Kaiserslautern
Im neuen Lernzentrum unkompliziert die deutsche Sprache lernen
Menschen aus Drittstaaten und mit einer Aufenthaltserlaubnis, die länger läuft als ein Jahr, bietet das Lernzentrum eine Gelegenheit, die deutsche Sprache zu erlernen. Nach 600 Stunden können sie einen ersten Abschluss nach B1 erreichen, der ihnen die selbstständige Verwendung der deutschen Sprache bescheinigt. Wer eine Sprachkompetenz darüber hinaus benötigt, weil er unter Umständen eine bestimmte Ausbildung anstrebt, kann in weiteren 300 Stunden noch einmal Stufe B2 erreichen.
Das Angebot des Lernzentrums sei kostenlos – und zwar nicht nur für Teilnehmer aus einem der regulären Deutschkurse an der VHS –, unterstrich Staudt. „Mit der Sprache integriert man sich“, ergänzte Projektleiter Pierangelo Calchera. Das Lernzentrum sei anders als ein Kurs. Hier könne der Teilnehmer kommen und gehen wie er wolle.
Beim ersten Besuch bekommen Lernwillige eine persönliche Beratung, bei der die Lernberaterinnen Marika Schmitt und Lana Habermann gemeinsam mit dem Lernenden dessen Defizite und Stärken feststellen. Danach wird allein oder in Gruppen gelernt. Es werden Wortschatz und Grammatik wiederholt, dazu Schreiben, Lesen und Hören trainiert.
Im Sprechcafé werden die Kenntnisse vertieft
Weil eine Sprache auch gesprochen werden will, bietet die VHS zweimal wöchentlich ein sogenanntes Sprechcafé an. Dort kann das Erlernte in der Praxis angewendet werden. Neben den festen Zeiten biete das Lernzentrum die Gelegenheit, während der Öffnungszeiten der VHS dort weitere Möglichkeiten wie Bibliothek, Laptopplätze, mobile Gruppenarbeitsplätze oder auch die Lernbegleitung vor Ort zu nutzen.
Sabha Mohamad aus Syrien ist eine der motiviertesten Lernenden der Volkshochschule. Sie weiß deren Angebot zu schätzen. Seit 2015 besucht sie dort regelmäßig die Deutschkurse und hat die Prüfung zur B1-Stufe bereits erfolgreich abgelegt. „Ich mag die deutsche Sprache“, versicherte sie anlässlich einer Übungsstunde im neuen Lernzentrum am Mittwoch. Schon kurz nach ihrer Ankunft auf dem Flughafen in Zweibrücken habe sie damals mit dem Deutsch lernen angefangen, danach in Kaiserslautern die VHS-Kurse in den Klassenzimmern gesucht, schilderte sie. Inzwischen macht sie weiter in Richtung B2-Prüfung: Sie sie möchte beruflich gerne in die Kindererziehung gehen.
Förderung auf zwei Jahre – mit Option auf Verlängerung
Jeder könne nach seinen eigenen Möglichkeiten lernen, denn jeder habe einen anderen Anspruch, warum er die deutsche Sprache erlernen möchte, erklärte die Binger Projektleiterin Petra Fleischmann aus ihrer Erfahrung. Dem einen gehe es ums Einkaufen, dem anderen um den Beruf. Dies sei für Lernberaterinnen die Herausforderung. Aber nur auf diese Weise könnten die Menschen, die über eine längere Zeit kommen, ihren Lernprozess selbst bestimmen.
Kaiserslautern ist erstmal für eine zweijährige Phase – laut Staudt „mit Aussicht, dass es verlängert wird“ – Teil des Projekts „Lernzentren in Rheinland-Pfalz“, das zu 75 Prozent durch den Asyl-, Migrations- und Integrationsfonds der Europäischen Union und dem Land Rheinland-Pfalz gefördert wird. Vorreiter waren seinerzeit zunächst die Lernzentren Bad Kreuznach und anschließend Bingen. Allein das Kaiserslauterer Lernzentrum werde in den ersten beiden Jahren von der EU mit 300.000 Euro unterstützt, berichtete Staudt. Das Zentrum in Bingen, mit seiner Erfahrung, und Kaiserslautern wollen sich als Partner im Projekt künftig gegenseitig unterstützen.