Weltstar RHEINPFALZ Plus Artikel Mischa Maisky gastiert in der Fruchthalle Kaiserslautern

Spielt Schostakowitschs erstes Cellokonzert in Lautern: Mischa Maisky.
Spielt Schostakowitschs erstes Cellokonzert in Lautern: Mischa Maisky.

Er ist eine lebende Legende und gilt als der Romantiker unter den Cellisten, berühmt für seine emotionalen Interpretationen: Weltstar Mischa Maisky gastiert am 19. April mit der Deutschen Radio Philharmonie und Schostakowitschs erstem Cellokonzert in der Fruchthalle Kaiserslautern. Das Motto des Konzertes „Im Namen der Freiheit“ trifft auch auf sein Leben zu.

„Ich spiele ein italienisches Cello, mit französischen und deutschen Bögen und österreichischen und deutschen Saiten, meine sechs Kinder wurden in vier verschiedenen Ländern geboren, ich fahre ein japanisches und ein amerikanisches Elektroauto, trage eine indische Kette und eine Schweizer Uhr und ich fühle mich überall dort zuhause, wo die Leute klassische Musik genießen und schätzen“, sagt der Ausnahmekünstler Mischa Maisky über sich selbst. Ein Weltbürger ist er, ein umjubelter Gast in allen großen Konzertsälen der Welt, Preisträger renommierter Wettbewerbe, er hat zahlreiche preisgekrönte Alben veröffentlicht und spielt ein Cello von Domenico Montagnana aus dem Jahr 1720.

Zu diesem Instrument kam er am 29. November 1973, nach seinem Debüt in der New Yorker Carnegie Hall mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter der Leitung von William Steinberg, das auch den Beginn seiner internationalen Karriere markierte. „Damals habe ich die Liebe meines Lebens gefunden“, erzählt Maisky. Der damalige Besitzer, ein über 90-jähriger Rollstuhlfahrer und Amateur-Cellist, der selbst nicht mehr spielen konnte, verkaufte ihm das Instrument; die Mittel streckte Maisky eine jüdische Kulturstiftung vor – und dank eines Kredites von einer deutschen Bank konnte er sein Cello „auslösen“.

Der Cellist im Arbeitslager

Mischa Maisky wurde 1948 im lettischen Riga geboren, das damals noch zur Sowjetunion gehörte. Er stammt aus einer musikalischen jüdischen Familie ukrainischer Herkunft, sein Bruder Waleri spielte Geige und wurde später Organist und Musikwissenschaftler, seine Schwester Lena war Pianistin. Im Alter von acht Jahren begann Maisky mit dem Cellospiel und wurde an der Städtischen Musikschule, später am Konservatorium Riga unterrichtet, 1962 wechselte der 14-Jährige an eine dem Leningrader Konservatorium angeschlossene Musikschule. Dann begann er sein Studium am Moskauer Konservatorium in der Meisterklasse des berühmten Cellisten und Komponisten Mstislaw Rostropowitsch, der sein Mentor wurde und ihn nach dem frühen Tod seines Vaters finanziell unterstützte.

Doch Maisky konnte sein Studium dort nicht beenden. „Als ich kurz vor dem Abschluss meines Studiums bei Mstislaw Rostropowitsch am Moskauer Konservatorium stand und schon Preisträger beim Tschaikowsky-Wettbewerb war, folgten eineinhalb Jahre in sowjetischer Gefangenschaft, hauptsächlich in einem Arbeitslager in Gorki, dem heutigen Nishni-Nowgorod, wo ich jeden Tag tonnenweise Zement schaufeln musste“, erinnert er sich. „Schließlich erwirkte ein befreundeter Arzt meine Einweisung in die geschlossene Psychiatrie, die mich vor dem Militärdienst bewahrte und mir nach Monaten meine Ausreise aus der Sowjetunion ermöglichte.“

Flucht in ein zweites Leben

Hintergrund war die Auswanderung von Maiskys Schwester 1969 nach Israel. Und nachdem er versucht hatte, auf dem Schwarzmarkt einen Kassettenrekorder zu erwerben, wurde er verhaftet. „Man misstraute mir als Jude, nachdem meine Schwester nach Israel emigriert war, und man fürchtete, ich könnte es ihr gleichtun. Zunächst wurde ich schikaniert, durfte keine Konzerte mehr spielen, aber wenig später fand man einen fadenscheinigen Grund, um mich zu verurteilen.“

Mischa Maisky flüchtete. „Seit dem 7. November 1972 feiere ich mein zweites Leben. In einem Zug, auf den ich in Moskau gerade noch aufspringen konnte, erreichte ich um 9 Uhr morgens den Wiener Hauptbahnhof auf meinem Weg von Russland nach Israel. Ich war 24, sprach kein Wort Englisch und hatte nichts außer meiner Freiheit. Es war ein gewaltiger Neuanfang, und es fühlte sich für mich an wie nach einem Schlaganfall, wenn man alles wieder neu erlernen muss.“ Doch Maisky denkt nicht mit Bitterkeit an diesen Einschnitt in seinem Leben zurück. „Ich empfinde keinen Zorn. Ich bin an diesen Erfahrungen als Mensch – und somit auch als Musiker gereift, denn beides hängt für mich eng zusammen.“

Es gibt nur ein Ziel

1973 spielte Mischa Maisky seine ersten Konzerte „im Westen“, 1974 wurde er auf Vermittlung von Rostropowitsch noch Meisterschüler von Gregor Piatigorsky. „Ich sog alles auf, was er mir in vier intensiven Monaten auf den Weg geben konnte. Ich bin der einzige Cellist, der sowohl bei Rostropowitsch als auch bei Piatigorsky studiert hat.“

Und genauso wie seinen Meistern ist es auch Maisky selbst bei seiner eigenen Lehrtätigkeit wichtig, Studenten zu helfen, ihre eigene Persönlichkeit zu entwickeln. „Für sie stand nicht der Interpret im Mittelpunkt, sondern der Komponist und seine Musik. Auch das Instrument, wie schon der Name impliziert, ist lediglich ein Vehikel, das uns hilft, das ultimative Ziel zu erreichen, und das ist immer nur die Musik.“ Heute spielt Mischa Maisky nicht nur Orchesterkonzerte, sondern ist auch als Kammermusiker sehr aktiv, unter anderem mit Starpianistin Martha Argerich oder dem Maisky-Trio zusammen mit seiner Tochter, der Pianistin Lily Maisky, und seinem Sohn, dem Geiger Sascha Maisky.

Termin

Konzert am 19. April, 19.30 Uhr, in der Fruchthalle (Einführung um 18.45 Uhr); Karten im Vorverkauf in der Tourist-Info, 0631 365-2316, bei Thalia 0631 36219-814 und bei allen weiteren Vorverkaufsstellen sowie unter eventim.de.

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