den der Verein herausgibt, er trägt ihn in der Siedlung auch aus. „Wenn er nicht pünktlich kommt, fragen die Leute nach, wo er denn bleibt.“

Etwas anders: Am Eingang zu den einzelnen Abzweigen stehen unter dem Schild die einzelnen Hausnummern.
Etwas anders: Am Eingang zu den einzelnen Abzweigen stehen unter dem Schild die einzelnen Hausnummern.
kai_stadtspaziergang_karl_pfaff_siedlung_ngen
x