Kaiserslautern RHEINPFALZ Plus Artikel Sanierung der Friedenskapelle wird noch teurer

Ist eingerüstet: die Friedenskapelle.
Ist eingerüstet: die Friedenskapelle.

Die Sanierung der Friedenskapelle, ein historisches Juwel im Osten der Stadt, macht Fortschritte. Jetzt wurden Sanitärräume eingebaut, das Gebäude, Baujahr 1835, ist eingerüstet. Was geplant ist und warum die Spendengelder nicht reichen.

Jahrelang gammelte die Friedenskapelle vor sich hin, wurde von der Stadtverwaltung als Lager genutzt. Vorher war sie Leichenhalle, später Notkirche, mit geplant von Leo von Klenze, seinerzeit Vorsitzender des Baukunstausschusses in München. Karin Kolb, Vorsitzende des Vereins für Baukultur und Stadtgestaltung, ist es zu verdanken, dass das Kleinod, wie sie es nennt, zu neuem Leben erweckt wurde.

Vermietung für Feiern geplant

Sie und ihre Mitstreiter sammelten 85.000 Euro Spendengelder für die Sanierung ein, seit dem Jahr 2016 ist die Volkshochschule als Mieter eingezogen, hat dort eine sozio-kulturelle Begegnungsstätte eingerichtet, nutzt das Gebäude für Unterrichtsstunden, Konzerte, Lesungen. In Zukunft, das betonte Volkshochschul-Direktor Michael Staudt am Freitag, soll die Kapelle auch an Privatpersonen vermietet werden, für Firmenfeiern und Geburtstage etwa. Dieter Burghaus, früher für die Denkmalpflege in Kaiserslautern zuständig, erinnert daran: Die Friedenskapelle sei ein Musterbeispiel für klassizistische Architektur. Es sei eines der ersten Gebäude gewesen, das in den 1970er Jahren in der Stadt unter Denkmalschutz gestellt wurde.

Jetzt wurde unter städtischer Regie eine Art Würfel im hinteren Teil der Kapelle eingebaut, in dem Toiletten, ein Ausgaberaum für Getränke und kleine Speisen sowie eine Künstlergarderobe untergebracht werden. Der Einbau sei bewusst sehr modern gestaltet und solle in Anthrazit gehalten werden, erläutert Udo Holzmann, Leiter des Referats Gebäudewirtschaft. Man wolle mit der Ausführung bewusst einen Kontrapunkt in dem historischen Ambiente setzen. An der gegenüber liegenden Ostwand prangt der Reichsadler, ein Machwerk des Kaiserslauterer Bildhauers Sepp Mages.

Blitzschutz kommt aufs Dach

Die Eingangstür zum Innenhof hin wird im Zuge des Innenausbaus ersetzt, das Gebäude ist eingerüstet, für den neuen Blitzschutz, der auf dem Dach installiert wird. Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt sollen bis zum Jahresende abgeschlossen sein. Werden weitere Förderer gefunden, soll perspektivisch auch der alte Natursteinboden hergerichtet werden, eine Deckensanierung steht auf dem Plan, zudem energetische Maßnahmen, ein Austausch der Fenster sowie eine Fassadensanierung.

Doch das ist Zukunftsmusik. Baudezernent Peter Kiefer ist froh, dass der Stadtrat im Frühjahr, als es eine exakte Kostenrechnung gab, grünes Licht für eine Übernahme von Mehrkosten gegeben hat, insgesamt 35.000 Euro. Weil aufgrund von Denkmalschutz-Auflagen und ständig steigenden Baukosten im Zuge der Corona-Pandemie sich alles weiter verteuerte, muss die Stadt jetzt noch einmal 35.000 Euro zuschießen. „Ohne den Verein für Baukultur und Stadtgestaltung wäre dieses Projekt niemals in die Gänge gekommen. Das ist eine unglaubliche Leistung“, sagte Kiefer. Er appellierte an Karin Kolb, sich weiter um Spenden zu bemühen. „Die Stadt steht hinter dem Projekt und dem großen Engagement des Vereins für Baukultur und Stadtgestaltung.“

Tag der offenen Tür fällt aus

Karin Kolb, die sich auch schon zusammen mit Dieter Burghaus für die Sanierung der Fruchthalle eingesetzt hatte, ist froh, dass es vorangeht. „So ein Raum darf nicht leerstehen.“ Die Volkshochschule als Mieter sei ein Glücksfall. Schwierig findet sie, dass ein für Ende Oktober geplanter Tag der offenen Tür nicht stattfinden kann. „Die Bürger wollen doch sehen, dass ihr Geld gut angelegt ist.“ Sie wolle versuchen, in kleinen Gruppen den Baufortschritt zu demonstrieren. „Wir brauchen auch weiter Unterstützung“, sagt sie. Die Friedenskapelle sei ein Zugewinn für Kaiserslautern. Für Kolb ist das Projekt auch ein Beispiel dafür, dass es sich lohnt, „Visionen und ein Ziel zu verfolgen“. „Wir dürfen nicht so oft sagen, das geht nicht.“

VHS-Chef Staudt bilanziert, dass die Friedenskapelle, die 88 Personen Platz bietet, seit sie von der VHS unterhalten wird, schon 3000 Besucher hatte. Die Volkshochschule habe seit dem Jahr 2016 200.000 Euro investiert, auch für neue Technik wie Beamer und eine Lautsprecheranlage.

Es geht voran mit dem Innenausbau: von links VHS-Chef Michael Staudt, Beigeordneter Peter Kiefer, Dieter Burghaus und Karin Kolb
Es geht voran mit dem Innenausbau: von links VHS-Chef Michael Staudt, Beigeordneter Peter Kiefer, Dieter Burghaus und Karin Kolb vom Verein für Baukultur und Stadtgestaltung.
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