Kaiserslautern
Musiker und Organisator Helmut Engelhardt hat wenig Hoffnung auf eine Konzertsaison
Nach seiner Rücksprache mit dem Betreiber des Lutherclubs, Mehmet Dalgali, bestehe eine vage Aussicht, dass dieser nach der Sommerpause – vielleicht im Oktober – wieder öffne. Engelhardt verweist auf die Verzahnung zwischen Musikszene und Gastronomie: Wenn nur noch ein Drittel der Besucher erlaubt sei, lohne sich für beide Seiten das Öffnen nicht.
Er erinnert, dass seine Jazz-Jam-Sessions mit Hausband und international renommierten Gästen ohne Zuschüsse auskomme: im Gegensatz zu Häusern wie der Kammgarn oder dem Pfalztheater. Ohne Neid, aber mit Bitternis nennt er solche Institutionen und fürchtet, dass sein jahrzehntelanger Aufbau seit den 1980er Jahren einer eigenen, besonderen Jazz-Tradition in der Barbarossastadt und der Region bedroht ist.
Aller Anfang im Leopold
Angefangen hat alles im Leopold, einer Kneipe in der Altstadt. Danach musste er oftmals einen Neuanfang wagen: So ab 1995 im ehemaligen Inn in der Mühlstraße, bis sich dann ab 2003 der Wednesday-Night-Jazzclub sich entwickelte.
Damals stieg er aus einer erfolgreichen saarländischen professionellen Band aus, um hier in Lautern die besondere Form des frei improvisierten (in Aufführung, Stil und variabler Besetzung) und experimentellen Vortrags zu etablieren. Die Chance dazu bekam und nutzte er im Gasthof des ehemaligen Westbahnhofs, bis er zusammen mit seinem Mitstreiter, dem Gitarristen Wolfgang Sing, nach der Schließung dieses Domizils ins ehemalige Paulaner am Altenhof erneut umziehen musste.
Wie Phoenix aus der Asche
Als Stehaufmännchen oder wie ein Phönix aus der Asche erfand er sich nach weiteren Umzügen immer wieder neu: Im Herrmanns in der Rummelstraße, dann im Storchenturm und jetzt eben im Lutherclub.
Die Stammbesetzung mit Pianist Volker Klimmer, Bassist Jörg Kirsch und Schlagzeuger Thorsten Requadt bot ein lukratives „Spielfeld“ für neue Arrangements quer durch alle Stile und Genres mit kühnen Improvisationen und Experimentierlust für renommierte Musiker der Jazzszene wie Pierre Paquette (Saxophon), Ralph Mosch Himmler (Trompete) sowie Kontrabassist Wolfgang Janischowski oder Sängerinnen wie Lisa Mosinski oder Djulia – um nur einige ihres Fachs zu nennen.
Eine Tradition am Leben halten
Engelhardt grenzt sich ab: Er sieht sich nicht als Veranstalter, verdiene an der Organisation nichts, partizipiere selten als Mitmusiker, verteile das Gros der Gelder aus dem Spenden-Hut unter den Musikern, die oft weite Anfahrten haben. Er tut, was er glaubt tun zu müssen, um eine ursprüngliche Tradition des lebendigen, authentischen und spielfreudigen Jazz – nicht kommerzialisiert, ritualisiert oder perfektioniert – am Leben zu halten.
Daneben verhalf er der ebenfalls im Luther-Club stattfindenden Blues-Night mit begeisternden Soul-Sängern als Promoter und Frontspieler zum Durchbruch. Doch auch das ist nun – wie so vieles – in Gefahr, leise und endgültig zu entschlafen.