Kaiserslautern
Verantwortliche sehen keine Chance für Erhalt der Pfaff-Gießerei
„Haben die Verantwortlichen in Stadtverwaltung und Stadtpolitik aus dem Debakel um den illegalen Teilabriss der Hussong-Sanitätskolonne vor zwei Jahren nichts gelernt?“, fragen die Initiatoren der Forderung eines „Abriss-Moratoriums“ für die Pfaff-Gießerei. Damals wurde ein Großteil des DRK-Gebäudes in der Augustastraße abgerissen, bis die öffentliche Empörung über den Umgang mit dem Bau des berühmten Architekten Hermann Hussong dafür sorgte, dass die Bagger zurückgezogen wurden.
„Wir fordern ja gar nicht den Erhalt der Gießerei, sondern nur ein Moratorium, also noch einmal die Argumente für und wider abzuwägen, bevor vorschnell abgerissen wird“, betont Karl-Ludwig Kusche von der PESG im Gespräch mit der RHEINPFALZ. Denn die Initiative habe „aus verlässlichen Quellen“ erfahren, dass der Abriss im Oktober vonstatten gehen soll. Und dass auf die per Mail verschickte Forderung an Stadt und PEG kein Dementi dazu kam, „ist eine klare Aussage“, schließt Kusche.
Nur zwei Bauten auf dem Pfaff-Areal stehen unter Denkmalschutz: die Pforte und das neue Verwaltungsgebäude, in das ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) einziehen wird. Vier weitere Gebäude sollen erhalten bleiben, lautet die Planung: die Kantine, das Hansagebäude, das alte Verwaltungsgebäude und das Kesselhaus samt Schornstein, „sowie ein paar Reliefs an verschiedenen Häusern in der Albert-Schweitzer-Straße“, ergänzt Rainer Grüner, Geschäftsführer der PEG.
„Gießerei ist DNA des Pfaff-Geländes“
Dass die alte Gießerei nicht einmal als erhaltenswürdig eingestuft wurde, sieht die PESG als Fehler. „Sie ist die DNA des Pfaff-Geländes“, sagt Kusche. Sie und das Kesselhaus waren die ersten Gebäude auf dem Areal, „um sie zu bauen, zog Pfaff aus dem Musikerviertel hinaus an den Standort“, ordnet Kusche die Bedeutung ein. Sowohl für die Historie von Pfaff als auch für die Historie von Kaiserslautern und der Westpfalz sei die Gießerei von Bedeutung – zwei wesentliche Kriterien eines Denkmals laut Kusche.
Als Nutzung kann er sich eine sogenannte „Haus-in-Haus-Lösung“ vorstellen, also Container, die in die Halle gestellt werden, wie im Alten Schlachthof in Karlsruhe. „Das kann eine Zwischen- oder Nachnutzung sein.“ Dass das Gebäude tatsächlich mit Schadstoffen belastet sei, bezweifelt Kusche. „Der Untergrund ja. Aber in der Gießerei wurde ja nicht mit Chemie hantiert“, weshalb er eine Belastung des Gemäuers nicht für glaubhaft hält.
Zudem kritisiert die PESG, dass nun diskutiert wird, die Qualitätskriterien herunterzuschrauben, weil die Vermarktung schwierig ist. „Soll es jetzt der erstbeste Investor kriegen?“, fragt Kusche. Er plädiert für Konzeptvorgaben, um eine gewisse Qualität zu halten, und würde gern „ein Workshop, ein Symposium“ dazu machen.
PEG-Geschäftsführer Grüner bestätigt, dass der Abriss der Gießerei „noch in diesem Jahr“ erfolgen soll, aber „im Oktober wohl nicht“. Auf die Moratoriums-Forderung habe er in der vergangenen Woche reagiert, er stehe mit der PESG in Kontakt. „Vor zehn Jahren hätte ich es gut gefunden“, lautet seine Reaktion auf den Wunsch der PESG. Aber nach einem langen, demokratischen Beteiligungsprozess sei diese Entscheidung gefallen, „mit Bürgerbeteiligung, Gestaltungsbeirat ...“, zählt er auf. Da er damals noch nicht in der PEG-Position gewesen ist, wisse er „nicht, warum man sich damals gegen den Erhalt entschieden hat“, doch dies müsse man nun respektieren.
Sehr wohl sei das Gemäuer belastet, widerspricht er Kusche, „die Fensterrahmen, die Bodenplatte, das Dach“. Die Schadstoffe würden mit dem Abriss entfernt und der Boden versiegelt, eine Sanierung würde hingegen viel mehr Geld kosten. Außerdem würden die Flächen nicht nur benötigt, sondern „es gibt inzwischen neue Besitzer, die Investoren – die würden uns was erzählen, wenn wir die Pläne nun ändern würden“.
Kimmel: Gehofft, den Abriss abwenden zu können
Nicht kalt gelassen hat die Moratoriums-Forderung die neue Oberbürgermeisterin Beate Kimmel (SPD), wie sie schildert. „Ich gebe zu, ich bin eine Industrie-Romantikerin“, und „war in Versuchung, mich zwischen die Räder zu werfen“, als der Wunsch kam, den Abriss zu überdenken. „Ist das fahrlässig, bequem, oder tatsächlich notwendig?“, waren die Fragen, die sie sich stellte – vor allem vor dem Hintergrund, dass Kaiserslautern vorgeworfen werde, „nicht sehr sensibel mit Bausubstanz umzugehen“. Sie „hatte gehofft, dass wir den Abriss abwenden können“, aber nach etlichen Gesprächen ist sie nun zu dem Ergebnis gekommen: „Das ist völlig undenkbar.“ Nachdem die Gießerei zehn Jahre brach gelegen habe, sei sie nicht mehr zu retten.
Ein langer Abwägungsprozess damals habe eine „legitimierte, stabile Entscheidung“ hervorgebracht, mit einem rechtsgültigen Bebauungsplan, und dies gelte es nun zu respektieren, meint auch sie. „Teile des Geländes sind schon veräußert worden“ und die Eigentümer erwarteten, dass Zuwege geschaffen werden. „Ich hoffe, dass wir es atmosphärisch erhalten können.“
Auch Tobias Wiesemann, Fraktionsvorsitzender der Grünen und Mitglied im PEG-Aufsichtsrat, sieht den Zug abgefahren und verweist auf den langen Beteiligungsprozess: „Es wäre ein Schlag ins Gesicht der vielen engagierten Bürger, wenn wir deren Entscheidung nicht akzeptieren; das wäre undemokratisch“, sagt er deutlich.
So geht er sogar noch weiter als Grüner und Kimmel: „Wir brauchen die Flächen, es wäre unvermittelbar, wenn wir sie brach liegen ließen.“ Zwar sei die Gießerei erhaltenswürdig, gibt der Architekt zu, aber das sei „unbezahlbar“ für die Stadt. Und so gelte es abzuwägen, wo die Stadt das Geld dringender brauche. „Hätten wir das Geld, wäre es eine ganz andere Ausgangslage.“
Und so warnt Wiesemann sogar davor, das Paket noch einmal aufzuschnüren und den Bebauungsplan womöglich erneut aufzurollen. „Das birgt die Gefahr, dass aufgrund der Finanzlage jetzt sogar die Gebäude, die damals als erhaltenswürdig eingestuft würden, rausfallen könnten!“
