Fragen und Antworten RHEINPFALZ Plus Artikel Westpfalz bei Kaufkraft unter Bundesschnitt

Die größeren Westpfälzer Kommunen liegen bei der Pro-Kopf-Kaufkraft unter dem Bundesschnitt.
Die größeren Westpfälzer Kommunen liegen bei der Pro-Kopf-Kaufkraft unter dem Bundesschnitt.

Die Kaufkraft gibt an, was die Menschen für Lebensunterhalt und Konsum in der Tasche haben. Die Kommunen in der Westpfalz liegen unter dem deutschen Durchschnitt, wie die Kaufkraftstudie der Gesellschaft für Konsumforschung zeigt. Es gibt aber auch einige Ausreißer nach oben.

Was versteht man unter Kaufkraft?
Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK), ein deutsches Marktforschungsinstitut mit Sitz in Nürnberg, definiert die Kaufkraft für ihre Studie als die Summe aller Nettoeinkünfte der Bevölkerung, bezogen auf den Wohnort. Neben dem Nettoeinkommen aus selbstständiger und nichtselbstständiger Arbeit werden ebenso Kapitaleinkünfte und staatliche Transferzahlungen hinzugerechnet, so die GfK. Von diesem verfügbaren Einkommen seien allerdings noch keine Ausgaben für Lebenshaltungskosten, Versicherungen, Miete und Nebenkosten abgezogen.

Wie ermittelt die GfK die Kaufkraft?
Die GfK ermittelt alljährlich die Kaufkraft der Einwohner aller deutschen Kommunen. Sie stützt sich dabei auf amtliche Lohn- und Einkommenssteuerstatistiken, die auf Daten der Finanzämter beruhen. Aus diesen Statistiken ermittelt die Gesellschaft das Nettoeinkommen. Zusätzlich werden laut GfK auch Transferzahlungen berücksichtigt, beispielsweise Renten, Pensionen, Arbeitslosengeld I und II, Wohn-, Kinder- und Elterngeld sowie Bafög. Angehäuftes Vermögen fließt dagegen nicht in die Kaufkraft ein. Wie die GfK mitteilt, werden die Einkommen von Höchstverdienern, „die einen Grenzwert von 500.000 Euro (netto circa 300.000 Euro) überschreiten, herausgerechnet, um Verfälschungen der Kaufkraftwerte zu vermeiden“.

Was besagt die Kaufkraft pro Kopf?
Die Pro-Kopf-Kaufkraft gibt an, was Einwohner eines Landes, einer Region oder einer Kommune – je nach dem, auf welchen Bereich der Wert heruntergebrochen wird – pro Jahr durchschnittlich für den Lebensunterhalt und den Konsum ausgeben können. Wird sie auf kommunale Ebene heruntergebrochen, kann gegenübergestellt werden, wie gut es finanziell Einwohnern eines Ortes im Vergleich zu Einwohnern eines anderen Ortes geht – durchschnittlich wohlgemerkt. Denn der Wert lässt keinen Rückschluss darauf zu, wie viel einzelne Einwohner individuell pro Jahr zur Verfügung haben. Gleiches gilt für die Finanzlage einer Kommune. Auch wenn die Gemeindekasse leer ist, können die Einwohner eines Ortes gemessen an der durchschnittlichen Kaufkraft gut dastehen.

Was ist der Kaufkraftindex?
Um die durchschnittliche Kaufkraft der Einwohner bestimmter Kommunen oder auch Bundesländer leichter miteinander vergleichen zu können, wird der deutsche Durchschnitt mit dem Index 100 angegeben. Wird der Kaufkraftindex einer Kommune beispielsweise mit 95 beziffert, liegt die Kaufkraft der Einwohner im entsprechenden Ort fünf Prozent unter dem Bundesschnitt.

Wie steht es um die Kaufkraft in der Westpfalz?
Die GfK gibt das durchschnittliche verfügbare Nettoeinkommen der Deutschen für 2023 mit 26.271 Euro pro Kopf an (Kaufkraftindex 100). Rheinland-Pfalz (97,9) liegt wie elf weitere Bundesländer darunter. Nur Bayern, Baden-Württemberg, Hamburg und Hessen schneiden besser ab als der Schnitt. Spitzenreiter ist Bayern mit einer Pro-Kopf-Kaufkraft von 28.453 Euro.

Unter dem Bundesschnitt liegen auch die kreisfreien Städte und Kreise der Westpfalz. Mit einem Kaufkraftindex von 95,2 schneidet der Donnersbergkreis noch am besten ab, gefolgt von der Südwestpfalz (94,9) sowie den Kreisen Kaiserslautern (92,9) und Kusel (89,5). Bei den Städten liegt Zweibrücken (91,4) vor Kaiserslautern (88) und Pirmasens (83,7). Der Rhein-Pfalz-Kreis (114,5), der Kreis Bad Dürkheim (111) und Neustadt (108) sind dagegen Spitzenreiter in der Pfalz.

Im Gegensatz zu größeren Kommunen und Sitzgemeinden der Verbandsgemeinden in der Westpfalz. In Enkenbach-Alsenborn liegt die Pro-Kopf-Kaufkraft der Einwohner mit 25.561 Euro nur 157 Euro unterm Landesschnitt, Waldmohr (24.179 Euro) und Rockenhausen (24.160 Euro) liegen etwa im Mittelfeld der größeren Westpfälzer Kommunen, Bruchmühlbach-Miesau (21.102) und Kusel (20.755 Euro) dagegen deutlich unter dem Bundesschnitt.

Was nicht heißt, dass es in der Westpfalz keine Ausreißer nach oben gibt. Im Donnersbergkreis liegt der Kaufkraftindex von 21 Kommunen über dem Bundesschnitt, am deutlichsten der der kleinen Gemeinden Mörsfeld (123,8), Rittersheim (123,7) und Bennhausen (119). Im Kreis Kaiserslautern sind es zehn Gemeinden: Stelzenberg (108,1), Trippstadt (107,2), Gerhardsbrunn (106,7), Krickenbach und Erzenhausen (beide 103,1), Rodenbach (102,8), Heiligenmoschel (102,6), Langwieden (101,6), Mackenbach (101,4) und Schopp (100,5). Im Landkreis Kusel rangieren vier Gemeinden über dem Bundesschnitt: Merzweiler (104,3), Etschberg (101,8), Glan-Münchweiler (101,7) und Blaubach (100,3). Allerdings gibt es in den drei Kreisen auch Orte, die 20 Prozent oder mehr unter dem deutschen Durchschnitt liegen. Im Kreis Kaiserslautern beispielsweise Bruchmühlbach-Miesau (80,3), im Donnersbergkreis Reichsthal (75,1) und im Landkreis Kusel die Kreisstadt Kusel (79), Erdesbach und Cronenberg (beide 78,2), Welchweiler (75), Elzweiler (73,6) und Rathsweiler (72,5).

Eulenbis (Kreis Kaiserslautern) und Ilbesheim (Donnersbergkreis) liegen mit einem Kaufkraftindex von 100 im Bundesschnitt.

kaufkraft 2023_westpfalz
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