Kaiserslautern
Symphonisches Blasorchester: Uraufführung von „Energetica“
„Wir wollten uns beschenken“, erklärt Dirigent Jochen Lorenz. Und so sei 2018 die Idee entstanden, ein Werk in Auftrag zu geben, sich sozusagen auf den Leib schreiben zu lassen. Schnell sei der Name Mario Bürki gefallen. Der 43-jährige Schweizer ist in den vergangenen Jahren zum gefragten Komponisten im Blasmusikbereich geworden. „Er passt zum Orchester“, sagt Lorenz. Bürki schreibt lautmalerisch, oft bildhaft. Er ist ein Geschichtenerzähler. „Das Publikum kann seine Musik schnell verstehen, ohne dass sie platt ist“, findet der Dirigent.
Auch das Thema war schnell gefunden, ist doch ein Energie-Begeisterter auch begeistertes Orchestermitglied: der Hochspeyerer Jochen Marwede, ehrenamtlicher Klimaschutzmanager der Gemeinde, mit eigener Fotovoltaik-Firma, der früher im globalen Ölgeschäft tätig war.
Fusion auf Zeit
Dann kam Corona – Bürki hatte mehr Zeit zum Schreiben und war mit seiner ersten Sinfonie schneller fertig als gedacht, im September. Das Orchester sei begeistert gewesen von der Musik – durch eine sogenannte Midi-File, eine digitale Hörprobe, konnten die Musiker das Werk kennenlernen. Aber sie konnten es nicht proben. Doch es wurde in Online-Meetings besprochen, bei denen auch Bürki dabei war. Und auch schon die Musiker des Symphonischen Blasorchesters Obere Nahe aus Idar-Oberstein, mit dem sich das SBO KL für diese Uraufführung wieder mal zusammengetan hat.
Wohl ist diese Fusion auf Zeit der knappen Probenzeit und einigen Ausfällen in beiden Orchestern zu schulden. Aber sie ist nicht ganz ungewöhnlich: Kinokonzerte haben die beiden Orchester schon zusammen verwirklicht, sie werden beide seit mehr als 25 Jahren von Lorenz dirigiert und einige Musiker spielen in beiden Klangkörpern. Außerdem gaben die Idar-Obersteiner noch was zum Auftrag dazu: „Wir konnten alles durch Sponsoren zahlen“, sagt Lorenz erfreut.
Proben im Parkhaus
Seit Mai wird nun mit 70 Musikern geprobt. Die Orchestermitglieder kommen nicht nur aus dem Landkreis Kaiserslautern und aus Idar-Oberstein, sondern fast aus ganz Rheinland-Pfalz – von den nördlichen Gegenden mal abgesehen. Am Samstag ist die vierte und letzte ganztägige Tuttiprobe: in einem Parkhaus in Birkenfeld. Das zu finden, sei gar nicht so einfach gewesen, berichtet der Dirigent. Proben und Konzernorganisation bezeichnet er als „logistische Herausforderung, die das ganze spannend macht“. Solche hat das Orchester schon häufig gemeistert, etwa bei Reisen nach Polen oder nach Tallinn mit Teilnahme am estnischen Sängerfest.
Von der Messehalle Idar-Oberstein könnte notfalls das Konzert online gestreamt werden, dort war nur der Samstag, 11. September, 20 Uhr, noch frei. So ist Kaiserslautern, die ursprünglichen Auftraggeber, erst als Zweites dran: am Sonntag, 12. September, 17 Uhr, in der ZAK-Halle auf dem Aspenkopf. „Wir begreifen das ganze Wochenende als Uraufführung“, sagt Lorenz.
Werkeinführung im Programm
Ganz gespannt darauf, sein Werk live zu hören, ist Komponist Mario Bürki. Er hat bisher nur Ausschnitte in kurzen Videosequenzen gehört. Am Sonntag kommt er nach Kaiserslautern und wird den Zuhörern auch mehr über sich und die Sinfonie „Energetica“ erzählen. Bei beiden Konzerten werden Lorenz und Orchester eine Werkeinführung geben: Ausschnitte werden gespielt und erklärt, so dass die Zuhörer sie dann, wenn das gesamte Werk erklingt, einordnen können. Außerdem ist als Auftaktwerk „The Wilderness“ von Rossano Galante angekündigt – insgesamt programmfüllend.
Dirigent Jochen Lorenz ist überzeugt davon, dass bald weitere Orchester das Auftragswerk aus dem Kreis Kaiserslautern entdecken werden: „Ich könnte mir vorstellen, dass es einschlägt wie eine Bombe.“ Hohe Qualität in nicht so hoher Spielanforderung – damit habe die Sinfonie ein Alleinstellungsmerkmal in der Welt der Blasmusik.
Auch besonders: Die Titelseite der Partitur ziert ein Gemälde der Hochspeyerer Künstlerin Gabi Schlimmer. Sie hat zu Papier gebracht, was Bürki vertont hat: Feuer, Kohle, Holz, Öl, Blitz und mehr. „Wir waren von Anfang an begeistert“, sagt Lorenz. „Es steckt stimmig ab, was in der Sinfonie ist.“
Tickets
Karten für das Konzert auf dem ZAK-Gelände gibt es zu zehn und acht Euro per E-Mail an kartenbestellung@sbo-kl.de. Weitere Infos: sbo-kl.de
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